Jung, politisch, machtlos: Jugend ohne Mehrheit

 Der demographische Wandel ist nicht nur ein Problem für die Rentenkasse. Die Jugend wird für die Politik immer uninteressanter, denn Wahlen gewinnt man auch ohne sie.

Zugegeben, bei der Bundestagswahl 2013 bildeten die 21- bis 25-jährigen mit 60,3 Prozent die Gruppe mit der niedrigsten Wahlbeteiligung. Das heißt aber nicht, dass sie selbst schuld daran ist, dass sich die Politik immer weniger für sie interessiert. Im Gegenteil. Das Durchschnittsalter in Deutschland verschiebt sich immer weiter nach oben und damit auch das Alter der Wähler, die letztlich für einen Wahlerfolg gebraucht werden. Das sorgt dafür, dass es immer mehr die Themen abseits der Jugend sind, die den politischen Alltag bestimmen und das ist nicht fair.

Wenn sich die Politik nach einem quantitativen Maßstab um die Bedürfnisse der Bevölkerung kümmert, scheint das nachvollziehbar. Die Bevölkerung in Deutschland besteht derzeit zu etwa 65 Prozent aus Christen, gefolgt von gut 26 Prozent Konfessionslosen und knapp sieben Prozent Muslimen. Diese Zahlen werden sich in den nächsten Jahrzehnten voraussichtlich nur leicht verändern und geben damit eine Grundlage eine entsprechende Politik, wie der Verzicht auf muslimische Feiertage, auch langfristig zu gestalten.

Aber auf die Altersstruktur ist dieser quantitative Maßstab nicht ohne weiteres anwendbar. Denn während sich Religion und die damit verbundenen Traditionen nur sehr langsam ändern, gilt fast das Gegenteil bei verschiedenen Generationen und ihren Vorstellungen vom Leben. Zudem gilt: Je jünger ein Bürger, umso länger wird er noch in diesem Land leben und damit auch länger die Konsequenzen der aktuellen Politik tragen. Deshalb ist es alles andere als hinnehmbar, dass Menschen jenseits der 50 etwa darüber entscheiden, wie sehr wir unsere Umwelt zerstören. Die Wahlberechtigten in Deutschland sind aber zu 56,1 Prozent älter als 50-Jahre. Ihnen stehen nur 15,4 Prozent Wahlberechtigte unter 30-Jahre entgegen.

Ein stellvertretendes Wahlrecht für eine gerechte Verteilung

Minderjährige in Deutschland haben kaum Einfluss auf politische Entscheidungen. Sie haben nur die Stimme ihrer Eltern. Diese Stimme ist aber kaum etwas wert, weil sie nur so viel zählt, wie die eines kinderlosen Wählers.

Die Lösung wäre ein stellvertretendes Wahlrecht. Jeder Minderjährige bekommt eine Stimme, die stellvertretend von seinen Eltern abgegeben wird. Wahlen sollten gleich sein. Aber wie gleich sind Wahlen, wenn in einem Land wie Deutschland die Stimme von etwa zwölf Millionen Menschen keine politische Gewichtung bekommt. Nach diesem Prinzip würden Eltern einen zusätzlichen Wahlschein für jedes minderjährige Kind bekommen und hätten so eine zusätzliche Stimme im Sinne ihres Nachwuchses. Das würde  die Politik zwingen sich mehr um die Anliegen der jungen Menschen zu kümmern.

Würde man das Wahlsystem reformieren und geht man davon aus, dass gerade in der Gruppe der unter 40-Jährigen viele Eltern junger Kinder sind, bekommt man eine deutliche gerechtere Verteilung von 46,9 Prozent über 50-Jähriger gegen 40,7 Prozent Wahlberechtigter unter 40-Jahren.

Lukas Rumpler

Article by Lukas Rumpler

Politik-Blogger aus Leidenschaft. Zudem studiere ich Politik- und Wirtschaftsjournalismus an der Hochschule Ansbach.