2,7 Milliarden mit Cannabis: Legalize it?

Kiffen

Kanada, Teile der USA und andere haben es vorgemacht und Cannabis legalisiert. Ein Autorenteam hat nun für den Deutschen Hanfverband errechnet, dass die Bundesrepublik jährlich 2,7 Milliarden Euro durch die Legalisierung von Cannabis verdienen könnte. (PDF) Aber warum warten wir noch? Wir klären drei Fragen zu Gras und einer Legalisierung.

Woher würde das Geld kommen?

Durch Einsparungen und Einnahmen. Der Staat würde laut Studie mehr als eine Milliarde Euro an Polizeikosten sparen. Denn die Polizisten müssten sich in ihrer Arbeitszeit nicht mehr um Kiffer kümmern. Das hätte auch den Nebeneffekt, dass einem vermeintlichen Polizeimangel, wie er von Polizei und Politik propagiert wird, etwas entgegengesetzt würde. (zeit.de) Wenn Gras nicht mehr illegal ist, können sich mehr Polizisten um andere Fälle kümmern.

Es würden auch Justizkosten gespart werden, aber hier war keine genaue Berechnung möglich. (Spiegel Online)

Auf der anderen Seite würde der Staat auch abkassieren. Alleine mit einer Cannabis-Steuer, die in der Studie mit 2,60 Euro pro Gramm ähnlich hoch wie die Tabak- oder Alkohol-Steuer angelegt wurde, würde der Staat 650 Millionen Euro verdienen. Hinzu kommen fast 404 Millionen Euro an Umsatzsteuer, aber auch Lohnsteuer, Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer.

Schließlich würde ein ganz neuer Markt entstehen, der neue Arbeitsplätze schaffen und den Schwarzmarkt austrocknen würde.

Was spricht gegen eine Legalisierung?

Die Gegner einer Legalisierung befürchten zum einen, dass Gras nur eine Einstiegsdroge für härtere und gefährlichere Drogen sei. Das ist tatsächlich nicht ganz falsch. Eine Studie der “U.S. National Library of Medicine” zeigt, dass 45 Prozent der untersuchten Kiffer zumindest mal härtere Drogen probiert hätten.

Auf der anderen Seite hat eine Entkriminalisierung aber auch die Folge, ein Drogenproblem in den Griff zu kriegen. Zum einen kann der Staat die Qualität kontrollieren, Gras würde also nicht mehr mit gefährlichen Substanzen gestreckt. Zum anderen hat sich das Drogenproblem in Portugal beinahe erledigt.

Das Land hatte bis 2001 eines der größten Drogenprobleme in der EU, bis Besitz und Konsum von allen Drogen entkriminalisiert wurde. Stattdessen hat der Staat auf Suchtprävention und Hilfe gesetzt. Damit ist die Zahl der Toten durch eine Überdosis um mehr als drei Viertel gesunken. Die Zahl der Konsumenten hat sich in nur zehn Jahren beinahe halbiert. (The Guardian)

Auch die Meinung, Cannabis sei gefährlich, ist nicht ganz falsch. Zehn Prozent der Konsumenten sind psychisch abhängig, was zumindest weniger als bei Alkohol oder Tabak ist. Laut Deutschem Hanfverband kann Gras auch eine milde körperliche Abhängigkeit hervorrufen. Zudem kann es Psychosen bei Menschen auslösen, die dafür bereits anfällig sind. So wurde Cannabis in den letzten Jahrzehnten so gezüchtet, dass das high-machende THC stark gestiegen ist. Das CBD im Gras, das unter anderem Psychosen unterbindet, ist gesunken.

Einige Studien bringen einen exzessiven Konsum auch mit gesundheitlichen Problemen in Verbindung oder gehen davon aus, dass es jugendlichen Gehirnzellen im Wachstum schadet.

Mehr zu den Gegenargumenten bei kurzgesagt und funk:

Warum können wir noch nicht legal kiffen, wenn Gras nicht so schädlich wie Alkohol oder Tabak ist?

Weil ganz einfach keine große Lobby da ist, wie für Alkohol oder Tabak und weil sich konservative Mehrheiten darauf berufen, dass vor allem Alkohol schon immer Teil der deutschen Kultur war.

Allerdings sind die Grünen, die Linken, die FDP und auch Teile der SPD für eine Legalisierung. Wenn man sich die aktuellen Umfragewerte anschaut, ist es also gar nicht so unwahrscheinlich, dass die nächste Bundesregierung Cannabis legalisiert.

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Article by Baha Kirlidokme

Studiert Politik- und Wirtschaftsjournalismus an der Hochschule Ansbach. Sitzt aktuell in der taz.de-Redaktion. Schreibt für bento von Spiegel Online. Freier Mitarbeiter bei der Main-Post und dem Schweinfurter Tagblatt. Autor beim Radiosender ANgedacht. War Redakteur beim Ansbacher Stadtmagazin Kaspar und Autor für das Musikmagazin Stormbringer.

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