Tür Nummer Neun – Adventskalender: Frauen, die die Welt verändern

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Der “Relevant-Magazin-Adventskalender” ist wieder da. Nachdem wir uns im letzten Jahr auf Politikerzitate konzentriert und im Nachhinein festgestellt haben, dass unser Fokus leider zu sehr auf den Männern der Geschichte lag, drehen wir dieses Jahr den Spieß um. Wir stellen euch diesen Dezember 24 Frauen vor, die die Welt verändert haben.

Rosa Luxemburg war eine marxistische Theoretikerin, Politikerin und Mitgründerin des “Spartakusbundes”. Sie wirkte in der polnischen und auch deutschen Sozialdemokratie. Geboren wurde sie in Polen am 05. März 1871 in Zamosc. Ihre Eltern waren Juden und waren Landschaftsarchitekten.Mit 13 Jahren schon, schrieb sie ein sarkastisches Gedicht an den deutschen Kaiser Wilhelm I.: „Sage deinem listigen Lumpen Bismarck, Tue es für Europa, Kaiser des Westens, Befiehl ihm, daß er die Friedenshose nicht zuschanden macht“.

Am Gymnasium kam sie zum ersten Mal mit den Schriften von Karl Marx in Berührung und sie trat der verbotenen marxistischen Gruppierung “Das Proletariat” bei . Sie las die marxistischen Schriften, ohne es zu einem Geheimnis zu machen. 1888 bestand sie das Abitur als Klassenbeste, doch sie bekam keine, für damals typische, Medaille, wegen “oppositioneller Haltung gegenüber den Behörden”.

Als herauskam, dass sie zum “Proletariat” gehört, musste sie vor der Zarenpolizei aus Polen fliehen und landete in der Schweiz. In Zürich studierte sie und gründete die “Sozialdemokratie des Königreiches Polen” mit.

Nach ihrem Studium ging sie eine Scheinehe mit Gustav Lübeck ein, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten. Sie reiste nach Berlin und wurde Mitglied der SPD. Sie arbeitete für die Sächsische Landeszeitung als Journalistin. Mehrmals musste sie ins Gefängnis wegen “Majestätsbeleidigung ” und “Anreizung zum Klassenkampf”. Sie beteiligte sich an der Russischen Revolution und wurde dort als die “Geniale” bezeichnet.

1914 gründetete Rosa Luxemburg mit sechs anderen SPD-Parteilinken, wie Franz Mehring und Clara Zetkin, die “Gruppe Internationale”, der sich auch Karl Liebknecht anschloss. Aus dieser Gruppierung wiederum ging der Spartakusbund hervor. Der Spartakusbund sprach sich gegen den Krieg aus und ihr Ziel war die internationale Revolution des Proletariats, um den Kapitalismus weltweit zu stürzen. Gemeinsam mit Liebknecht gab Luxemburg die sogenannten Spartakusbriefe heraus. Mit ihrer Anti-Kriegs-Haltung provozierte Luxemburg die SPD und dadurch spaltete sich die Gruppierung ab.

1915 wurde Rosa Luxemburg verhaftetet, aufgrund einer Rede, die sie in Frankfurt am Main gehalten hatte. Liebknecht wurde in den Kriegsdienst eingezogen. Ein Jahr später kam Luxemburg frei, wurde aber wegen Hochverrats nochmal für drei Monate ins Gefängnis gesteckt. Ab 1916 kam sie in die “Sicherheitsverwahrung”. Drei Jahre und vier Monate wurde sie gefangen gehalten. In dieser Zeit schrieb sie vor allem Aufsätze, die ihre Freunde dann aus dem Gefängnis schmuggelten und illegal veröffentlichten. So erschien ihr Aufsatz “Die Krise der Sozialdemokratie“, in dem sie mit der “bürgerlichen Gesellschaftsordnung” und der Rolle der SPD abrechnet. Vor allem die SPD hätte ihr nur reaktionäres Wesen im Krieg offenbart, so Luxemburg. Diesen Schluss zog sie aus der Zustimmung der SPD für die Kriegsfinanzierung und dem Versuch der Sozialdemokraten, sich mit dem System zu arrangieren.

Rosa Luxemburg lies sich im Gefängnis auch immer über alle Veränderungen in der Welt informieren. So bekam sie auch von Lenins Revolution in Russland mit. Luxemburg schrieb dazu einen Aufsatz, in dem sie Lenins Revolution zwar an sich begrüßte, aber seine Strategie scharf kritisierte. Sie warnte auch vor einer Diktatur der Bolschewiki. Trotzdem forderte sie eine Revolution für Deutschland, nach russischem Vorbild. Bald darauf kam Rosa Luxemburg aus der Sicherheitsverwahrung frei.

1918 gründeten die Spartakisten und andere sozialistische Gruppen die Kommunistische Partei Deutschlands. Das Programm der Partei stammte von Rosa Luxemburg. Im Zuge der Novemberrevolution wurde Rosa Luxemburg gemeinsam mit Karl Liebknecht von Freikorpsoffizieren entführt, verhört, gefoltert und am 15. Januar 1919 schlussendlich getötet.

“Eure ‘Ordnung’ ist auf Sand gebaut. Die Revolution wird sich morgen schon rasseln wieder in die Höh’ richten und zu eurem Schrecken mit Posaunenklang verkünden. Ich war, ich bin, ich werde sein!”

An jedem Adventssonntag präsentieren wir euch eine kleine Geschichte. Was wäre wohl, wenn die Frauen aus unserem Adventskalender in der Gegenwart aufwachen würden. Wie würden sie auf die Jetzt-Zeit reagieren?

Rosa Luxemburg – Sie ist wieder da

Article by Sarah Walz

Studiert Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach. Arbeitet als Freie Mitarbeiterin beim Schwarzwälder Boten und Autorin beim Zollern-Alb-Kurier. War Praktikantin beim Radiosender afk max und moderiert eigene Sendungen. Ebenso Praktikantin beim Medienzentrum Parabol. Dazu Redakteurin beim Campusradio Ansbach. Derzeit Praktikantin bei Pro Sieben Galileo. Interessiert an Fotografie und Filmen, sowie Literatur und Tanz.