Führt endlich gratis Öffis ein und verbietet Autos! (Der Rote Faden)

Gerechtigkeit ist gleich Freiheit. Eigentlich eine einfache Formel. Wie würde sich Gerechtigkeit also besser zeigen, als durch Freiheit in Mobilität? Durch gratis Öffis? Nebenher könnte man auch die Welt retten, man müsste nur gleichzeitig Autos aus den Städten verbieten.

Der Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter macht es schon ganz richtig, wenn er bundesweite Ein-Euro-Tickets für Bus und Bahn fordert. Schüler und Auszubildende sollen gratis fahren. Bundesumweltministerin Svenja Schulze hegt zumindest ähnliche Pläne. (SPIEGEL ONLINE) Die Absicht ist die Belastung der Umwelt durch Autos zu reduzieren, indem man die Öffentlichen Verkehrsmittel attraktiver macht.

Das ist richtig, geht aber nicht weit genug. Auch wenn der Bürgermeister der französischen Stadt Dünnkirchen erzählt, dass die Nutzung der Busse um 60 Prozent gestiegen sei, seit sie gratis sind, reicht das nicht, um die Welt zu retten. Dazu müsste man neben vielen weiteren Maßnahmen auch Autos komplett verbieten, zumindest in den Städten, die schon ein gut funktionierendes Verkehrssystem haben. In Deutschland haben das nicht nur Berlin oder Hamburg. Natürlich würde ein Verbot nicht von heute auf morgen funktionieren und man müsste die Infrastruktur selbst in den genannten Städten noch weiter ausbauen. Doch daran sollte es nicht scheitern.

Es gibt autofreie Stadtteile in Köln oder Hamburg. Deren Bilanz: In jeglicher Hinsicht positiv. (Deutschlandfunk) Es kommen zudem immer mehr Straßen und Stadtteile hinzu. (Hamburger Abendblatt) Andere Städte wie Bamberg planen auch autofreie Bauprojekte. (BundesBauBlatt)

Seien wir doch mal ehrlich: Natürlich kann einem das Auto das Leben extrem erleichtern. Auf dem Land ist es sogar notwendig, eins zu haben. Aber in größeren Städten gibt es, objektiv betrachtet, kaum Gründe, eins zu haben. Natürlich muss es hier Ausnahmen geben: Polizei, Notarzt und Feuerwehr. Das ist selbstredend. Oder Mietwagen- und Transporter. Denn der Schrank für den Umzug passt dann doch nicht auf das Fahrrad.

Das Auto wird auch dann wichtig, wenn man die Stadt verlassen muss. Doch selbst das würde sich erübrigen, wenn die Bahn gratis wäre. Außerdem ist das doch viel entspannter, als sich mit Werkstatt, Versicherung und Dieselchaos herumzuschlagen.

Gratis Öffis: Nicht nur für die Umwelt gut

Vor allem aber ist es sozialer. Menschen müssten nicht mehr einen erheblichen Teil ihres Lohns oder BAföGs in ihren Arbeits- oder Uniweg investieren, oder in den Schulweg ihrer Kinder. Alle könnten leichter am sozialen Leben teilhaben. Natürlich müssen die Öffis dafür ausgebaut werden. In allen Städten. Dazu muss man ganz einfach akzeptieren, dass die Infrastruktur wieder verstaatlicht gehört und gar nicht den Sinn haben sollte, Einnahmen zu generieren.

Natürlich sind die öffentlichen Verkehrs-Betriebe in den Händen der Städte. Die Städte bezuschussen die Betriebe und entscheiden im Stadtrat darüber, wie die Fahrpreise gestaltet werden, ob es ein Sozialticket geben soll und wie es auszusehen hat. Eigentlich klassisch sozialistisch, möchte man meinen.

Doch am Ende sind es trotzdem Betriebe. Die Infrastruktur gehört in die Hand aller Bürger, nicht nur in die von Geldgebern und Stadträten. Je nach Mehrheit, führen einige Städte die öffentlichen Betriebe trotzdem wie private gewinnorientierte Betriebe. Da reicht der Blick auf die Ticketpreise vieler Schulbusse. Zu wenige Kommunen nehmen sich ein Beispiel an der humanen Preisgestaltung Wiens.

Es gibt Menschen, die argumentieren, dass die Öffis in Wien stärker bezuschusst werden würden, seit ein Ticket einen Euro pro Tag kostet und das schlecht sei. (Die Presse) So what? Genau das ist der Punkt von einer Infrastruktur, die sich in öffentlicher Hand befindet. Die für die Menschen da ist. Außerdem haben wir das Glück, dass unsere Länder gefüllte Kassen haben, die nicht zweckgebunden sind. Mit der richtigen Umverteilungspolitik ist die Finanzierung also sowieso gar kein Problem mehr.

Also: Umdenken und umsetzen, was eh schon normal ist.

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Article by Baha Kirlidokme