Tür Nummer 23 – Adventskalender: Frauen, die die Welt verändern

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Der “Relevant-Magazin-Adventskalender” ist wieder da. Nachdem wir uns im letzten Jahr auf Politikerzitate konzentriert und im Nachhinein festgestellt haben, dass unser Fokus leider zu sehr auf den Männern der Geschichte lag, drehen wir dieses Jahr den Spieß um. Wir stellen euch diesen Dezember 24 Frauen vor, die die Welt verändert haben.

Victoria Woodhull war die erste weibliche Präsidentschaftskandidatin der USA. Geboren wurde sie als Victoria California Claflin am 23. September 1838 in Homer, Ohio. Die Familie war sehr arm und den Eltern fiel es schwer die 10 Kinder zu versorgen. Ihr Vater Reuben Buckman Claflin war ein Dieb. Früh musste Victoria gemeinsam mit ihrer Schwester Tennessee und ihrem Vater auf Reisen gehen und als Kinder-Wahrsagerin auftreten.

Mit 15 Jahren heiratete sie Canning Woodhull. Sie hatten zwei Kinder zusammen. Die Ehe gestaltete sich als schwierig, Canning Woodhull war Trinker und Morphium abhängig. Victoria musste die Familie als Heilerin über Wasser halten. Als Canning alle Ersparnisse für eine Geliebte ausgab, verließ Victoria Woodhull ihn und nahm die Kinder mit.

Bald darauf traf sie den Bürgerkriegsveteranen Colonel James Blood kennen, der für die Nordstaaten gekämpft hatte und sie verliebten sich. Er unterstütze ihren Wunsch nach mehr Bildung und ihr Interesse an der Frauenrechtsbewegung. Woodhull heiratete Blood, behielt aber ihren Namen. Zu einer Wahrsagerin würde der Name “Blood” eher weniger passen, meinte sie. Gemeinsam mit Victorias Schwester Tennessee zogen sie 1865 nach New York.

Die Schwestern nutzen ihren Sinn für das Übernatürliche: Sie arbeiteten als Medien und nahmen vermeintlich Kontakt zu Verstorbenen auf. So auch mit der verstorbenen Mutter des Millionärs Cornelius Vanderbilt. Tennessee hatte kurz darauf eine Affäre mit ihm. Die Schwestern sagten Vanderbilt Aktienkurse voraus und er soll sie am Gewinn beteiligt haben. Gemeinsam mit Vanderbilts Hilfe, eröffneten sie ein Büro an der Börse und waren damit die ersten weiblichen Brokerinnen an der Wall Street.

Ab 1870 gaben die Schwestern zu dem die Wochenzeitung “Woodhull & Claflin’s Weekly” heraus. Thema Nummer Eins in der Zeitung: Frauenrechte. Vor allem den Doppelstandard der Gesellschaft prangerte Woodhull an. Untreue Männer seien akzeptiert, aber untreue Frauen würden sofort in soziale Ungnade fallen. Frauen sollten frei entscheiden dürfen, zu heiraten, zu lieben und sich scheiden zu lassen, so Woodhull. Das war ihr Konzept von “Freier Liebe”.

In der Wochenzeitung erschienen auch sozialistische Texte, so waren die Schwestern die Ersten, die Marxs und Engels “Kommunistisches Manifest” übersetzten und abdruckten.

Die New Yorker Suffragetten nahmen die Schwestern bei sich auf. Suffragetten war eine Bezeichnung für mehr oder weniger organisierte Frauenrechtlerinnen in den USA und Großbritannien. Victoria Woodhull passte aber nicht ganz zu ihnen, sie war den Suffragetten zu revolutionär. Aus ihrer Sicht verfügten Frauen über keine Selbstbestimmung, weil sie sich passiv verhielten. Woodhull sah damit den Grund für Unmündigkeit nicht bei den Männern, die Frauen Rechte wegnahmen. Eine Frau sollte sich ihr Recht auf Mündigkeit einfach nehmen. Die Suffragetten warfen Victoria Woodhull bald darauf aus ihrer Vereinigung,

1870 gründete Victoria Woodhull die “Equal Rights Party” und kündigte ihre Kandidatur für das Amt als Präsidentin an. Ein Jahr später sprach sie als zweite Frau vor dem juristischen Ausschuss des Repräsentantenhauses vor. Das Problem: Frauen durften bis dato nicht wählen, geschweige denn gewählt werden. Woodhull sah das Problem anders. Der Zusatzartikel 14 der Verfassung sprach allen, die in den USA geboren waren, das Wahlrecht zu. Damit war für Woodhull klar, dass Frauen das Wahlrecht schon hatten, nur an der Ausübung gehindert wurden.

1872 nominierte ihre Partei sie offiziell, sowie Frederick Douglass als ihren Vize und damit einen ehemaligen Sklaven. Douglass Nominierung hatte symbolischen Charakter: Sie sollte zeigen dass die “Equal Rights Party” nicht nur für Frauenrechte sondern auch für die Rechte der Schwarzen eintrat.

Woodhull musste sich vielen Widersachern zur Wehr setzen, unter anderem war die reiche Schriftstellerin Harriet Beecher Stowe kein Fan von ihr. Die Einstellung Woodhulls zur Ehe missfiel Beecher Stowe zu tiefst. Vehement ging sie mit ihren Geschwistern gegen Woodhull vor. Diese aber wusste von der Affäre des Bruders von Beecher Stowe, der zu allem dem auch noch Priester war. Kurzerhand veröffentlichte Woodhull die Geschichte in ihrer Zeitung. Der Artikel wurde vom New Yorker Sittenwächter als obszön eingestuft und die Schwestern Woodhull und Clafin wurden verhaftet. Drei Tage vor der Wahl.

Bei der Wahl ging Woodhull unter, der Republikaner Ulysses Grant gewann mit großer Mehrheit. Wie viele Stimmen Victoria Woodhull am Ende bekam, lässt sich nicht mehr feststellen.

In den folgenden Jahren bemühte sich Woodhull noch zwei Mal um die Präsidentschaft, kam aber nicht besonders weit damit. 1876 zogen sie und ihre Schwester nach Großbritannien. Woodhull ließ sich wieder scheiden und und heiratete den Bankier John Martin. Bis zu ihrem Tod schrieb Victoria Woodhull Bücher und trat als Rednerin auf.

Sie starb am 9. Juni 1927 an Altersschwäche.

 “Ich bin mir darüber im Klaren, dass ich mit der Bewerbung auf diese Stelle mehr Hohn als Enthusiasmus auslöse. Aber dies ist eine Epoche der plötzlichen Veränderungen und Überraschungen. Was heute absurd erscheint, wird morgen ein seriöser Aspekt sein.”

Article by Sarah Walz

Studiert Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach. Arbeitet als Freie Mitarbeiterin beim Schwarzwälder Boten und Autorin beim Zollern-Alb-Kurier. War Praktikantin beim Radiosender afk max und moderiert eigene Sendungen. Ebenso Praktikantin beim Medienzentrum Parabol. Dazu Redakteurin beim Campusradio Ansbach. Derzeit Praktikantin bei Pro Sieben Galileo. Interessiert an Fotografie und Filmen, sowie Literatur und Tanz.