Fridays for Future in Ansbach – von wegen unpolitische Landbewohner

Fridays For Future Ansbach

Berlin, London, Neu Delhi. Weltweit gab es am vergangenen Freitag “Fridays for Future”-Demonstrationen. 1.600 Orte in mehr als 100 Ländern. 300.000 Teilnehmer in Deutschland. Denn Klimarettung ist nicht nur Großstädtern wichtig. Im fränkischen Ansbach fand ebenfalls eine Klimademo statt. Trotz Wind und Regen kamen hunderte Menschen zur ersten “Fridays for Future”-Demonstration in der 40.000-Einwohner-Stadt. Wir haben die Demonstration begleitet und für euch Eindrücke gesammelt.

Der Demobeginn ist auf 13 Uhr angemeldet. Veranstalter ist das “Bunte Bündnis Ansbach”, also die Jugendorganisationen von SPD, Linken und Grünen. Eine viertel Stunde vorher sind neben den Organisatoren immerhin 20 bis 30 Leute anwesend. “Immerhin”, denn Regen und Wind lassen die sieben Grad Celsius auf dem Martin-Luther-Platz sich wie zwei anfühlen. Wir fragen eine Teilnehmerin, warum sie an der Demo teilnimmt.

 

Dann beginnt die Demo und der Platz ist halb voll. Gut hundert Leute haben sich versammelt, um den Rednerinnen und Rednern zuzuhören, und es werden immer mehr. Die Stimmung ist gut, die Menschen haben trotz Regen Spaß und klatschen den Redebeiträgen laut zu. Anwesend sind natürlich vor allem Jugendliche und Kinder aus ganz verschiedenen Klassenstufen, aber auch Erwachsene solidarisieren sich. Auf die Frage, warum er heute hier ist, antwortet ein Erwachsener:

 

Die Polizei Mittelfranken teilt uns später mit, dass 300 Menschen auf der Demo waren. Die Veranstalter teilen uns mit, dass es fast 600 gewesen seien.

Unter den zahlreichen Rednerinnen und Rednern sind vor allem junge Menschen. Die einen fordern mehr Umweltbewusstsein im privaten Leben, oder schweifen gar ab zum Tierschutz. Andere fordern den Bruch mit dem Kapitalismus. Trotz der verschiedenen Ansätze sind sich alle einig, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann und dass die Politik handeln muss.

 

 

Das Bündnis verabschiedet auch eine Resolution. Adressat der Forderungen ist der Stadtrat. Der Stadtrat wird aufgefordert, sich aktiv auf lokaler Ebene gegen den Klimawandel zu engagieren und sich zu verpflichten, die Bürger über ihn zu informieren. Die Resolution wird den anwesenden Stadträten überreicht, mit dabei auch Ansbachs erster Bürgermeister und SPD-Fraktionsvorsitzender Martin Porzner.

Kurz nach 14 Uhr läuft der Demozug durch die Innenstadt. Unter den Blicken neugieriger Passanten und Ladenbesitzer skandieren sie laut “Hopp, hopp, hopp, Kohlestopp!” oder “Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!”. Einige Ladenbesitzer reagieren mit einem Daumen nach oben, oder einem “Sehr gut”.


 

Ansbachs linker Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg ist an dem Tag ebenfalls als Teilnehmer anwesend. Uns gegenüber erklärt er, wie er den Erfolg von “Fridays for Future” einschätzt und was er von Christian Lindners “Profis”-Äußerung hält.

 

 

Nach 20 Minuten endet der Marsch wieder am Martin-Luther-Platz, wo sich die Demonstration nach lauten Parolen und unter donnerndem Applaus auflöst. Aus Sicht der  Organisatoren ist die Demo ein voller Erfolg. Gerechnet haben sie nämlich mit nur 150 Teilnehmenden. Konkrete Pläne für die Zukunft hat das Bündnis noch nicht, doch bis zum bundesweiten Aktionstag im Mai will es noch Aktionen starten.

Article by Baha Kirlidokme

Studiert Politik- und Wirtschaftsjournalismus an der Hochschule Ansbach. Sitzt aktuell in der taz.de-Redaktion. Schreibt für bento von Spiegel Online. Freier Mitarbeiter bei der Main-Post und dem Schweinfurter Tagblatt. Autor beim Radiosender ANgedacht. War Redakteur beim Ansbacher Stadtmagazin Kaspar und Autor für das Musikmagazin Stormbringer.

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