Kathryn Mayorga, Christiano Ronaldo und sein Prozent (femme courageuse)

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“Zu 99 Prozent bin ich ein guter Kerl, ich weiß nicht, was mit diesem einen Prozent ist.” 

Angeblich hat Christano Ronaldo das gesagt, nachdem er Kathryn Mayorga, die bis vor kurzem noch an einer Grundschule gearbeitet hat, anal vergewaltigt haben soll. 2009 soll sich das Ganze in Las Vegas ereignet haben. Neu ist der Vorwurf nicht, doch Ronaldos Anwalt soll Mayorga eine Schweigesumme gezahlt haben.
Und sie schwieg bis jetzt. Ihre Geschichte hat sie nun dem Spiegel erzählt.

Ihr Anwalt, greift das Abkommen von damals nun mit einer Zivilklage an. Und das alles in derselben Woche in der Bill Cosby nun wirklich wegen Vergewaltigung ins Gefängnis muss (bento) und sich Brett Kavanaugh vor dem amerikanischen Justizausschuss rechtfertigen muss. In die Reihe der mächtigen Männer, denen ähnliches vorgeworfen wird, können sich noch mehr stellen: Kevin Spacey oder Harvey Weinstein.

Und das alles ist so extrem wichtig für die Frauenbewegung. Nicht nur für die sondern für uns alle. Man spricht schon von einer MeToo-Ära, die mächtige Männer zu Fall bringen wird, die unerreichbar schienen. MeToo ist ein Thema über das man sich streiten kann, nicht alles was unter den Hashtag fiel, gehörte auch dort hin. Teilweise wurde vieles in einen Topf geworfen, Männer standen unter Generalverdacht und Vergewaltigung stand plötzlich auf derselben Stufe, wie eine plumpe Anmache. Beides ist nicht schön, nur kann man es nicht vergleichen oder auch nur ansatzweise behaupten, die psychischen Auswirkungen seien dieselben.

Aber ein einzelner Hashtag hat es geschafft, dass die Gesellschaft wenigstens etwas mehr begreift, dass es immer noch ein Machtgefälle zwischen den Geschlechtern gibt. Dass Männer wie Weinstein oder Kavanaugh sich immer mehr, wie fette Spinnen, in Machtzentren von Unterhaltung von Politik setzen konnten. Und den Menschen herum antun konnten, was auch immer sie wollten. So weit wir auch gekommen sind mit der Frauenbewegung und der Gleichstellung, so gibt es immer noch so viele Baustellen. Und sexuelle Gewalt ist eine davon. Man sollte natürlich nicht außer Acht lassen, dass Frauen ebenso vergewaltigen, aber es ist und bleibt so: Männer sind öfter in Machtpositionen und nutzen diese öfter aus. Mann nimmt sich oft, was er will. MeToo hat das der Welt erneut vor Augen geführt. Und dieses eine Prozent von dem Christiano Ronaldo gesprochen haben soll, sieht dann jetzt auf einmal jeder.

Die Kritik an den Vorwürfen, die ja “viel zu spät” seien, kann nur empören. Die ganzen Menschen kommen mit ihren Vorwürfen erst jetzt an, weil sie unter anderem durch MeToo überhaupt das Gefühl haben gehört zu werden. Sie können erst jetzt darüber sprechen und halbwegs ernst genommen werden. Man kann natürlich nie immer hundertprozentig wissen, was die Motive sind, aber durch das Bill Cosby-Urteil können mehr Betroffenen das Gefühl haben, man hört sie und sie haben eine Chance. Eine Chance darauf, dass jemand, der ihnen physischen und psychischen Schaden angerichtet hat, eine gerechte Strafe bekommt.

Und dafür können wir dem MeToo-Hashtag und dem Bill Cosby-Urteil dankbar sein.

Article by Sarah Walz

Studiert Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach. Arbeitet als Freie Mitarbeiterin beim Schwarzwälder Boten und Autorin beim Zollern-Alb-Kurier. War Praktikantin beim Radiosender afk max und moderiert eigene Sendungen. Ebenso Praktikantin beim Medienzentrum Parabol. Dazu Redakteurin beim Campusradio Ansbach. Derzeit Praktikantin bei Pro Sieben Galileo. Interessiert an Fotografie und Filmen, sowie Literatur und Tanz.