Diesel-Nachrüstung – Lasst die Hersteller zahlen!

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Mit drei Ansätzen aus der Diesel-Kriese: Ein Konzeptpapier von Bundesregierung und Autoindustrie spricht jetzt von Rückkauf, Umtausch oder Hardwarenachrüstung. Bizarr ist, dass Kunden bei einer Nachrüstung 20 Prozent selbst bezahlen sollen. Nicht nur Verbraucherschützer sprechen von einer Unverschämtheit.

  • Diesel-Besitzer sollen 20 Prozent der Umrüstungskosten selbst tragen.
  • Es sollen nur Fahrzeuge umgerüstet werden, bei denen es technisch sinnvoll sei. Etwa die VW Passat-Reihe, BMW 3er und Mercedes C-Klasse.
  • Daneben sollen Hersteller betroffene Fahrzeuge zurückkaufen, oder eine Umtauschprämie anbieten.

Angesichts der drohenden Fahrverbote stehen viele Besitzer eines “unsauberen” Diesel-PKW momentan vor einem großen Problem. Kanzlerin Merkel hat die Angelegenheit jetzt zur Chefsache gemacht und in einer größeren Runde im Bundeskanzleramt ein Konzept entwickeln lassen. (“Spiegel Online“)

Rückkauf, Umtausch oder Hardwarenachrüstung – diese drei Wahlmöglichkeiten wollen Bundesregierung und Autoindustrie den Besitzern von Diesel-Fahrzeugen der Schadstoffklasse Euro 4 und Euro 5 anbieten. Dem Konzept zufolge sollen die Diesel-Besitzer bei einer Nachrüstung 20 Prozent der anfallenden Kosten selbst tragen. Bei durchschnittlichen Kosten von 3.000 Euro wären das 600 Euro.

Wer soll das verstehen?

Das ist ein Vorschlag, der genauso wenig vermittelbar ist, wie die Beförderung von Hans-Georg Maaßen zum Staatssekretär. Kunden, die beim Kauf eines Fahrzeuges falsche Angaben über den Schadstoffausstoß erhalten haben, sollten nicht finanziell an der Beseitigung der Folgen dieses Betrugs beteiligt werden. Die einzig faire Lösung wäre es, von allen Kunden ihre Diesel-Fahrzeuge zum Zeitwert zurück zu kaufen und wenn technisch möglich, kostenfrei nachzurüsten. Zudem sollte eine angemessene Entschädigung bezahlt werden. Denn auch wenn technische Nachrüstungen möglich sind, werden sie den Verbrauch des Autos erhöhen.

Das Argument aus Politik und Wirtschaft lautet immer wieder, dass die heimische Wirtschaft bei zu hohen Strafzahlungen der deutschen Auto-Konzerne stark belastet würde. Angesichts der rund 11,4 Millarden Euro Nettogewinn die alleine der VW-Konzern im vergangenen Jahr erwirtschaftet hat und damit mehr als vor dem Diesel-Skandal, wirkt es noch befremdlicher mit dem Gedanken zu spielen, Privatpersonen mit 20 Prozent an der Nachrüstung zu beteiligen. Das scheint wohl auch Verkehrsminister Alexander Scheuer zu erkennen und hat mittlerweile angekündigt, eine Lösung ohne eine private Kostenbeteiligung anzustreben.

Eine finale Entscheidung fällt wohl am Montag kommender Woche. Für diesen Tag hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Treffen der GroKo-Spitzen angesetzt.

Lukas Rumpler

Article by Lukas Rumpler

2010 mit dem Bloggen angefangen - irgendwann zum Journalisten geworden. Ressort-Journalismus Studium an der Hochschule Ansbach mit dem Schwerpunkt auf Politik und Wirtschaft.

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