Ein Pamphlet wider den Fußball

Pamphlet wider den Fußball

So wie Kinder sich im Supermarkt vor dem Süßigkeitenregal zu Boden werfen, um Mama einen Schokoriegel aus dem Rückgrat zu leiern, so hat der Fußball nun die Politik auch lange genug genervt. Bis zum Zugeständnis, dass nun die Liga fortgesetzt wird. Für die einen endlich für die anderen ein Affront.

Wer laut schreit und heult, mit den Fäusten auf den Boden trommelt, der wird erhört. Die Theater und Kulturbranche bleiben auf der Strecke. Weil deren Verzweiflung viel zu leise war.

Die Millionäre dürfen wieder kicken. Unter Voraussetzungen, die Salomon Kalou bereits unterlaufen hat, Handeshakes verteilt und bei einer viertel Million Toter weltweit dennoch köstlich amüsiert ist. Beim Spiegel behauptet Kalou, er sei besser als die 5 schlechten Minuten in dem Facebook-Live-Video.

Er kann bestimmt auch die berühmten 15 Minuten damit füllen. Da bin ich überzeugt von. Die Irrelevanz seines Berufes hat der Championsleague-Sieger noch nicht erkannt.

Vielleicht bemerkt nämlich die Bevölkerung nach den Monaten ohne Fußball, dass es ohne auch geht. Ob Liga, Pokal oder internationaler Wettbewerb, es entsteht nur unnötiger Diskussionsstoff über triviale Belanglosigkeit, die nur dem Smalltalk dient, der jetzt entfällt.

Abseits? Videobeweis? Völlig banal, wenn Demokratie und Schutz der Bevölkerung zum Disput stehen.

Die Befreiung vom Fußball in seiner neuzeitlichen Version, wäre ein Segen. Eine Art Entkapitalisierung des Sports. Wenn den Kickern daheim langweilig ist, können sie bestimmt in der Pflege aushelfen, an der Tafel das Essen für Bedürftige ausfahren, anstatt sich über 15 Prozent weniger Gehalt zu empören. Ein grobes Foul an allen Fans, die sich ihre Tickets absparen, von Sozialhilfe oder Mindestlohn leben, die Basis der Fangemeinde, die nicht in die VIP-Logen eingeladen ist. Denn während sich in der Kulturbranche das Bildungsbürgertum tummelt, ist der Fußball immer noch ein Ereignis für das Proletariat. Die Geringverdiener, die Malocher.

Der Fußball ist und bleibt ein Teamsport, ein Sport für die breite Masse, aber aktuell ist er auf einem kompletten Egotrip. Da beißt sich die Katze dann selbst in den Schwanz. Wer lieber vor leeren Rängen spielt, anstatt zum Wohle der Schwächeren mal daheim zu bleiben, hat seine Funktion als systemrelevant auf ewig verwirkt und zeigt nur die Fratze des Mammons.

Klar, es hängen mehr Jobs am Fußball als die überbezahlten Kicker, aber an unterbezahlten Kräften, die in Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit dümpeln haben wir durch die Branchen hinweg genug.

Nur: Diese Leute haben keine Lobby, schmeißen sich nicht auf den Boden und jammern, sondern suchen aktiv selbst Lösungen. Ob Alleinerziehende, Familien, deren Einkommen durch Kurzarbeit massiv geschmälert ist oder Niedriglohnjobber. Das sind Kämpfer im Schweiße ihres Angesichts und keine gepuderten Heranwachsenden Trotzköpfe, die ihre eigene Nichtigkeit nicht einsehen wollen.

Der Fußball hat sich selbst ins Abseits gestellt. Das Corona-Konzept als Abwehrkette ist nur ein schaler Versuch davon abzulenken, um was es geht:

Geld, Geld und nochmal: Schnöder Mammon, den auch nicht der Platzwart bekommt, denn der Rasen will auch in solchen Zeiten gepflegt sein, nein, damit auch Kalou und Co nicht auf ihre 15 Prozent Gehalt verzichten müssen.

Fußball ist kein sozialer Kitt der Gesellschaft mehr, kein Treffen der Generationen und gesellschaftlichen Schichten an einem Samstagnachmittag. Er – dieser Fußball und seine Veranstalter – ist asozial geworden und das offenbart er in der Krise.

Fußball zu gucken ist nun zu einer Frage der Moral geworden. Während die Kleinsten nicht in der Kita spielen dürfen, dürfen die reichen Kinder und Heranwachsenden wieder für ihren Kontostand bolzen.

Und Mama weiß auch, wenn sie vor dem Supermarktregal einmal nachgibt, hat sie auf ewig verloren. Wenn der Fußball den Stellenwert der Banken und Automobilbranche innehat, damit schlussendlich zum Quartalsende die Aktionäre bedient werden können, dann muss sich zwangsläufig die breite Masse, dann müssen wir uns also – fragen: ist das noch unser Sport oder kann das weg?

Liebe Grüße,

Euer Fabi

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Article by Fabian Schütz

Geboren in der Nähe von Augsburg, aufgewachsen ohne Verstand aber mit sehr lieben Eltern, hat traurige Berühmtheit als Klassenclown erlangt. Danach Buchhändler, dann Student des Journalismus und hat die Liebe zur Kunst entdeckt. Die Kunst des Blödsinns. Seitdem hat er beschlossen die Menschen um sich zum Lachen zu bringen. Er mag keinen Rosenkohl, Hitler und Katzen. Er glaubt das sei die Dreifaltigkeit aus der Hölle.