Drei Akte bis zum Abgesang – Realsatiresatire

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Drei Akte bis zum Abgesang

– Ein sehr maaßiges Theaterstück –

Prolog:

Das Leid ist ein stummer Außenseiter. Keiner will mit ihm spielen. Traurig ist es, hässlich sein Antlitz und war noch nie auf eine Party eingeladen. Doch auf einer Feier ist es auf der Gästeliste ganz oben: Der Untergang, das Ende der Welt wie wir sie kennen, beim Abgesang auf Anstand und Verstand. Ihr Gastgeber gibt sich generös, prahlerisch und ist der Blender im Gewande des Kaisers: Die Dummheit.

Zeitzeuge ist einzig der Gag-Schreiber, der Narr, der einzig dem König die Wahrheit sagen darf. Doch ist er stumm.

Dann nehmen die Dinge ihren Lauf.

Das Theater – Drei Akte bis zum Abgesang

Alle darin vorkommenden Personen sind frei erfunden, jegliche Ähnlichkeiten in Namen, Handlungen und Persönlichkeit sind reiner Zufall.

 

I – Erst fällt der Vorhang, dann der Verstand

Auftritt Hans-Georg:

„Ich habe nie die Existenz eines Videos bestritten. Vielmehr berufe ich mich auf eine lange Tradition von Philosophen, die die Wirklichkeit der Existenz bestreiten. Vielleicht träumen wir das alles nur.“

Journalist: „Welche Ma(a)ßnahmen möchten sie bezüglich der jüngsten Vorfälle in Angriff nehmen?“

Hans-Georg: „Es sind bereits Ermittlungen eingeleitet. Eine Frau beschimpft auf der Aufnahme deutlich hörbar jemanden als Hasen. Das ist herabwürdigend und beleidigend. Wie andere Tiervergleiche mit Hunden, Kühen oder Schweinen auch. Der Verfassungsschutz greift hier durch. Rigoros.

Journalist: „Aber bezüglich der Hetzjagden…“

Hans-Georg: „…die ebenso wie der Gottesbeweis nicht dauerhaft nachgewiesen werden konnten, können wir im Moment nur von einer Hasenjagd ausgehen.“

Horst: „Ich sehe vor mir einen weisen Mann mit klaren Worten, der Transparenz schafft. Er ist meine Nebelkerze im Dickicht der infamen Lügen. Ich möchte ihn zu mir nehmen, adoptieren und wie einen eigenen Sohn großsödern!“

Der gefallene Engel: „So beginnt es. Der Reigen der Dämonen. Das Volk: Sklaven. Der Herr: der Horst, und eine Schweigeminute für die Gefallenen im Hambacher Forst.“

II – Hinter der Maskerade lauert die Boshaftigkeit

Kevin: „Die Koalition ist nicht mehr zu halten. Gebrochen wie mein soziales Herz. Ich sehe schwarz für die Roten!“

Journalist: „Hat die Kanzlerin in den letzten Tagen Macht eingebüßt?“

Kevin will antworten, wird aber von Steffen unterbrochen:

„Wie schon in der letzten Pressekonferenz erwähnt, hat die Kanzlerin klar und unmissverständlich dargelegt, dass sie -murmelmurmel- und jederzeit hinter allem steht, das zum Erhalt der Demontage, ich meine Dämon-, äh, Demokratie, genau, murmelmurmel, vielen Dank! Ihre Fragen können sie dann jetzt gerne selbst beantworten!“

Kevin: „Das ist schwefeliger Koalitionsgeruch, ich meine, -bruch! Das ist inakzeptabel und auf dem Rücken der Bevölkerung ausgetragene Kumpelei!“

Der gefallene Engel: „Lange waren sie nur Polit-Clowns, doch nun fällt die Maske, darunter die Fratze. Die Hörner kann man nicht ewig schleifen, der Pferdefuß passt in keinen Schuh!“

III – Der Vorhang und die Flammen

Auftritt der Kanzlerin – eingehüllt von Rauchschwaden:

„Ich bin Helmuts Rache für alle Dicken-Witze, ich bin Erichs Fluch für alle Ossi-Witze, ich bin das Volk!“

Hans-Georg: „Ich sehe das edle Antlitz der Verfassung, die ich einst schützte: faltig, hängebrüstig und aufgeschwemmt, bürokratisch aufgebläht und mit schlechter Frisur. Ich sah es nicht kommen, wollte doch Drachen jagen. Und Hasen.“

Horst: „Hans-Georg, gib Dir nicht die Schuld! – Du bist integer, rein, strahlst wie ein Engel, auch in der dunkelsten Stunde unseres Landes!“

Journalist: „Das ist kein Licht, das sind Flammen, das ist ein meppener Meer aus Flammen, das auf uns zu und über uns…!“

Horst unterbricht unwirsch: „Jetzt ist auch mal Schluss!“

Der gefallene Engel: „Wer die Dunkelheit leugnet, hat das Licht nie gesehen. Nur wer das Licht gesehen hat, sieht die Dunkelheit. Nur wer Blut trinkt, kann das Wasser nicht verdammen! – Blut ist dicker als Wasser. Das wissen die Krähen.“

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Epilog:

Grinsend legt sich das Leid ins Bette der Dummheit. Sie kuscheln friedlich in aus Blut getränkten Decken. – Der erdolchte Gag-Schreiber kritzelt mit letzter Kraft die Pointe aufs Papier:

„Wir dachten immer es sei nur Theater. Zu spät merkten wir, es ist Realität. Da waren gar nie Stühle für ein Publikum, das klatschen sollte, es gab keinen Regisseur, aber der Orchestergraben war echt. Nur haben wir da eine Hymne gehört, wo der Abgesang erklang. Und als wir dachten, wir würden wählen, haben wir nur das Kreuz gemacht, das wir jetzt zu tragen haben. Das, an dem wir hängen. Nur im Gegensatz zu Jesus, kommen wir nicht wieder. Wo die Pointe ist? – Wir haben trotzdem gelacht. – Aber über die anderen.“

Der gefallene Engel: “Wer zuletzt lacht…, lacht am Ende gar nicht mehr, doch wer zuerst lacht…hehe…harhar!”

Article by Fabian Schütz

Geboren in der Nähe von Augsburg, aufgewachsen ohne Verstand aber mit sehr lieben Eltern, hat traurige Berühmtheit als Klassenclown erlangt. Danach Buchhändler, dann Student des Journalismus und hat die Liebe zur Kunst entdeckt. Die Kunst des Blödsinns. Seitdem hat er beschlossen die Menschen um sich zum Lachen zu bringen. Er mag keinen Rosenkohl, Hitler und Katzen. Er glaubt das sei die Dreifaltigkeit aus der Hölle.