Tür Nummer Acht – Adventskalender: Frauen, die die Welt verändern

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Der “Relevant-Magazin-Adventskalender” ist wieder da. Nachdem wir uns im letzten Jahr auf Politikerzitate konzentriert und im Nachhinein festgestellt haben, dass unser Fokus leider zu sehr auf den Männern der Geschichte lag, drehen wir dieses Jahr den Spieß um. Wir stellen euch diesen Dezember 24 Frauen vor, die die Welt verändert haben.

Annemarie Renger war Bundestagsabgeordnete für die SPD und die erste weibliche Bundestagspräsidentin. 47 Jahre lang saß sie für die SPD im Bundestag. Geboren wurde sie am 7. Oktober 1919 in Leipzig und wuchs in Berlin auf. Ihr Vater Fritz Wildung war aktiver Sozialdemokrat und genau aus dem Grund wurde er, nachdem Adolf Hitler an die Macht kam, von den Nazis verfolgt. Renger musste deswegen auch das Gymnasium verlassen, weil das Geld zu knapp wurde. 1938 heiratete sie Emil Renger und im gleichen Jahr kam ihr gemeinsamer Sohn auf die Welt. Kurz darauf starb Emil im Krieg und Annemarie Renger war mit nur 26 Jahren Witwe.

Nach dem Krieg lernte sie Kurt Schumacher kennen, den damaligen ersten Vorsitzenden der SPD. Sie trat der Partei bei, wurde Schumachers Sekretärin, Vertaute und dann Lebensgefährtin. Schumacher war aber schon schwer krank und von Konzentrationslagern gezeichnet. Wie er, definierte sie sich über die Arbeiterbewegung und beide hielten wenig von der 68er-Bewegung. Die hätte ihrer Meinung nach nur gegen die eigene Partei gearbeitet. Kurt Schumacher starb im Jahr 1952.

Sie war von 1962 bis 1973 Mitglied im SPD-Vorstand und gehörte zu den führenden Köpfen der “Kanalarbeiterriege”. Das war eine Fraktion der SPD, die vor allem konservativ, aber gewerkschaftsnah war.

Als sie 1972 Bundestagspräsidentin wurde, war sie damit auch die erste Frau an der Spitze des Bundestages.  Sie galt als die “Grande Dame” der Sozialdemokratie und war gefürchtet für ihre Ruppigkeit. Streit gehörte für sie zur Demokratie. „Der Bundestag ist kein Mädchenpensionat, in dem alles so gesittet zugeht“, war ein viel zitierter Satz von ihr. Ihr Stil und ihre immer perfekt gestylten Haare brachten ihr bald den Spitznamen “Miss Bundestag” ein.  Den damaligen noch Juso-Vorsitzenden Gerhard Schröder soll sie 1980 auf das Fehlen seiner Krawatte hingewiesen haben: „Genosse Schröder, wenn morgen die Wahl des Bundeskanzlers ist, bindest Du Dir aber eine Krawatte um, wie es sich gehört.“

Bis 1976 war sie Präsidentin des Bundestages und danach Vizepräsidentin. Renger wurde mehrmals für ihr Engagement für das deutsch-jüdische Verhältnis ausgezeichnet. Am 3. März 2008 starb Annemarie Renger im Alter von 80 Jahren.

“Ich habe mich selber für das Amt des Bundestagspräsidenten vorgeschlagen. Glauben Sie, man hätte mich sonst genommen?” 

 

 

Article by Sarah Walz

Studiert Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach. Arbeitet als Freie Mitarbeiterin beim Schwarzwälder Boten und Autorin beim Zollern-Alb-Kurier. War Praktikantin beim Radiosender afk max und moderiert eigene Sendungen. Ebenso Praktikantin beim Medienzentrum Parabol. Dazu Redakteurin beim Campusradio Ansbach. Derzeit Praktikantin bei Pro Sieben Galileo. Interessiert an Fotografie und Filmen, sowie Literatur und Tanz.