Ihr müsst euer Geld nicht in dreckige Industrien stecken!

regenbogenraffinerie

Diese Woche kündigte der Erdölkonzern Royal Dutch Shell an, aus der führenden Lobby-Organisation der Energiebranche auszutreten – weil deren Ziele nicht mehr mit den Klimazielen von Shell vereinbar seien (siehe den Artikel in der Handelszeitung). Das mag wahlweise witzig oder wie ein mutiger Schritt erscheinen – erschreckend ist aber eigentlich, wie viele Fonds, Anlegerinnen und Anleger ihr Geld immer noch in dreckige Industrien stecken. Niemand sollte mehr in Technologie von vorgestern investieren! Was machen da eigentlich eure Eltern?

  • Noch immer investieren wir fast alle in fossile Energieträger – und schaden damit dem Klima. Auch private Anlegerinnen und Anleger tun dies, oft ohne es zu wissen.
  • Bei Banken, Rentenfonds und anderen institutionellen Anlegern beginnt ein Umdenken
  • Divestment heißt, kein Geld mehr in dreckige Industrien zu investieren

In der Folge „Blutig“ der Känguru-Offenbarung möchte das Känguru eine halbe Million Euro bei einem Bankberater anlegen: „Machen Sie das Portfolio ruhig so wie ich mein Steak mag“ sagt das Känguru. „Ah“, sagt der Mann, „well-done“. „Nein“, sagt das Känguru, „blutig“. Was neben Kinderarbeit, Rohstoffen aus Krisengebieten und Waffen jedoch in der Folge nicht genannt wird: fossile Energieträger. Auch sie tragen zur Zerstörung unseres Planeten bei, und fast alle von uns investieren in sie – meistens ohne es zu wissen!

Immer noch Kohle?

Der norwegische Staatsfond verwaltet das öffentliche Vermögen des norwegischen Staates. Durch Einnahmen aus der Erdölförderung hat der Fonds viel Geld angehäuft, das investiert werden muss. Bisher floss das Geld auch in Kohle und andere dreckige Industrien. Im Jahr 2015 beschloss die Aufsicht des Fonds, langfristig aus den Kohleinvestitionen auszusteigen. Bisher ist zwar noch wenig in dieser Richtung geschehen.

Aber ein grundsätzliches Umdenken bei den großen institutionellen Anlegern könnte dazu führen, dass Kapitalströme in zukunftsfähige Industrien umgelenkt werden. Dasselbe gilt für die privaten Rentenfonds in Deutschland. Wo landet eigentlich das Geld, das eure Eltern jeden Monat in die Rentenversicherung einzahlen? Und bei den ganzen Versicherungen?

Raus aus der Kohle!

Wer Geld hat, der möchte es investieren. Investitionen lohnen sich finanziell meistens vor allem in riskanten Bereichen und in solchen, wo die Ausbeutung von Menschen oder der Natur besonders groß ist. Viele Menschen machen sich anscheinend immer noch keine großen Gedanken darüber, was ihr Geld eigentlich macht, wenn es „arbeitet“. Das Geld arbeitet jedenfalls nicht selbst – es sind immer Menschen die arbeiten.

Noch immer investieren erschreckend viele Menschen und Fonds ihr Geld in fossile Energieträger – häufig ohne dass ihnen das wirklich bewusst ist. Allein sozial-ökologische Banken wie in Deutschland die GLS-Bank bieten hier wirklich glaubwürdige Alternativen. Was machen eure Eltern? In welchem Rentenfonds liegt ihre Rente, worin investieren sie ihre Lebensversicherung? Eine gute Übersicht über alternative Kapitalanlagen findet sich hier.

Patrick Klösel

Article by Patrick Klösel

Patrick Klösel hat Volkswirtschaftslehre, Politikwissenschaft und Philosophie in Tübingen und Paris studiert. Er ist aktiv im Netzwerk Plurale Ökonomik, das sich für einen neuen Blick auf unsere Wirtschaft einsetzt – in der Volkswirtschaftslehre an deutschen Universitäten genauso wie in wirtschafts- und sozialpolitischen Debatten. Zurzeit lebt, arbeitet und studiert er in München. Kontakt: patrick[at]relevant-magazin.de Marktverzagen erscheint zweiwöchentlich im Relevant Magazin.