Der Krawattenmann zieht in den Krieg

IRrelevant_Claus Kleber

Stellt Euch vor, es ist Krieg und nur das ZDF geht hin. Oder auch nur Claus Kleber. Mit rasselndem Atem und keuchendem Säbel. Ein Mann allein auf Mission, um im Nachhinein die Nachrichten seines „Heute Journals“ noch ins rechte Licht zu rücken. Claus Kleber allein auf Estland, gegen den Russen. Zu Wasser und zu Luft tobt der Orkan Kleber, um das 70-jährige Bündnis aufrechtzuerhalten, damit Kampfjets auch weiterhin in den Jemen verkauft werden können. Claus Kleber, der verlängerte Arm der NATO oder eben der Mittelfinger der deutschen Medien. „Seht her, der Pressekodex hängt auf meinem Klo. Zum Abwischen. Ich nenne ihn nur noch liebevoll Pressepodex.“

Aber keine Sorge. Das ist nicht so. Das ist nur eine Vision. Aber eine realistische. NATO-Fan Kleber ist das, was unsere Fernsehlandschaft vermissen lässt: ein Mann mit Haltung. Wenngleich auch mit einer völlig paranoiden.

Der Krawattenmann des Jahres 2010 hat viele Preise in einer langen Karriere eingeheimst. Er ist Luchs, beinahe Bambi und auch ein bisschen Adolf. Adolf Grimme natürlich. Aber was sind Preise noch wert, wenn Kollegah den Echo bekommt, Claas Relotius vier Mal den Reporterpreis oder Lena Meyer-Landrut den diesjährigen Bildungspreis der Hochschule Ansbach? Der Echo ist inzwischen abgeschafft und Relotius ist geschasst.

Claus Kleber kann möglicherweise Estland retten, aber nicht die ehemalige Nazi-Hochburg Mittelfrankens.

Die Pontius-Pilatus-Bande

Stellt Euch vor, im Kanzleramt hängen Gemälde eines Rassisten und Antisemiten. Nein, Horst Seehofer hat nicht zum Pinsel gegriffen, aber Emil Nolde. Der frühe Expressionist muss nun abgehängt werden. Angela Merkel hat es befohlen, die mit blütenreiner Weste nur noch jungfräuliche Leinwände aufhängen lässt. So unbefleckt wie der von Abgaswerten vernebelte Verstand des Andreas Scheuer oder das Berliner Dirndl der Dorothee Bär. Dummheit können wir dulden, entartete Kunst nicht. Die Pontius-Pilatus-Bande wäscht ihre Hände endgültig in Unschuld.

Doch sie geht nicht weit genug: Günter Grass sollte aus den Bücherregalen verbannt (zu langweilig), Johann Wolfgang Goethe endlich aus den Schulen gestrichen (sexistisch, Frauen verachtend) und natürlich auch Bertolt Brecht (Raucher) nicht länger auf den Bühnen geduldet werden. Deutschland ist ein Land der Tugenden, nicht der Laster, Verfemungen und Fehler. Das zeigt die Politik, die vor Vorbildern nur so strotzt; ein Produkt aus Tugendhaftigkeit und Haltung, eine Koalition großer Werte.

Aber keine Sorge. Das ist nicht so. Das ist nur eine Vision. Nur nicht das mit Nolde. Die Deutschen und ihre Antisemiten haben von Luther bis Kollegah eine sehr eigene Historie. Wir Deutschen möchten gut sein und sind tief im Herzen doch ein wenig Emil Nolde, wir Deutschen möchten wahrhaftig sein und sind doch nur Claus Kleber, wir Deutschen möchten gebildet sein und sind doch nur Lena Meyer-Landrut.

Aber keine Sorge. Das ist nicht so. Das ist nur eine Vision. Oder halt. Doch nicht?

Article by Fabian Schütz

Geboren in der Nähe von Augsburg, aufgewachsen ohne Verstand aber mit sehr lieben Eltern, hat traurige Berühmtheit als Klassenclown erlangt. Danach Buchhändler, dann Student des Journalismus und hat die Liebe zur Kunst entdeckt. Die Kunst des Blödsinns. Seitdem hat er beschlossen die Menschen um sich zum Lachen zu bringen. Er mag keinen Rosenkohl, Hitler und Katzen. Er glaubt das sei die Dreifaltigkeit aus der Hölle.