Jeder biegt sich seine Wahrheit zu recht(s)

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Wenn der Inhalt anstrengend wird, dann verlagert man die Debatte auf das Persönliche. Dabei würde es allen gut tun, weniger persönlich zu werden und dafür persönlich mit der vermeintlich anderen Seite zu reden. Selbst, wenn es die andere Seite auf dem politischen Spektrum ist.


Geht es darum, dass Mann sich beim Klobesuch hinsetzt, anstatt im Stehen daneben zu zielen, kann man auch empört über den kleinen Pimmel schimpfen.

Wenn es im Mittelmeer zu massengrabig wird, dann diskutiert man eben über den verlorenen BH der C. Rackete, anstelle der Ursachen und deren Behebung. Also der Ursachen für das Sterben und Flüchten im und über das Mittelmeer. Nicht des fehlenden BHs wegen. Der hängt vermutlich im Schrank. Oder liegt unterm Bett. Oder wohnt da, wo BHs halt so hausen.

Wenn das Klima unangenehm wird, dann diskutiert man über schulschwänzende Kinder – die eh nichts zu verlieren haben – Zöpfe und Asperger, und weil mit Solchen das Demonstrieren kein Widerstand, sondern Zeitvertreib ist, während man schweißschwanger vor sich hinsuppt und mit dem SUV vorm Bäcker keinen Parkplatz findet.
Klar, in der DDR war eine Demo gefährlicher, im dritten Reich ein bisschen tödlich und heute ist sie irgendwie lobenswert. Aber nur, weil es nicht riskant ist, auf ein Thema hinzuweisen, heißt es noch lange nicht, dass es falsch ist. Es potenziert eher, dass es ein wichtiges Thema ist, wenn es auch noch gefährlich wäre darauf hinzuweisen.

Die Realität? Vogelfrei

Und wenn man selbst so vernünftig wie ein Clown auf Acid ist, dann will man halt Flughäfen verstaatlichen anstatt über die Flugvermeidung durch Billigangebote, die sowohl wettbewerbsverzerrend als auch lohndumpend sind, zu reden.
Eigentlich will man ja immer bloß reden. Alleine damit was gesagt ist. Es Klicks und Likes hagelt, wie es eigentlich Watschen hageln sollte.

Und wenn 18 Bürgermeister darauf aufmerksam machen, dass sie psychisch kranker und oft auch krimineller Flüchtlinge mittels Gesetzeshüter nicht mehr Herr werden können, dann sind sie vielleicht intolerante Nazis. Oder: Wir lassen die Personen und den N-Hammer aus dem Spiel und betrachten einmal möglicherweise erschreckende Realitäten und die dringliche Notwendigkeit in der Sache zu reagieren.

Aber egal ob Links, Mitte oder Rechts, aber auch Rechtsaußen, die eigene Realität biegt sich jeder selbst zurecht. Die Grünen fahren als PR-Agentur Klimanismus auf, die Linke Verstaatlichung, die CDU das Abwarten und die AfD die erwünschte Selbstzersetzung. FDP und SPD? Die einen haben eine One-Man-Show, die anderen eine No-One-Wants-Inszenierung.

Im Prinzip geht es um die Personalisierung von Themen, Figuren, die bühnenlichttauglich sind.
So war es auch schon bei Jesus. Seine Botschaft? Egal. Wichtiger: Ist er der Sohn Gottes oder nur ein Prophet? Ist er Jude oder Zimmermann? Gab es ihn überhaupt? Was daraus folgte waren Kreuzigung, Kreuzzüge und kreuzdumme Attentate.

Um was es geht, interessiert nicht mehr. Es geht darum wie es wirkt.
Klima wirkt vernünftig, Lebensrettung menschlich und Toleranz ist sowieso großgeschrieben. Ist ja auch ein Substantiv. Und wenn man nicht weiterweiß, dann hilft der externe Berater des Vertrauens.

Letztlich bleibt die Realität eben vogelfrei, wenn wir immer nur eine Perspektive betrachten und die andere verdammen. Mit Nazis reden? Ne. Mit gemäßigten Rechten reden? Unbedingt. Denn sie sind Teil unserer perspektivischen Wahrnehmung. Ansonsten können wir auch gerne Selbstgespräche führen und uns dafür bedanken, dass wir recht haben.

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Article by Fabian Schütz

Geboren in der Nähe von Augsburg, aufgewachsen ohne Verstand aber mit sehr lieben Eltern, hat traurige Berühmtheit als Klassenclown erlangt. Danach Buchhändler, dann Student des Journalismus und hat die Liebe zur Kunst entdeckt. Die Kunst des Blödsinns. Seitdem hat er beschlossen die Menschen um sich zum Lachen zu bringen. Er mag keinen Rosenkohl, Hitler und Katzen. Er glaubt das sei die Dreifaltigkeit aus der Hölle.