Deutsche Wahlabende: Sprücheklopfen wie beim Fußball

Wahlabend im ZDF. Quelle Screenshot ZDF

Bild: Screenshot ZDF / (c) ZDF

Die Linken haben die Wahlen in Thüringen gewonnen. Wer den Abend im deutschen Fernsehen verfolgt hat, hat vor allem eines gebraucht: Durchhaltevermögen. Richtig spannend wird es erst abseits des Feldes.

Wahlabende im deutschen Fernsehen haben viel mit Fußballübertragungen gemeinsam. Nach Abpfiff werden die Politiker, wie auch die Sportler nach Dingen gefragt, auf die es ohnehin nur einstudierte Antworten gibt. Frust wird geschickt überspielt und es ist sehr wichtig den Wählern wie auch den Fans zu danken.

In Thüringen war das am Abend des 27. Oktobers nicht anders. Wahlprognosen sind mittlerweile so viel wert, wie Wettscheine. Aber damit sind die Analogien aus Fußball und Politik noch lange nicht aufgebraucht. Wenn es nicht läuft, dann ist immer der Trainer dran. In der Politik entsprechend die Parteivorsitzenden. Deswegen steckt die SPD gerade in einer Vorsitzenden-Odyssee und in der CDU wird derart an dem Stuhl von Annegret Kramp-Karrenbauer gewackelt, dass selbst Ex-Bayern Trainer Niko Kovač Mitleid haben dürfte.

Einer der großen Verlierer der Wahl zum Thüringer Landtag war die CDU. Mit 11,7 Prozentpunkten hat sie mehr Stimmen verloren, als die SPD überhaupt bekommen hat. Das kann schon mal für Unmut und Verzweiflung sorgen. Der Anspruch von CDU-Spitzenkandidat Mike Mohring als drittstärkste Kraft Ministerpräsident einer Minderheitsregierung zu werden, lässt sich kaum anders erklären.

Bei der Jungen Union werden Äpfel mit Birnen verglichen

Viel weiter treibt es aber der Vorsitzende der Jungen Union Tilman Kuban. Der 32-Jährige hat sich in einen persönlichen Kleinkrieg mit Bodo Ramelow begeben. Auf Twitter postet er regelmäßig Unterstellungen, der Ministerpräsident wolle Thüringen zurück in die DDR-Zeit bringen. Und auch sonst hält der junge Politiker den Linken gegebenüber einen strikten Kurs und ist ganz vorne in seiner Partei dabei, wenn es darum geht eine Regierung unter den Linken abzulehnen.

Hintergrund ist, dass Ramelow die DDR nicht als Unrechtsstaat bezeichnen möchte, weil er diesen Begriff nur mit dem Nationalsozialistischen Deutschland assoziiert und die Lebensleistung der vielen unschuldigen Ost-Deutschen nicht herabsetzen möchte. Einen Kurs, den übrigens auch die SPD-Politikerin Manuela Schwesig vertritt. Für sie hat Tilman Kuban aber weniger böse Worte übrig. Ob das vielleicht daran liegt, dass sie Ministerpräsidentin einer rot-schwarzen Regierung in Brandenburg ist?

Kubans Vorgänger Paul Ziemiak kann sich derartigen Populismus als CDU-Generalsekretär eigentlich nicht mehr leisten. Seine Aufgabe ist es eigentlich die Standpunkte der Partei nach außen zu vertreten. Trotzdem nennt er auf Twitter gerne AfD und Linke in einem Atemzug. Dabei gäbe es für Generalsekretäre eigentlich so viele Aufgaben. Den Wählern danken zum Beispiel und sagen, dass man mit allen demokratischen Parteien reden wird.

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Article by Lukas Rumpler

Ich studiere Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt auf Politik und Wirtschaft.