Klickende, käufliche Konsum-Tiere

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In Deutschland ist es heiß wie nie. Nazi-WM und Frauen-Terrorismus beherrschen die Medien. Panini-Nazi-Sammelbildchen sind auf dem Pausenhof bereits gängiges Zahlungsmittel. Wer hat zuerst Combat18 vollständig? Wer das Heimatministerium? Ein Stephan E. ist in etwa fünf Horst Seehofers wert, der wiederum drei Erika Steinbachs. Für alle drei bekommt der gewiefte Tauscher ein Nutella-Brot und drei Apfelringe, sowie einen Kuss vom heißesten Mädchen der Klasse.

Das gesellschaftliche Klima ist aufgeheizt, die Temperaturen erreichen neue Rekorde seit den späten 40ern. Die Armaturen des SUV schmelzen auf dem Weg zur Umwelt-Demo und das Leitungswasser verdampft auf dem Weg vom Hahn ins Glas.
Die Bundeskanzlerin dagegen zittert. Vor Kälte oder Wut. Das wissen wir nicht.
Das Land der Widersprüche können wir, wenn uns das unbarmherzige Brennen der Sonne ins Innere unserer schattigen Behausungen treibt, nur mehr vor dem Bildschirm ertragen.

Die Filterblase als Werbebanner

Zwischen Kommentaren und Berichten aus unserer selbst geschaffenen Filterblase zeigen uns Werbevideos und -anzeigen, weshalb unsere Existenz überhaupt noch Relevanz hat: Weil wir konsumieren können.
Aber der Clou dahinter: Es wird uns als kluge Entscheidung verkauft, wenn wir das Angebot annehmen, die beste Matratze zu kaufen, das fettigste Schnäppchen im Fast-Food-Lokal zu machen und unsere Zukunft in die richtige Bahn zu lenken, wenn wir per Null-Prozent-Finanzierung einen Neuwagen erwerben, den wir auf dem Weg zur Arbeit fahren, um ihn dort Tag für Tag, Jahr für Jahr mühsam abzustottern.

Aber wir können auch Freemium-Games erwerben und mit Panzern durch die Prärie rollen, oder ein eigenes Imperium errichten. Virtuelle Upgrades oder etwas Zeit, lassen sich mit Geld gewinnen. Wer beim virtuellen Dating einen Vorsprung haben möchte, kann als Premium-Mitglied einfach besser aussehen. Wer jedoch einfach nur Geld verschleudern will, hat eine große Auswahl an Wettanbietern.
Die Privatsender feiern sich für ihre Blockbuster, aber nicht, weil es cineastische Meisterwerke sind, sondern, weil der Werbekunde dafür Vielfaches löhnt, wenn er seine Spots zur Prime-Time senden darf. Die Sportsendungen gibt es nicht, um der Ertüchtigung willen, des Vorbildcharakters oder wegen der Unterhaltung. Nein, alles nur wegen der Produkt- und Markenplatzierung.

Die gezähmte und satte Beute

Letztlich fußt das System auf unserer Bereitschaft uns zu belügen, für clever zu halten, wenn wir uns irrational verhalten, noch einfacher: Auf unserer Dummheit.
Doch in den Nischen dieser reinsten kapitalistischen und narkotisierenden Sendeanstalten und ihren Redaktionen lebt auch noch die pure Wahrheit, der ehrliche Kapitalismus: Das Verkaufsfernsehen.

Hier werden wir darauf zurückgeworfen, was wir sind: Gezähmte, satte Beute für die Cash-Mafia, die nur einen Anruf entfernt Küchengeräte, Auslegeware, Schmuck und Fitnessgeräte feilbietet und nonstop anpreist. Sich die Wampe mittels Wärmegürtel auf der Couch wegmassieren lassen, die Strumpfhose, die alle Makel versteckt und Straffheit simuliert, der beinahe echte Diamantring und die praktischen Kochtöpfe, in denen nichts anbrennt, solange man sie nicht benutzt, sind Verführungswerk und Konsumterrorismus zu gleichen Teilen.

Mehr Spaß als der Konsument haben hierbei nur die Moderatoren und ihre Verkaufsexperten, die sich durch die Sendung kichern, fröhlich zwinkern und Erstaunen inszenieren, als wäre es der Tag der Schulaufführung und die eigenen Eltern im Publikum. Denn diese Leute würden zweifelsfrei Mutter und Vater verkaufen, wenn die Bezahlung stimmt und der Kreditrahmen gedeckt ist. Der Skrupellosigkeit bei der Menschwerdung zusehen, das ist Verkaufsfernsehen. Hierbei geht es um keine raffinierte Trickbetrügerei, noch nicht mal Schmeichelei. Es ist ordinäres Erteilen von Konsumbefehlen, Rohstoffverschwendung und Abfallentsorgung gleichermaßen.

Schnäppchen, Schrott und Schulden

Der Trick, dem Opfer einzureden, es sei der Gewinner, hat beim Schnäppchen-Jäger vorzüglich funktioniert. Er ist der Hase, der auch noch das Gewehr im Dreierpack kauft, um es dem wahren Jäger geputzt und geladen zu überreichen. Und vor dem Abdrücken auch noch über die Dummheit des Jägers stolz spottet.

Wenn das Panini-Album voll ist, das letzte Nutella-Brot gegessen und die Apfelringe verschlungen, bleibt nurmehr der Kuss als schale Erinnerung, dass wir uns kurzfristig diesen Luxus leisten konnten.
Jetzt ist alles voller Schnäppchen, Schrott und Schulden.

Existenz und Konsum sind nicht mehr zu trennen, teilweise sogar Identifikation unseres Daseins. So konsumieren wir auch bereitwillig Klima-Demos, den „übertrieben guten Urlaub“ oder die Nachrichten über eine möglicherweise bald kollabierende Kanzlerin.

Gegen die Hitzewelle helfen Schatten, Wasser und etwas Ruhe.

Gegen unsere schier zum Himmel schreiende Dummheit hilft nur die Aufklärung.
Die gibt’s aber weder günstig aus dem Hahn, noch mühelos per Online-Versand oder als Schnäppchen in der Maxi-Packung.
Sie kostet unsere Bequemlichkeit.

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Article by Fabian Schütz

Geboren in der Nähe von Augsburg, aufgewachsen ohne Verstand aber mit sehr lieben Eltern, hat traurige Berühmtheit als Klassenclown erlangt. Danach Buchhändler, dann Student des Journalismus und hat die Liebe zur Kunst entdeckt. Die Kunst des Blödsinns. Seitdem hat er beschlossen die Menschen um sich zum Lachen zu bringen. Er mag keinen Rosenkohl, Hitler und Katzen. Er glaubt das sei die Dreifaltigkeit aus der Hölle.