Februar: Klinsmann und Rechtsaußen

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IrRelevant – die Monatskritik

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Februar

Februar ist nun mal der Monat rechts vom Januar auf dem Jahresplaner. Das war vor allem den Thüringer Politikern klar. Dort, wo der rote Fuchs und der braune Hase sich gute Nacht sagen. CDU, FDP und AfD entscheiden sich spontan dazu zusammenzuarbeiten und hieven den Geschichtsnachhilfelehrer der FDP, Thomas Kemmerich, in den Posten des Ministerpräsidenten.

Große Verwirrung allenthalben. Warum der? Warum nicht der Hausmeister? Christian Lindner lässt seinen Podcast sausen und bricht in den Osten auf, um jegliche Verantwortung der FDP schnell abzuwenden. Regieren war nie Teil seines Konzeptes.

Angela Merkel annulliert die Wahl aus dem Ausland und erklärt nachträglich auch die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft zum Weltmeister. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Das Komplott geht auf. Kemmerich muss zurücktreten, die FDP ist der Buhmann, Annegret Kramp-Karrenbauer muss den CDU-Parteivorsitz niederlegen und Jürgen Klinsmann verlässt seinen Trainerposten bei der Hertha. Ein kurzes Beben in der Liga, dann widmet sich wieder alle Aufmerksamkeit der politischen Bühne und deren Magie:

Aus einem alten Filzhut tauchen plötzlich Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen auf. Die Geister der Vergangenheit spuken nun wieder in der bürgerlichen Mitte.

Jürgen Klinsmann fliegt währenddessen aus dem Berliner Aufsichtsrat seines Ex-Clubs und kritisiert den Verein scharf. Doch wieder scheitert Klinsi beim Buhlen um Aufmerksamkeit.

Ein Mann erschießt in Hanau mehrere Menschen, sich selbst und seine Mutter. Er hinterlässt Unverständnis, Trauer und ein Manifest für zukünftige Trittbrettfahrer oder E-Scooter-Rüpel. Darin erklärt er ähnlich wie Klinsmann bei Facebook – äußerst wirr – wie man sich einen eigenen Schießbefehl zusammenzimmert.

Dass bei der Hertha zuletzt einfach zu wenig geschossen wurde, erklärt die aktuelle Tabellensituation. Weitab vom Internationalen. In Hanau war es dem Täter einen Tick zu international, was er dringend ändern wollte. Das lag aber vor allem daran, dass er keine Frau hatte, die seinen hohen Ansprüchen – Kochen, Putzen und Fuckability – auch genügte und weil ihn seit Jahren die Geheimdienste manipulieren, was er zu denken habe, in dem sie ihn glauben ließen, er würde von ihnen manipuliert, damit ihm niemand glaube, dass er von den Geheimdiensten manipuliert würde, damit sie ihn weiterhin manipulieren können. Klar soweit?

Neben Frauen und Geheimdiensten darf ein völkisches oder wahlweise religiöses Motiv auf dem Weg zum Schießbefehl nicht fehlen. Dann braucht man nur noch Waffen, Google-Maps, um die nächste Synagoge, Shishabar oder FDP-Parteizentrale zu finden und lässt seinem Frust freien Lauf.

Will man nicht so lange planen, kann man auch mit seinem Auto in einen
Faschingsumzug brettern und hat ein bisschen Aufmerksamkeit, wenn bei Instagram die Likes ausbleiben.

Dann folgt Klinsmann die Dritte: Klinsis Tagebuch wird geleakt und darin lässt er kein gutes Haar an der Hertha, den Funktionären und den Spielern. Wieder nur ein kurzer Aufreger, denn dann taucht das Coronavirus in Deutschland auf und die Stunde von Gesundheitsminister Jens Spahn ist gekommen.

Erst macht er sich keine Sorgen, dann rät er dringend zur Vorsicht und schwört die Nation aufs Schlimmste ein. Krisenstab. Das Ergebnis: In U-Bahnen solle man dringend davon absehen die Haltestangen abzulecken, nach dem Klogang solle sich jeder die Hände waschen und man solle dringend alles kaufen, was in den Supermarktregalen stünde und dabei aufhören auf das Obst zu niesen. Dann sei man sicher. Also fast. Ansonsten hätte man gute Arbeit geleistet und alles voll im Griff nicht im Griff zu haben.

Der Februar als Faschingsmonat hat sich vor allem als eines verkleidet: Als Horrorszenario, als die apokalyptische selbsterfüllende Prophezeiung, auf die wir seit der Wirtschaftskrise hinarbeiten. Ein täuschend echtes Kostüm, bei dem die große Frage der Leitmedien die immergleiche bleibt: Wird die Wirtschaft wieder gesund? Ganz sicher. Solange sich die Aktienmärkte die Hände regelmäßig in Unschuld waschen. Don’t Panic heißt es bei „Per Anhalter durch die Galaxis“. Allerdings gibt es dort nach Kapital Eins auch keine Erde mehr.

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Die irrelavant-Monatskritik lief zuerst bei Radio max neo

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Article by Fabian Schütz

Geboren in der Nähe von Augsburg, aufgewachsen ohne Verstand aber mit sehr lieben Eltern, hat traurige Berühmtheit als Klassenclown erlangt. Danach Buchhändler, dann Student des Journalismus und hat die Liebe zur Kunst entdeckt. Die Kunst des Blödsinns. Seitdem hat er beschlossen die Menschen um sich zum Lachen zu bringen. Er mag keinen Rosenkohl, Hitler und Katzen. Er glaubt das sei die Dreifaltigkeit aus der Hölle.