Europa, das sind wir

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Der französische Präsident Emmanuel Macron hat wenige Tage nach der Bundestagswahl seine Vision für die Zukunft Europas vorgestellt. Eines ist sicher, Deutschland profitiert von diesem Präsidenten genauso wie der gesamte Kontinent.

Europa steckt in einer Sinnkriese. Die einen sehen die Europäische Union kritisch, weil sie zu viel in den nationalen Entscheidungsprozess eingreift, die anderen wünschen sich eine EU, die mehr auf supranationaler Ebene regieren kann. Weitergehen wie bisher kann es in keinem Fall. Europa braucht einen klaren Kurs für die kommenden Jahre und muss sich eine Daseins-Berechtigung auch immer wieder aufs Neue verdienen.

Auch der französische Regierungschef weiß, dass Europa einen klaren Kurs braucht und hat in einer Rede vor Studenten an der Sorbonne Universität nicht weniger als die „Neugründung“ der Europäischen Union gefordert. Den Nationalisten erteilt Macron in seiner Rede eine klare Abfuhr, und auch wenn nicht alles sofort umsetzbar scheint, das Tandem Frankreich-Deutschland kann gemeinsam durchaus effektiv die Zukunft der EU gestalten. Deswegen ist es umso erfreulicher, dass Macron einen Kurs vorschlägt, der in sehr vielen Punkten mit deutschen Interessen kompatibel ist.

Im Kern geht es Macron darum das Europaparlament mächtiger, das Steuerrecht fairer, die Verteidigung effektiver und die EU-Kommission tatkräftiger zu machen. Natürlich gibt es viele Europäer, die bei diesen Vorschlägen erst einmal schlucken werden. Kein Land gibt gerne Kompetenzen an eine höhere Stelle ab, das ist bei deutschen Bundesländern und der Bildungspolitik nicht anders, als bei den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und etwa der Verteidigungspolitik. Aber darin liegen auch viele Chancen. Das zwei Prozent Ziel der NATO ist beispielsweise eine immense Belastung für jede europäische Volkswirtschaft. Einigt man sich darauf eine deutlich effektivere europäische Armee zu installieren, kann man sehr viele Ressourcen sparen.

Unser Wohlstand beruht zu einem großen Teil auf einer Welt, die so vernetzt wie nie zuvor ist. Wenn wir diesen Wohlstand aufrecht erhalten wollen, müssen wir weiter daran arbeiten diese globale Welt auszubauen, statt sie wieder schrittweise kleiner werden zu lassen.  Letztlich geht es für den gesamten Kontinent darum, dafür Sorge zu tragen, dass Franzosen und Deutsche, Luxemburger, Polen, Spanier oder Finnen den Großmächten der Erde auf Augenhöhe begegnen und so ihre Freiheit, Sicherheit und Kultur erhalten können.

Lukas Rumpler

Article by Lukas Rumpler

2010 mit dem Bloggen angefangen - irgendwann zum Journalisten geworden. Ressort-Journalismus Studium an der Hochschule Ansbach mit dem Schwerpunkt auf Politik und Wirtschaft.