Ein europäisches Märchen

Es begab sich zu einer Zeit…

…da hatten die Menschen gerade die Monarchie überwunden und dem Volk die Macht übertragen. Sie nannten es Demokratie. Zu dieser Zeit herrschte auf einer kleinen Insel Theresa May I. Die welke Frau hatte schwierige Zeiten zu überwinden. Die Hälfte ihrer Untertanen wollte nichts mehr mit dem Ungeheuer EU zu tun haben, die andere Hälfte schon.

Der böse Boris hasste das Ungeheuer EU so sehr, dass er vor einigen Jahren das Volk aufgewiegelt hatte und es demokratisch für einen Austritt aus dem gemeinsamen Bündnis mit dem Ungeheuer hatte stimmen lassen. Da schoss Rauch aus des Biestes Nüstern, so dass einige Experten vorschnell schon einen Vulkanausbruch und die Ankunft des Klimawandels vermeldet hatten.

Die Eiskönigin Angela aus dem östlicher gelegenen Deutschland hatte sofort gedroht, Großbritannien keine Rosinen mehr zu überlassen. Aber Briten, Schotten und Iren mochten Rosinen sehr. Deshalb gingen sie auf die Straße, um gegen sich selbst zu demonstrieren.
Der böse Boris hatte ihnen nämlich nicht gesagt, dass es dann keine Rosinen mehr gäbe. Im Gegenteil. Er hatte den Iren Töpfe voller Gold, den Schotten Schafsmägen aus Freilandhaltung und allen Briten besseres Essen versprochen. Und wie fast alle Politiker hatte er gelogen. Nur damals waren die Menschen noch saublöd und jeder konnte mit einem schlechtsitzenden Toupet oder einer großen Klappe regieren.

Um dem Schlimmsten vorzubeugen…

…trafen sich alle Weißen des Landes im Unterhaus, verhandelten und stimmten ab. Das Ergebnis war für Theresa nicht sehr gut. Sie hatte viel mit dem Ungeheuer verhandelt, sich über sämtliche Unionstische ziehen lassen und dann: Kein Dank. Nicht mal aus den eigenen Reihen. Viele alte Minister gingen einfach direkt vom Unterhaus ins Altenheim, andere schämten sich so sehr, dass sie kurzerhand auf den Grund der Themse zogen. Auch, weil das damals der noch einzig bezahlbare Wohnraum in London war.

Ein paar Experten hielten es auch nicht für klug, dass ausgerechnet ein Franzose die Verhandlungen geleitet hatte. Briten und Franzosen haben sich in etwa wie der Araber zum Juden verhalten. Nur ohne den ganzen Religionskrimskrams, dem heute nur noch intellektuell Unterversorgte anhängen.

Doch das Ungeheuer hatte ungeheure Pranken. Die reichten von Skandinavien bis Spanien. Alle waren des Ungeheuers Untertan und zahlten viele Milliarden Gold, um es bei Laune zu halten. Denn dann durften alle Königreiche Waren austauschen, Dienstleistungen und sogar die Untertanen durften frei durch das Gebiet reisen. Das Ungeheuer machte die Gesetze, wies den Unhold vom Bosporus in seine Schranken, bändigte den russischen Zaren und hielt den verrückt gewordenen Clown vom weißen Haus bei Laune.

Theresa hatte keine Wahl…

…sie würde so oft abstimmen lassen müssen, bis es eine Mehrheit für ihren neuen Vertrag geben würde oder alle Minister heimgegangen waren. Der neue Vertrag besagte nämlich, dass erstmal alles so bliebe wie es ist, nur dass die Briten dann nicht mehr mitreden dürften. Das Ungeheuer war nämlich sehr schlau. Denn es wusste, wenn die Briten weggehen würden und alles gut wäre, dann würden auch die Italiener und Spanier gehen und dann alle anderen. Und das Ungeheuer würde alleine in einem ganz großen Haus in Belgien sitzen und nie wieder Besuch bekommen. Aber mit so einem Vertrag, den sonst nur der Beelzebub würde aufsetzen, müsste Theresa mit ihren Ministern zurückgekrochen kommen und um Wiederaufnahme bitten.

Damit sie das dann auch machen konnte ohne das Gesicht vor ihrem Volk zu verlieren, machten die Medien ganz viel Panik, dass ohne das Ungeheuer die Insel im Chaos versinken würde. Kein Essen, keine Medikamente und auch die gezähmten streitsüchtigen Kobolde im Norden würden sofort wieder Bomben basteln. Das machte allen ganz viel Angst. Und so blieb alles beim Alten und die ganzen Politiker hatten ganz viel Zeit und noch viel mehr Steuergelder verschwendet, um am Ende herauszufinden, dass sie so lange Angst hatten von dem Ungeheuer gefressen zu werden, dass sie überhaupt nicht gemerkt hatten, dass sie bereits verdaut wurden.

ENDE

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Article by Fabian Schütz

Geboren in der Nähe von Augsburg, aufgewachsen ohne Verstand aber mit sehr lieben Eltern, hat traurige Berühmtheit als Klassenclown erlangt. Danach Buchhändler, dann Student des Journalismus und hat die Liebe zur Kunst entdeckt. Die Kunst des Blödsinns. Seitdem hat er beschlossen die Menschen um sich zum Lachen zu bringen. Er mag keinen Rosenkohl, Hitler und Katzen. Er glaubt das sei die Dreifaltigkeit aus der Hölle.