Interview: Jonas Schwemmer (Piratenpartei)

Es gibt Bundestagskandidaten, die so jung sind, dass sie selbst noch an kaum einer Wahl teilnehmen durften. Wir stellen euch die jungen Kandidaten der verschiedenen Parteien in einem ausführlichen Interview vor. Alle eint der Wunsch, dass sich die Politik mehr um die Belange der jungen Menschen kümmern muss.

Jonas Schwemmer ist 25 Jahre jung und kandidiert für die Piratenpartei als Bundestagskandidat für den Wahlkreis Roth.


 

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Herr Schwemmer, die Piraten werden den Umfragen zufolge kaum eine Chance haben, die Fünf-Prozent-Hürde zu schaffen. Ist eine Stimme für die Piraten dann nicht eine verschenkte Stimme?

Jonas Schwemmer
Finde ich nicht. Was habe ich denn davon, wenn ich eine Partei wähle, die meine Inhalte nicht vertritt und dafür dann in den Bundestag einzieht. Wir stehen für unsere Themen und die Wähler unterstützen diese Themen mit jeder Stimme für uns.

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Was sagen Sie zu dem Satz „Die Piratenpartei kann nur Internet?“

Jonas Schwemmer
Das Internet bestimmt unser alltägliches Leben. Insofern betrifft das Internet uns alle. Egal ob Arztbesuch oder etwa  Schule.

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Wie kam es dazu, dass du in die Politik gehen wolltest?

Jonas Schwemmer
Politisch interessiert war ich schon immer. Ausschlaggebend waren dann solche Dinge, wie die Vorratsdatenspeicherung und die ACTA-Demos. Die mich dann auch nach und nach zu den Piraten gebracht haben.

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Zu den besten Zeiten hat die Piratenpartei Fraktionen in mehreren Landtagen gestellt und ein Einzug in den Bundestag schien 2013 möglich. Woran lag dieser Höhenflug?

Jonas Schwemmer
Die Piraten waren damals einfach die einzige Protestpartei.

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Und jetzt hat die AfD den Piraten den Rang abgelaufen?

Jonas Schwemmer
Zum einen das, zum anderen spielen da öffentliche Streitigkeiten sicher auch eine wichtige Rolle. Das schreckt Wähler natürlich ab.

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Wie kann die Piratenpartei denn wieder Wähler gewinnen?

Jonas Schwemmer
Überzeugender sein. Wir haben ein Programm, dass jeden betrifft. Unsere Themen sind wichtig und wir müssen einfach klar kommunizieren: Wir können etwas für dich verändern.

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Was würdest du denn als Bundespolitiker anders machen?

Jonas Schwemmer
Transparenter arbeiten, etwa meine Termine veröffentlichen. Eine Plattform für offene Anträge anbieten, sodass Menschen auch außerhalb der Wahl Einfluss auf das politische Geschehen nehmen können.

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Andere Politiker benutzen Facebook, Instagram und Twitter und wollen so Transparenz zeigen. Reicht das nicht?

Jonas Schwemmer
Das ist alles so unverbindlich. Meiner Meinung nach braucht es wirklich ein Portal wie „Open Antrag“, indem man verbindlich Anträge stellen kann, den die Fraktionen dann so übernehmen können. Ein einfacher Tweet kann so etwas nicht ersetzen.

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Es gibt Menschen, die sagen, Bürger hätten gar nicht das Interesse, sich mehr zu beteiligen und sind ganz froh, die politische Verwaltung für vier Jahre abzugeben.

Jonas Schwemmer
In manchen Fällen mag das stimmen und an sich macht es auch Sinn, die politische Verantwortung auf einen Abgeordneten zu übertragen, aber gar keine Einflussnahme auf die Politik außerhalb funktioniert ja auch nicht.

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Die Piraten wollen alle Drogen freigeben?

Jonas Schwemmer
Es macht keinen Sinn, Alkoholismus als Krankheit zu behandeln und Drogenabhängige wie Kriminelle. Eine kontrollierte Freigabe aller Drogen wäre ein erster Schritt, Betroffenen zu helfen und gleichzeitig Beschaffungskriminalität einzudämmen.

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Entgegen dem Klischee: Die Piraten haben ja ein vollwertiges Wahlprogramm, mit einem ausgereiften Rentenkonzept. Auch das Bedingungslose Grundeinkommen spielt eine Rolle.

Jonas Schwemmer
Genau. Der Bundestag müsste eine Kommission bilden und ausarbeiten, wie das Ganze funktionieren kann. Dann muss es in einem kleineren Bereich getestet werden, etwa in einer Stadt oder einem Bundesland und wenn es funktioniert, auf Bundesebene ausgerollt werden.

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Kritikern zufolge darf „nichts tun“ nicht vom Staat honoriert werden.

Jonas Schwemmer
Es würde ja niemand nichts tun. Wenn ich nicht klassisch arbeite, dann gebe ich mich irgendwelchen Ehrenämtern hin, pflege meine Eltern, oder erziehe meine Kinder. Ich kann den ganzen Dingen, die ich nur neben meiner Arbeitszeit mache, intensiver nachgehen.

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Auf der anderen Seite fordert ihr einen erhöhten Spitzensteuersatz. Das wären dann 65 Prozent, ab einem Einkommen von einer Millionen Euro. Läuft man nicht Gefahr, Unternehmen so ans Ausland zu verlieren?

Jonas Schwemmer
Glaube ich nicht. Deutschland ist ja ein guter Wirtschaftsstandort, wir haben viele Fachkräfte. Das müssen wir einfach beibehalten, indem wir nachhaltig in Bildung investieren.

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Sie sind Katholik und gleichzeitig für eine Trennung von Kirche und Staat?

Jonas Schwemmer
Ich werde auch weiter gläubig bleiben, aber es würde vollkommen reichen, die Kirche rechtlich wie einen Verein zu stellen. Es gibt mittlerweile Menschen aus vielen verschiedenen Religionen in Deutschland, andere sind Atheisten. Warum sollte der Staat also mit der einen Kirche verflochten sein?

Lukas Rumpler

Article by Lukas Rumpler

2010 mit dem Bloggen angefangen - irgendwann zum Journalisten geworden. Ressort-Journalismus Studium an der Hochschule Ansbach mit dem Schwerpunkt auf Politik und Wirtschaft.