Grundkurs Streik

streik

Liebe Junge Union Hannover,
Liebe Dilay,

ihr habt gestern auf eurer Facebook-Seite folgendes gepostet:

Zudem habt ihr Dilay als eine arme, enttäuschte Abiturientin inszeniert. Dabei ist sie ja Teil eures Vorstandes. Was natürlich nicht heißt, dass sie nicht trotzdem eine arme, enttäuschte Abiturientin sein kann. Deswegen will ich euch erklären, was Streik genau ist, warum man streikt und wer verantwortlich für Streik ist. Fangen wir mal an.

Der Streik ist eine legitime und geschichtsträchtige Form von Arbeitskampf. Denken wir nur an die Weberaufstände zurück, oder an die Moabiter Unruhen. Beim Streik geht es nicht etwa darum, Schüler oder andere zu ärgern. Es geht darum, Arbeitgeber und Gesellschaft an die Unverzichtbarkeit der eigenen Arbeit zu erinnern. Gestreikt wird, wenn etwas Ungerechtes vor sich geht. Ob nun unzumutbare Arbeitsbedingungen, oder zu niedrige Löhne. Letzteres kann allerdings von manchen Menschen oft nicht nachvollzogen werden. Doch da gibt es zwei simple Prinzipien, die beachtet werden. Was ist mir meine Arbeit als Arbeitnehmer wert und wie hoch müssen Löhne bei einer steigenden Inflationsrate mitsteigen? Inflation ist, wenn Konsumgüter allgemein teurer werden. Man sollte sich auch daran erinnern, dass es anderen trotzdem schlechter gehen kann. Nur weil es einem selbst, oder Mami und Papi gut geht, heißt das nicht, dass es andere Familien auch so leicht haben. Das Streikrecht ist somit eines der wichtigsten Rechte, die Arbeitnehmer in Deutschland haben. Ohne sie, gibt es keinen Markt, an dem ihr euch als Konsumenten beteiligt.

Auf die Schuldfrage kommt ihr jetzt sicher von selbst.

Liebe Dilay, es ist natürlich ärgerlich, wenn dein Bus oder Zug zur Schule nicht fährt. Aber da du auch Vorstandsmitglied der Schüler Union bist, bist du sicher eine intelligente und informierte Person. Du hast also sicher Nachrichten gesehen, gehört oder gelesen und wusstest Tage vorher, dass du dir vielleicht eine Fahrgemeinschaft zur Schule organisieren oder deine Eltern um das Mitnehmen hättest bitten können. Dann hättest du nicht ganz alleine am Bahnsteig stehen und dich von Parteifreunden abfotografieren lassen müssen.

Article by Baha Kirlidokme

Studiert Politik- und Wirtschaftsjournalismus an der Hochschule Ansbach. Sitzt aktuell in der taz.de-Redaktion. Schreibt für bento von Spiegel Online. Freier Mitarbeiter bei der Main-Post und dem Schweinfurter Tagblatt. Autor beim Radiosender ANgedacht. War Redakteur beim Ansbacher Stadtmagazin Kaspar und Autor für das Musikmagazin Stormbringer.