Enissa Amani – (K)Ein Liebesbrief

Amani

Enissa Amani, die „Bitch“ (Amani) der deutschen Comedy mit Migrationshintergrund, teilt aus. Mit einer Stimme wie Donald Duck auf Helium kämpft sie den Kampf der Gerechten. Gegen die Presse, die sie in Gestalt von Anja Rützel bei Spiegel Online kritisiert hat, nachdem sie auf einer Preisverleihung für Instagrammer beim Haus- und Hofsender der „Fetten und Faulen“ (Pro7) eine Laudatio auf sich selbst gehalten hatte.

Ein Kampf generationengerecht auf Instagram ausgetragen, dort wo Debatten Reichweite, aber weder Sinn noch Verstand haben.

Zeit für einen Liebesbrief an das unverstandene “Mädchen” (Amani) mit ihrer iranischen und deutschen Brust:

Liebe Enissa,

„Ich wollte nie Comedian werden“, hast Du im April 2016 bei Nightwash gesagt. Dass Du es trotzdem geworden bist, tut mir sehr leid. Jetzt stehst Du in einer Reihe mit Mario Barth, Bülent Ceylan und Ralf Schmitz. Das ist in etwa so unangenehm, wie mit Francisco Franco, Kim Jong Il und Benito Mussolini in einem Atemzug genannt zu werden.

Auch, wenn das Gewagteste an Dir Dein Outfit ist, stehst Du Deinen Mann, mit dem Charme eines Ölteppichs im Pazifik. Denn eines ist Dir sicher, wenn Dich Deine moralische Überlegenheit Dank Deiner Ahnen-Abstammung dazu bemächtigt, Witze über Minderheiten und Klischees machen zu können: Applaus und FollowerInnen. Wer lacht, entlarvt sich nur selbst, daher kannst Du eines nicht: Über Dich lachen.

Liebe Enissa,

lass mich für Dich diesen Teil übernehmen. Lass mich an Deiner statt lachen, lass mich Deine Selbstironie sein, lass mich Dein Antagonist sein, das Zwinkern Deines Emojis, lass mich Dein Rassist sein, den zu melden Dir ein gutes Gewissen verschafft!

Du hast Dich dagegen gewehrt als Komikerin verunglimpft zu werden: „Immer wenn ich diesen Begriff höre, denke ich: Alter, ich schwöre, ich schmeiß alles hin, ich geh nach Nicaragua und züchte Papayas oder so was.“

Eine Vorlage, die Deine HaterInnen nicht ungenutzt ließen, und Dich wiederum anstachelten auf Instagram sofort mit einer halben Million FollowerInnen dagegenzuhalten. Laut eigener Aussage seid Ihr jetzt sowas wie die neue Presse, nur mit mehr Reichweite. Zumindest aber Menschen mit Reichweite. Eine Aussage, die meine Knie weich werden lässt und mir die verliebte Röte ins Gesicht treibt. Sich mutig den Hatern zu stellen. Online. Mit einer halben Million virtueller Bitches im Rücken. Das ist Mut. So sagt man Spiegel und BILD den Kampf an. Anmaßung und Selbstüberschätzung ist ein wichtiges Charaktermerkmal auf dem Weg nach ganz oben. Ein hübsches Gesicht der Bonus und ein Mangel an Schamgefühl das Sahnehäubchen.

Liebe Enissa,

ich weiß, ich kann Dir weder an Witz, Charme noch im echten Leben das Wasser reichen. Ich will es auch gar nicht, weil ich noch zu beschäftigt bin, Dich mir lustig zu trinken.

Außerdem magst Du es doch viel lieber, wenn man Dich für hübsch hält und Deine gesellschaftskritischen Pointen nicht so ernst nimmt, wo immer Du sie auch versteckst. Eher würdest du bei Facebook jemanden melden, der Zweifel an Deiner makellosen Optik äußert als jemanden, der Deine Pointen für das hält, was sie sind: Das Ergebnis eines Comedy-Workshops in Bockenheim.

Während Deine “Provokatiönchen” (SZ) an Witzen bereits einen Bart seit Erfindung der Simpsons haben, willst Du Dich stets jung halten. Gewinnst verdient den Miss24-Wettbewerb und musst doch das Krönchen abgeben, weil du bei Deinem Alter gelogen hast. Doch nichts kann Dich aufhalten. Du gehst unbeirrt weiter und mogelst Dich auf den 2. Platz als Miss Südwestdeutschland. Aber ich will nicht in einem Land leben, das Frauen aufgrund ihres Alters diskriminiert. Da würde ich lieber mit Dir Zeit verbringen und in Deinem hübschen und geschmackvoll spartanisch eingerichtetem Oberstübchen Pointen züchten.

Liebe Enissa,

es ist schön zu wissen, dass Du aufpasst, dass Du darüber wachst, dass der Hass in Presse und den sozialen Medien sich in Grenzen hält.
Grenzen, die Deine Eltern damals nicht aufgehalten haben in ein Land voller Komiker einzureisen, mit denen Du nichts gemein haben willst. Grenzen des guten Geschmacks, die Du sprengen willst und genau dort hängen bleibst, wenn Du das tust, was man von Dir erwartet, wenn Du nach Kanacken im Publikum fragst, weil Du das darfst, weil Du ja selbst eine…oder so. Das ist mit Sicherheit viel, aber keine Komik.

Auch Behinderte willst Du mit Deinen humorvollen Einschüben der Beliebigkeit nicht schonen, damit diese sich nicht ausgeschlossen fühlen. Für diese Einstellung respektiere ich Dich, für diese gewagte Aussage würde ich jederzeit meinen Hut vor Dir ziehen oder auch meinen Schlüpfer, denn es ist erfrischend zu wissen, dass ein guter Witz uns alle zusammenführen kann. Außer er geht auf Deine Kosten. Dann ist es Unrecht, Unverständnis oder im besten Falle: Dummheit.

Ich mag Deiner nicht würdig sein und es nicht verdienen meine Generation mit der Deinen teilen zu dürfen, aber ich werde Dir auch weiterhin folgen. Mögen Deine Witze auch nur eine belanglose Randerscheinung der Comedy sein, Deine Schönheit will ich nicht mit Nicaragua teilen müssen.
Beruhigend möchte ich in Deine elfengleichen Öhrchen hauchen, dass Du Dich nicht sorgen musst: Du bist keine Komikerin, auch kein Comedian. Du bist einfach Du. Und das reicht uns völlig.

Hochachtungsvoll,

Dein Verehrer mit einem Strauß Papayas

Article by Fabian Schütz

Geboren in der Nähe von Augsburg, aufgewachsen ohne Verstand aber mit sehr lieben Eltern, hat traurige Berühmtheit als Klassenclown erlangt. Danach Buchhändler, dann Student des Journalismus und hat die Liebe zur Kunst entdeckt. Die Kunst des Blödsinns. Seitdem hat er beschlossen die Menschen um sich zum Lachen zu bringen. Er mag keinen Rosenkohl, Hitler und Katzen. Er glaubt das sei die Dreifaltigkeit aus der Hölle.