Ironie OFF

ironie off

Der Upload-Filter kommt. Das EU-Parlament hat entschieden. Die freie Wirtschaft ist gestärkt, die Abmahn-Anwälte prosten sich zwischen Yacht-Urlaub und Kanzlei-Orgie zu. Mission accomplished. Es ist vollbracht, das Internet wird umdefiniert und der Algorithmus des virtuellen Lebens stößt an seine Grenze: Die Ironie.
Da diese auf mathematischem Wege nicht herauszufiltern ist, bleibt nun nur eines: Als gehorsamer EU-Bürger die demokratische Entscheidung der CDU anzuerkennen und die Ironie auch im eigenen Kopf abzuschalten. Ironie off. Endlich kein Verklausulieren, keine Doppeldeutigkeiten, keine Anspielungen und Codes mehr. Endlich wird Geschriebenes wieder ehrlich, authentisch und in Zeiten von Fake-News absolut durchschaubar. Selbst für Idioten wie Elmar Brok (CDU). Dafür möchte ich den alten, schmierigen und ahnungslosen Knalltüten im Parlament danken! Dafür zahle ich in Zukunft gerne jeden Cent, jedes Milliönchen, wenn ich unbedacht geistiges Eigentum aus Privatwirtschaft oder von Walt Disney verwenden sollte. Axel Voss ist für mich ein Vordenker, ein Mensch gewordenes Meme, das „immer wenn ich rede, ohne vorher nachgedacht zu haben“ als unsichtbare, aber doch deutlich erkennbare Unterschrift trägt.

Aber in einer ironiefreien Welt bleibt immer noch so manche Verwunderung über die aktuellen Geschehnisse bestehen, deren Einordnung mir wohl ewig schleierhaft bleiben:

Wie, wenn nicht ironisch…

…soll ich es deuten, dass das ZDF Greta Thunberg mit gerade mal 16 Jahren einen Sonderpreis bei der Verleihung der „Goldenen Kamera“ übergibt. Im Anschluss aber einer Nachwuchsschauspielerin ein Auto schenkt, gesponsert von den Gangstern der Autoindustrie – mit denen sich selbst Carsten Maschmeyer nicht mehr fotografieren lassen würde – um damit in Zukunft regelmäßig zu ihren Castings fahren zu können?

…soll ich es deuten, dass die Empörung über einen Rammstein-Trailer, der KZ-Szenen aus dem Zusammenhang schnipselt, größer ist, als an der perfiden und zynischen PR-Strategie dahinter? Die hat sich die Empörungs-Unkultur unserer Zeit deutlich bewusst und sich zunutze gemacht. Auf der Suche nach nicht nur politisch korrekter Sprache, wollen wir jetzt auch politisch korrekte Bilder, da passt es gar nicht, penetrant Salz in die Wunde zu streuen, dass wir Deutschen einfach – egal wie wir uns mühen – so gar nicht gut sind und vor allem waren.

…soll ich es deuten, dass die Medien begeistert feiern, dass „Michael“ der häufigste Name unter den Messerstechern ist und dabei außer Acht lassen, dass die Fragestellung „Gibt es bei den im Lagebild als Täter aufgeführten 842 deutschen Staatsbürgern Häufungen bei den Vornamen“ war? Dabei gänzlich ignorieren, dass es mir persönlich irgendwie ziemlich scheißegal ist, ob mich ein Deutscher, Ausländer, Christ oder Moslem absticht? Ich habe dieses urkomische Grundbedürfnis, nur sehr ungern abgestochen zu werden. Eher esse ich Rosenkohl.

…soll ich es deuten, dass Minister Berater ihren Job machen lassen und somit mangelnder Transparenz innerhalb der Demokratie Vorschub leisten und dabei auch noch ihre eigene Ahnungslosigkeit stolz zur Schau tragen? In der Bundestagsdebatte aber auf das Smartphone starren, anstatt der oft geforderten Höflichkeit im Umgang miteinander Tribut zu zollen und zuzuhören?

…soll ich es deuten, dass Politiker, den gegen die drohende Klimakatastrophe demonstrierenden Schülern applaudieren, Greta Thunberg zum Vorbild stilisieren und dabei irgendwie vergessen, dass sie selbst die Forderungen erhören und sogar etwas zu ändern vermochten, wenn sie denn überhaupt wollten? Und zwar im Eiltempoverfahren wie die Anwendung von Uploadfiltern.

Ironische Affen

Wie kann ich also nicht ironisch sein, wenn doch alles um uns herum einfach eine Ansammlung ironischer Gegebenheiten zu sein scheint, die nur einen Schluss zulassen: Wir leben nicht in modernen, aufgeklärten und demokratischen Zeiten, wir leben in einer äußerst lächerlichen Zeit, deren Regierungsform auf Zynismus und die Bevölkerung auf Konformismus geeicht ist. Wer Darwin also noch immer nicht glauben schenken will, soll einfach einen Blick auf unsere Emojis werfen: Affen, die nichts hören, sehen und die Klappe halten. Das beschreibt uns doch ganz gut. Ob wir die jetzt aber noch benutzen dürfen, muss ein Rechtsausschuss klären, weil das geistige Eigentum natürlich beim Künstler liegt.

Kostenlose Rechtsberatung gefällig: Den eigenen Verstand zu benutzen ist urheberrechtstechnisch völlig unproblematisch.

Article by Fabian Schütz

Geboren in der Nähe von Augsburg, aufgewachsen ohne Verstand aber mit sehr lieben Eltern, hat traurige Berühmtheit als Klassenclown erlangt. Danach Buchhändler, dann Student des Journalismus und hat die Liebe zur Kunst entdeckt. Die Kunst des Blödsinns. Seitdem hat er beschlossen die Menschen um sich zum Lachen zu bringen. Er mag keinen Rosenkohl, Hitler und Katzen. Er glaubt das sei die Dreifaltigkeit aus der Hölle.