Freitags für die Zukunft – und sonst gerne auch!

Tausende Schüler gehen freitags lieber demonstrieren, statt in die Schule. Ihr Protest gegen die Klimapolitik setzt ein starkes Zeichen und beendet hoffentlich das Vorurteil über eine Generation, der alles egal ist.

Junge Menschen werden in unserer Gesellschaft gerne belächelt. Egal, ob es die junge Bundestagsabgeordnete ist, die für die Praktikantin gehalten wird, oder junge Demonstranten, die für ihre eigene Zukunft auf die Straße gehen.

Doch wer soll für die Zukunft kämpfen, wenn nicht die, die sie erleben wollen?

Schüler haben in Deutschland kein Streikrecht. Warum sollten sie auch? Als Schüler erbringt man nicht wie Arbeitnehmer eine Dienstleistung und wird dafür entlohnt. Im Gegenteil, man bekommt etwas größtenteils gratis vom Staat: Bildung. Wenn Schüler aber so besorgt sind, dass sie um ihre Zukunft fürchten, sollten alle aufhorchen.

Das Problem mit Streiks ist, dass sie weh tun

Sonst sind es die Bahn- oder Flughafen-Mitarbeiter, die fürs Streiken in die Medien kommen und in der Gesellschaft gemischte Reaktionen verursachen. Diese Menschen kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen, die Schüler kämpfen für eine bessere Welt.

Trotzdem werden ihre Motive oft in Frage gestellt. Ganz vorne steht – statt der kritisierten Klimapolitik – die Frage, ob die Schüler für das Schwänzen bestraft werden sollen. Und es ist ganz einfach: Ja, man muss die Demonstranten bestrafen. Schulstunden, die verpasst wurden, müssen nachgeholt werden.

Man kann Schülern nicht erlauben, während der Schulzeit zu streiken. Aber es ist gut, dass sie es trotzdem machen. Manchmal muss man Grenzen überschreiten um Dinge zu verändern. Zudem würden die Schüler an einem Samstag wesentlich weniger Aufmerksamkeit bekommen.

Die oft geforderten Diskussionsrunden am Nachmittag wären eine wunderbare Möglichkeit um die Schüler “zu bestrafen”. Nur weil es um eine gute Sache geht, kann man keine Blankoschecks fürs Schule schwänzen ausstellen. Denn wer entscheidet dann darüber, was das Schwänzen rechtfertigt?

Mit der gleichen Logik versucht die Politik schon seit geraumer Zeit den Kopf der Autoindustrie aus der Schlinge zu ziehen. Man könne VW und die Anderen nicht angemessen für die manipulierten Abgaswerte bestrafen, weil das der Wirtschaft schadet und Arbeitsplätze gefährdet.

Wenn die Wirtschaft wichtiger wird als der Planet sind wir am Arsch

Die Wirtschaft und ihre Verletzlichkeit wird nicht nur als Vorwand genommen um deutsche Autokonzerne vor der Insolvenz zu bewahren, sondern auch um das Zerstören der Erde zu rechtfertigen.

Wie kann man es einfach hinnehmen, dass es in manchen Teilen der Welt schon heute so viel Smog gibt, dass man nur noch mit Maske auf die Straße gehen sollte. Und hier in Deutschland, wo die Situation zugegeben noch nicht so schlimm wie in vielen asiatischen Ländern ist? Hier wird gerade alles dafür getan mit den Chinesen gleichzuziehen.

Der Konsens vieler Generationen von Eltern war stets, dass es die eigenen Kinder mal besser haben sollen. Gestärkt von dem Gedanken, dass mit Alter auch Weisheit kommt, treffen die Erwachsenen die Entscheidungen, die alle betreffen. Aber wenn sich so viele junge Menschen dagegen auflehnen, kann etwas mit diesen Entscheidungen nicht stimmen.

Die Schüler, die freitags auf die Straße gehen und demonstrieren sind jung, politisch, aber vielleicht nicht machtlos.

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Article by Lukas Rumpler

Ich studiere Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt auf Politik und Wirtschaft.