Tür Nummer Zehn – Adventskalender: Frauen, die die Welt verändern

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Der “Relevant-Magazin-Adventskalender” ist wieder da. Nachdem wir uns im letzten Jahr auf Politikerzitate konzentriert und im Nachhinein festgestellt haben, dass unser Fokus leider zu sehr auf den Männern der Geschichte lag, drehen wir dieses Jahr den Spieß um. Wir stellen euch diesen Dezember 24 Frauen vor, die die Welt verändert haben.

“Welchen Zweck soll das haben, Menschen zurückzuhalten, die doch nichts sehnlicher wünschen, als ein Land zu verlassen, in dem man sie einsperrt, wenn sie bleiben?” Dieses Zitat stammt aus dem Jahr 1944, doch ist aktueller denn je. Der Ursprung: Anna Seghers Roman “Transit“.

Anna Seghers, eigentlich “Netty Reiling”, war eine deutsche Autorin, die mit ihrem Roman “Die Gefährten” 1932 vor dem Faschismus in Deutschland warnte. Geboren wurde sie am 19. November 1900 in Mainz. Ab 1919 studierte sie in Köln und Heidelberg Geschichte, Kunstgeschichte und unter anderem auch Sozialtheorie des Marxismus. Sie promovierte im Jahr 1924 mit einer Dissertation über “den Juden und das Judentum im Werk Rembrandts”.

Nach ihrem Studium heiratete sie den kommunistischen Gesellschaftswissenschaftler László Radványi, der sich später Johann-Lorenz Schmidt nannte. Sie lebten in Berlin und bekamen zwei Kinder. 1924 erschien auch ihre erste Erzählung “Die Toten auf der Insel Djal” in der Frankfurter Zeitung. Dort benutzt sie das erste Mal den Namen Antje Seghers. Drei Jahre später erschien ihre Erzählung “Grubetsch” unter dem Künstlernamen Seghers. Viele vermuteten deshalb, sie wäre ein Mann. “Aufstand der Fischer von St. Barbara” war ihr erstes Buch und erschien 1928. Im gleichen Jahr trat Anna Seghers der KPD bei und gründete den Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller mit.

Nachdem Adolf Hitler an die Macht kam, änderte sich aber alles für Seghers. Sie wurde kurzfristig von der Gestapo festgehalten, ihre Bücher wurden verboten und verbrannt und bald darauf floh sie mit ihrer Familie nach Frankreich. Dort arbeitete sie mit anderen Flüchtlingen an deutschen Zeitschriften und gründete 1935 den “Schutzverband Deutscher Schriftsteller” in Paris.

Als die deutschen Truppen in Frankreich einmarschierten, musste Seghers erneut fliehen. Ihr Mann wurde in Südfrankreich in ein Lager gesteckt, doch dank Seghers Bemühungen kam er wieder frei und sie flohen gemeinsam nach Mexiko. Mexiko wurde es aus dem Grund, weil damals im Konsulat Flüchtlingen sehr großzügig Einreisegenehmigungen ausgestellt wurden.

Schnell fand ihr Mann in Mexiko-City an der Nationaluniversität Arbeit. Anna Seghers dagegen gründete den antifaschistischen “Heinrich-Heine-Club” und rief die Bewegung “Freies Deutschland” ins Leben. Gemeinsam mit Ludwig Renn gab sie die gleichnamige Zeitschrift heraus. 1942 erschien ihr Roman “Das siebte Kreuz“, der zwei Jahre später verfilmt wurde und Anna Seghers weltberühmt machte.

1947 kehrte sie mit ihrer Familie nach Berlin zurück. Anfangs war sie Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Drei Jahre später zog sie nach Ost-Berlin und wurde Mitglied des Weltfriedensrates. Sie erhielt den Nationalpreis der DDR und wurde Vorsitzende des Schriftstellerverbandes. In der ganzen DDR wurde sie stark verehrt und wurde auch als “Heldin der Arbeit” bezeichnet.

Bis zu ihrem Tod lebte sie in Ost-Berlin, schrieb Bücher und war im Schriftstellerverband tätig. Sie starb am 1. Juni 1983. Zu ihren Ehren fand ein großer Staatsakt in der Akademie der Künste statt.

“Wir fühlten alle, wie tief und furchtbar die äußeren Mächte in den Menschen hineingreifen können, bis in sein Innerstes, aber wir fühlten auch, dass es im Innersten etwas gab, was unangreifbar war und unverletzbar.” (aus “Das siebte Kreuz” von Anna Seghers)

Article by Sarah Walz

Studiert Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach. Arbeitet als Freie Mitarbeiterin beim Schwarzwälder Boten und Autorin beim Zollern-Alb-Kurier. War Praktikantin beim Radiosender afk max und moderiert eigene Sendungen. Ebenso Praktikantin beim Medienzentrum Parabol. Dazu Redakteurin beim Campusradio Ansbach. Derzeit Praktikantin bei Pro Sieben Galileo. Interessiert an Fotografie und Filmen, sowie Literatur und Tanz.