Daten und Missbrauch (Jung, politisch, machtlos)

Private Daten für politische Zwecke: In Zeiten von Facebook und Co wird es immer leichter, die Wähler zu analysieren und so für sich zu gewinnen. Der eigentliche Skandal aber ist die Scheinheiligkeit.

Die Firma Cambridge Analytica hat die Daten von mehr als 50 Millionen Facebook Nutzern ausgewertet und die Analysen meistbietend verkauft – unter anderem an die Partei von Donald Trump. Während jetzt alle ”Skandal” schreien, wäre ein guter Zeitpunkt, um über das grundlegende Geschäftsmodell von vielen Internet-Unternehmen zu sprechen.

Unternehmen wie Facebook und Google machen mit einem einfachen Geschäftsmodell unglaublich viel Geld. Sie bieten eine gefragte Dienstleistung kostenfrei an, sammeln akribisch genau die anfallenden Nutzerdaten, werten diese aus und liefern dann passgenaue Werbung, durch sogenanntes Microtargeting, aus.

Alphabet – der Mutterkonzern von Google – hat so im vergangenen Jahr rund 110 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Facebook hat im letzten Quartal 26,76 US-Dollar pro Nutzer aus den USA und Kanada eingenommen. Im Kapitalismus gilt: Ist ein Produkt umsonst, dann gibt es keine Kunden. Die Konsumenten werden zu Handelsobjekten. Und genau so behandelt Facebook seine Nutzer. Die Datenprofile werden genutzt, um sie werbetreibenden Unternehmen, Dienstleistern, politischen Parteien und Interessensgruppen zur Verfügung zu stellen, die dann genau die Menschen erreichen können, die zielgruppenrelevant sind.

Unternehmen kennt Kunden – kein Einzelfall

Viele Unternehmen leben davon, dass sie ihre Kunden kennen. Das fängt schon beim kleinen Handwerksbetrieb an, der nach Jahren im Geschäft natürlich besser weiß, welche Dienstleistungen gefragt sind und diese verbessert oder erst neu anbietet.

Der eigentliche Hammer ist, dass Facebook nicht nur Daten über sein Soziales Netzwerk bezieht, sondern auch das Verhalten der Nutzer und Nichtnutzer über andere Internetseiten hinweg beobachtet und analysiert. So erfährt das Unternehmen auch, welche Filme einen interessieren, welche (politischen) Nachrichten man konsumiert oder in welche Länder man reist, wenn man diese Informationen eigentlich gar nicht an das Unternehmen weitergeben möchte. Möglich ist das über den Facebook-Like-Button, der auf fast allen Internetseiten eingeblendet wird und der über Cookies das Unternehmen am digitalen Leben teilhaben lässt.

Vereinfacht gesagt erstellt Facebook zu jedem Account ein Profil, das eine Analyse des Webverlaufs beinhaltet, ergänzt durch die Angaben, die man freiwillig mit dem Unternehmen von Mark Zuckerberg geteilt hat. So kommt es dazu, dass häufig Werbeanzeigen eingeblendet werden, die Produkte zeigen, die man sich vor kurzem in einem Onlineshop angesehen hat.

Es gibt zwei Arten mit diesem „Problem“ umzugehen

Als die EU vor einiger Zeit alle Webseiten verpflichtet hat, Nutzer zu informieren, dass Cookies eingesetzt werden, hat sie gleichzeitig einen Beleg für ihre eigene Hilflosigkeit geliefert. Denn nahezu alle modernen Internet-Angebote verwenden Cookies. Die Nutzer darüber zu informieren ändert nichts daran, dass diese Cookies Facebook dienen die wahrscheinlich ausführlichsten Nutzerprofile aller Zeiten anzulegen.

Wenn man als Leser eines Magazins auf den ersten beiden Seiten eine großflächige Werbeanzeige eines Autoherstellers sieht, könnte man das auch schon als Manipulation sehen. Würde aber kaum einer tun. Deswegen sollte man auch im aktuellen Fall vorsichtig sein, ob es sich wirklich um einen Missbrauch handelt, wenn Daten, die Facebook legitim zur Verfügung stehen, auch genutzt werden. Vielmehr sollte man Fragen, ob es rechtlich erlaubt sein sollte, dass ein Unternehmen so umfangreiche Nutzerprofile erstellt und genau prüfen, wie man dem einen Riegel vorschieben kann.

Wer in diesem Zusammenhang also über einen Missbrauch, oder gar einen Skandal spricht, der hat das Grundprinzip von Facebook nicht verstanden, oder es über die Jahre schlichtweg ignoriert. In beiden Fällen gilt: Entweder man handelt jetzt und sorgt für strengere Datenschutzbestimmungen, oder man hält beim nächsten und übernächsten „Skandal“ einfach die Klappe.

Avatar

Article by Lukas Rumpler

Ich studiere Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt auf Politik und Wirtschaft.