How to get away with Brexit

how to get away with brexit

Die aktuelle politische Situation wirkt wie aus einem Hollywood-Drehbuch. Was sagt das über uns aus, wenn Fiktion und Realität immer näher zusammenrücken?

Ach, wie schön ist Netflix. Nach Feierabend nach Hause kommen, den Fernseher anschalten und vom Alltag abschalten. Das Konzept einer fiktiven Welt, in die man eintauchen kann und die den Alltag vergessen lässt, hat etwas Wunderbares.

Dann aber flüchteten Menschen im Jahr 2015 vor Krieg und Armut, Donald Trump wurde zum US-Präsidenten gewählt und nicht zuletzt wählten die Briten den Brexit. Alles Ereignisse, die aus einem Film oder einer guten Serie stammen könnten, die aber Realität sind. Das Gefühl in eine fiktive Welt abzudriften, wenn man das bekannte Netflix Intro („Da-dooong“) hört, findet nicht mehr nur vor dem Fernseher statt. Es ist längst Alltag geworden. Die vielen Push-Nachrichten die von Zeitungen und anderen Nachrichten-Kanälen heute auf unsere Smartphones gepuscht werden, könnten ebenso das Netflix-Intro abspielen, statt den Tagesschau-Gong.

Der Brexit – als Serie

Am Sonntag hat sich die EU-Kommission auf einen Brexit-Deal geeinigt, der jetzt noch von Großbritannien angenommen werden muss – ob sie das werden, ist umstritten. Währenddessen dürften sich findige Produzenten schon die Hände reiben. Denn das aktuelle Zeitgeschehen bietet nahezu unendlich Stoff für gute TV-Produktionen. Natürlich: Auch die Vergangenheit – nicht zuletzt die beiden Weltkriege wirken sachlich betrachtet surreal und können ohne große Fantasiesprünge filmisch verarbeitet werden. Trotzdem wirkt es in unserer heute aufgeklärten und vernetzten Welt fast noch ein wenig seltsamer, dass ein Land die Europäische Union verlassen möchte. Immerhin ist die EU das größte Friedensprojekt aller Zeit. Und das wohl hauptsächlich aus überzogenen Nationalstolz und den vielen Fake News, die vor dem Referendum im Umlauf waren. (Deutschlandfunk)

Fake News – als Film

Seit es einen Film über Emojis gibt, darf man davon ausgehen, dass alles filmisch umgesetzt werden kann. Warum also nicht „Fake News“, die Grundlage von Brexit und der Präsidentschaft Donald Trumps? Diese gezielt gesetzten falschen Informationen, oftmals freundlich unterstützt von sozialen Netzwerken wie Facebook, sind die Ursache für vieles, was gerade vor sich geht.

Natürlich gab es diese Falschinformationen auch schon vor dem Internet. Gerade in Wirtshäusern wurden damals und werden heute noch Menschen, die ihre Hetzparolen mit Halbwissen untermauern geradezu glorifiziert. Aber das Internet hat es leichter gemacht gezielt falsche Behauptungen an die richtigen, dafür empfänglichen Menschen auszuspielen. Facebook bietet mit ihren Werbetools das richtige Werkzeug dazu. Hier kann man genau angeben, wer die Beiträge sehen soll. So können die Aussagen genau den Menschen gezeigt werden, die sie hören wollen und der Rest kriegt das nicht mal mehr mit.

Im brasilianischen Wahlkampf war Whatsapp zum wichtigsten Tool der rechten Desinformationskampagne geworden. (netzpolitik.org). Dieses Thema würde nicht nur einer ganzen Filmcrew Arbeit bieten, sondern auch zahlreichen Journalisten, die für die Faktencheck-Angebote verschiedener Medien arbeiten. Die Tagesschau etwa betreibt den Faktenfinder, der BR den Faktenfuchs.

Staffelfinale

Die Erfolgsserie „House of Cards“ geht gerade zu Ende. Die für die Welt und das Weltklima und nicht zuletzt die Pressefreiheit weniger erfolgreiche Serie an Donald Trumps Tagen als Präsident läuft wenigstens noch bis 2020 – wenn sie nicht sogar aufgrund von guten Quoten nochmal um vier Jahre verlängert wird. Wir können das alles live mitverfolgen – ohne einen Regisseur und ein Drehbuch zwischen uns und dem Geschehen. Irgendwann gibt es das aber auch in leicht abgewandelter Form bei Netflix, jede Wette. Freuen wir uns also in ein paar Jahren auf hoffentlich großartige Produktion, die unseren Kindern und Enkeln später mal erklären, wie das alles so kommen konnte.

Lukas Rumpler

Article by Lukas Rumpler

2010 mit dem Bloggen angefangen - irgendwann zum Journalisten geworden. Ressort-Journalismus Studium an der Hochschule Ansbach mit dem Schwerpunkt auf Politik und Wirtschaft.

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