CSU zeigt Die PARTEI-Kandidatin an – Das sagt Andrea Kübert

küber plakat csu

Der Wahlkampf in Bayern ist in der heißen Phase, denn diesen Sonntag sind Landtagswahlen. Die CSU ist mit aktuell 33 Prozent weit abgeschlagen. Nun sorgt ein Wahlplakat mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder Furore.

“Christliche Werte hochhalten!” steht auf dem Wahlplakat der Partei Die PARTEI. Zu sehen: Die blutverschmierte Würzburger Landtags- und Bezirkstagskandidatin Andrea Kübert. In ihrer linken Hand hält sie den abgetrennten Kopf von Ministerpräsident Markus Söder.

Die CSU findet das nicht so witzig und geht nun juristisch gegen Wahlplakate vor, die unter anderem vor dem Würzburger Dom hängen. Sie hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. (Bayerischer Rundfunk)

Wir haben Andrea Kübert zu dem Vorfall interviewt.

Relevant Magazin
Will die Partei DIE PARTEI Markus Söder köpfen und ist vielleicht Horst Seehofer als nächstes dran? Oder doch eher Christian Lindner, der auf dem Selfie mit dir so wirkt, als hättest du ihn kurz vorher bedroht?

Andrea Kübert
Die PARTEI will natürlich niemanden physisch köpfen! Wir schauen uns gerne an, wie Köpfe rollen aber körperliche Gewalt ist nicht unser Style (Aussagen meiner kleinen Brüder könnten dem Leser ein falsches Bild vermitteln.) Christian Lindner (ich sag ja „Chrissi“) hat sich maximal von meiner atemberaubenden Schönheit bedroht gefühlt.

Relevant Magazin
Ganz ehrlich: Du hast doch auf eine Reaktion der CSU gehofft, oder? Bessere Werbung für dich geht doch gar nicht.

Andrea Kübert
Jein. Dass sich die CSU ernsthaft an einem biblischen Motiv aufhängt war ein nicht berechenbarer Faktor. Etwa so, wie man den Weg eines geköpften Huhns nicht berechnen kann. Letzte Zuckungen sind nicht zu berechnen. Aber ich akzeptiere, dass die CSU diesen Weg gewählt hat und sich auf meinem Rücken noch ein paar Stimmen erschleichen will. Ich war selbst noch nie in der Situation und kann diese Aktion von daher schwer nachvollziehen.

Relevant Magazin
Nachdem die CSU Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt hat, hast du nochmal deutlich gemacht, dass du die Adressatin der Anzeige sein solltest. Du stehst also definitiv zu dem Plakat und machst dir keine Sorgen, dass du belangt wirst? Oder nimmst du das einfach in Kauf?

Andrea Kübert
Was sollte denn im schlimmsten Fall passieren? Als hätte ich mir vor Veröffentlichung keinen juristischen Rat eingeholt. Ich sehe das sehr entspannt. Im Statement von Oliver Jörg, dem Kandidaten der CSU, wird sehr klar, dass es zum größten Teil um die Darstellung von Brutalität geht. Die Darstellung von Brutalität findet sowohl in der Bibel als auch in den Medien statt. Die Bibel und christliche Werte werden von der CSU hochgehalten. Ich finde die Anklage sehr bigott.

Relevant Magazin
Wie sollte man das Plakat interpretieren?

Andrea Kübert
Die Idee kam mir im Bus. Wie jeder ehrwürdige Bayer sinniere ich täglich mehrfach über die Bibel. Eine meiner Lieblingsgeschichten ist die von Judith und Holofernes. Ich fuhr im Bus an Söder Plakaten vorbei und schlug so den Bogen von der mutigen, keuschen, atemberaubend schönen Frau zu mir und Judith. Der Rest liegt auf der Hand, denke ich.

Relevant Magazin
Nun hast du sogar Hausverbot bei der CSU bekommen. Um welche Veranstaltung geht es da und wie hast du davon erfahren?

Andrea Kübert
Es war eine öffentliche Wahlkampfveranstaltung der CSU. Es war die Abschlusskundgebung. Mutig, wenn man bedenkt, dass die Wahlprognosen der CSU die schlechtesten seit Menschengedenken sind und die CSU sich bereits sechs Tage vor der Wahl in den Feierabend verabschiedet. Aber es ist nicht an mir zu urteilen. Das bleibt Sache des Wählers. Als ich das Vogel Convention Center betreten wollte, wurde mir von sehr höflichem Sicherheitspersonal der Eintritt verwährt. Auf Rückfrage bekam ich keine Begründung für diese Entscheidung und wurde in angemessener Form heraus gebeten.

Bildquellen:

Daniel Peter / Daniel Peter / Andrea Kübert

Article by Baha Kirlidokme

Studiert Politik- und Wirtschaftsjournalismus an der Hochschule Ansbach. Sitzt aktuell in der taz.de-Redaktion. Schreibt für bento von Spiegel Online. Freier Mitarbeiter bei der Main-Post und dem Schweinfurter Tagblatt. Autor beim Radiosender ANgedacht. War Redakteur beim Ansbacher Stadtmagazin Kaspar und Autor für das Musikmagazin Stormbringer.