Der Deutsche Humor: Eine verkramp(f)te Sache

Beschissen witzig

“Guckt euch doch mal die Männer von heute an. Wer war denn von euch vor kurzem mal in Berlin, da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen. Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür – dazwischen – ist diese Toilette.”

(Annegret Kramp-Karrenbauer/CDU auf einer Faschingsrede)

 

Begegnet man Annegret Kramp-Karrenbauer auf der Herrentoilette denkt man: „Oh, der hat es nicht leicht. Ein wenig attraktiver Mann.“
Begegnet man AKK auf der Damentoilette, denkt man schnell: „Hilfe, ein Perverser!“

*Tusch*

AKK, ein Kampfname wie ein russisches Schnellfeuergewehr und ein äußeres Erscheinungsbild wie David Bowie nach 10 Jahren Meth-Abhängigkeit. Nur mit haarigen Zähnen. In nur vier Sätzen gelingt es der designierten Merkel-Nachfolgerin eines deutlich zu machen: Die Politik versteht sich selbst nicht mehr. Das dritte Geschlecht ist keine Entscheidung des Individuums, sondern ein biologisches Phänomen. Wie AKK. Manchmal kann sich die Natur eben nicht entscheiden ob männlich oder weiblich, ob Hirn oder Intelligenz. Hin und wieder heißt es eben weder-noch statt sowohl-als auch.

Schaut man sich mal den Bundestag von heute an. Wer war denn von Euch vor kurzem mal in Berlin, da seht Ihr doch die Diäten-Fraktionen, die hungrig nach immer mehr Sitzen gieren, die dann leer bleiben, sobald die Anwesenheitspflicht nicht gefordert ist. Zwischen Insta-Post, Twitter-Gewitter und Fraktionszwang sitzen sie da. Alt, aufgedunsen und engstirnig betreiben sie Real-Politik an der Wirklichkeit vorbei. Im größten Dixie-Klo der Nation. Der geistige Durchfall, der unser Volk repräsentieren soll und dann auch noch die „Kultur“ für sich reklamiert. Was hätten wohl die Väter unseres Deutschen Humors dazu gesagt? Loriot, Dieter Hildebrandt oder Robert Gernhardt. Analysen mit scharfem Blick, spitzer Zunge und klugen Worten. Weil uns diese Persönlichkeiten abhandenkamen, zieht eine welk gewordene Politikerin einen ganzen Berufsstand, eine ganze kulturelle Errungenschaft in den Schmutz eines heruntergekommenen Bahnhofsklos. Witze wie gestrecktes Heroin für den schnellen Lacher ohne eine hintersinnige Pointe, bloße verbale Penetration ohne Orgasmus. Wir sind mit Sicherheit nicht verkrampft, wenn wir uns nach geistiger Stimulation auch mitten im traditionsgeschwängerten Fasching sehnen, wenn wir den Anspruch haben unsere Führungseliten auch ernst nehmen zu wollen. AKK ist die schmutzige Nadel im Fixerbesteck, der Virus als Folge der Verunreinigung durch die ewige Gehirnwäsche von „Wir schaffen das“ bis „Heute habe ich das Gefühl, wir sind das verkrampfteste Volk, das überhaupt je auf der Welt rumläuft. Das kann doch so nicht weitergehen.“

Da hat sie allerdings recht. So kann das nicht weitergehen, denn die Politik darf nicht zu einer Manege voller Clowns verkommen, die sich ihrer eigenen Tragik nicht bewusst sind. Da hilft es auch nicht, wenn Sanifair mal kurz durchwischt und die Fassade modernisiert. Denn auch die hochwertigste, selbstreinigende Porzellanschüssel dient nur einem Zweck: Scheiße aufzunehmen und dabei noch klassische Musik zu spielen. So kann das nicht weitergehen. Auch wenn AK47 keine Antwort auf AKK sein kann, hilft vielleicht nur der humoristische Klempner, bevor das größte Scheißhaus der Hauptstadt komplett verstopft. Als Volk sind wir nicht der Politik verpflichtet, sondern die Politiker dem Volk. Wenn es noch eine Demokratie ist, und nicht nur ein dampfender Haufen, in den man uns so lange gedrückt hat bis wir diesen garstigen Geruch mit Heimat assoziieren.

Der eigentliche Witz dahinter ist eher ein biografischer. Von der Schulbank in den Plenarsaal und von da aus in die Politik. Da ist AKK kein Einzelfall, aber wohin so ein Lebensweg führt hat sich in Stockach gezeigt: Ein Gag über das verirrt-verwirrte männliche Rollenbild auf Kosten einer Minderheit. Jeder Clown fällt früher oder später über seine großen Füße, vom Timing her ist es bloß etwas ungünstig, wenn er zuvor den ganzen Zirkus angezündet hat.

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Article by Fabian Schütz

Geboren in der Nähe von Augsburg, aufgewachsen ohne Verstand aber mit sehr lieben Eltern, hat traurige Berühmtheit als Klassenclown erlangt. Danach Buchhändler, dann Student des Journalismus und hat die Liebe zur Kunst entdeckt. Die Kunst des Blödsinns. Seitdem hat er beschlossen die Menschen um sich zum Lachen zu bringen. Er mag keinen Rosenkohl, Hitler und Katzen. Er glaubt das sei die Dreifaltigkeit aus der Hölle.