Spanier gegen Spanier (Der Rote Faden)

Spanien ist gespalten. Auf der einen Seite stehen die Separatisten Kataloniens, auf der anderen die Spanische Regierung. Katalonien strebt die Unabhängigkeit an, doch diese Bestrebungen sind ein Relikt der Kolonialzeit und Großen Kriege.

Katalonien will unabhängig sein. Also einige tausend Demonstranten und die Regionalverwaltung. Die Medien werden seit Wochen von Bildern geprägt, in denen Separatisten Andersdenkende als Faschisten beschimpfen. Dabei sind die illegitimen Unabhängigkeitsbestrebungen nationalistische Kleinstaaterei.

Der Gedankengang, dass eine Region, die teils ihre eigene Sprache und Kultur hat und bisher mehr oder weniger autonom regiert wurde, die volle Autonomie erlangen will, kann erst mal nachvollziehbar sein. Doch im 21. Jahrhundert sollte man nationale Interessen in den Hintergrund stellen, anstatt Europa zu teilen. Damit schadet man nicht nur seiner eigenen Wirtschaft, sondern der Gemeinschaft. Europa steckt in einer Krise. Diese muss man erst recht zusammen überwinden. Kreta bleibt Teil Griechenlands. Die Krim Teil der Ukraine. Die Türkei gibt keine Region für ein vermeintliches Kurdistan auf. Selbst Bayern und Franken, wo man Autonomiegedanken äußern kann, ohne ausgelacht zu werden, bleiben Teile Deutschlands. Warum also sollte Katalonien anders bewertet werden?

Vor allem viele Linke sind für die Unabhängigkeit Kataloniens, weil sie die konservative Regierung Spaniens als imperialistische Zentralregierung wahrnehmen und in Katalonien vermeintlich linke Gruppierungen die Unabhängigkeit anstreben. Weil die anarchistische CUP Juniorpartner der Separatisten im Parlament waren. Dabei ist nichts so weit vom Links-Sein und so nah am Rechts-Sein, wie nationalistische Kleinstaaterei, um das eigene Ego zu befriedigen.

Katalonien ist eine der 17 Autonomen Gemeinschaften Spaniens. Die Spanische Verfassung haben alle unterzeichnet. Mit allen Rechten und Pflichten. Auch Katalonien. Wenn Katalonien, oder irgend eine andere Region ein Referendum abhält, dann ist das schlichtweg verfassungswidrig und illegal. Sowieso haben Viele nicht an dem Referendum teilgenommen, weil es schlichtweg kein echtes war. Somit ist die Anwendung von Paragraph 155 und die Entmachtung der Regionalregierung und des Parlaments die einzige Antwort, die Spanien geben kann. Und diese Antwort gibt Regierungspräsident Mariano Rajoy ungerne. Das weiß die Regionalregierung und hat das Referendum aus genau diesem Grund abgehalten. Um zu provozieren und Spanien als die böse Besatzungsmacht, wie es inzwischen von vielen Separatisten heißt, darzustellen. Die Opferrolle geht nun weiter. Der katalanische Ex-Regierungschef, Carles Puigdemont, ist nach Brüssel geflohen, weil ihn die spanische Staatsanwaltschaft wegen Rebellion angeklagt hat.

In den letzten zwei Wochen haben über 1400 Firmen und Banken ihren Sitz in Katalonien verlassen, oder planen es. Die Menschen Kataloniens sind damit der klare Verlierer des Kindergartens, den ihre ehemalige Regierung veranstaltet hat. Es bleibt zu hoffen, dass die Separatisten Größe zeigen und sich ihre Niederlage eingestehen.  Dass Spanien die Situation mit Neuwahlen unter Kontrolle bringt, bevor Schlimmeres passiert. Bevor Europa beginnt, auseinander zu brechen.

Avatar

Article by Baha Kirlidokme