Königin ohne Volk und Fraktion

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Die Eiskönigin aus der Uckermark

– Kein Märchen –

 

Wenn ein Schiff sinkt, dann verlässt es der Kapitän zuletzt. So gebietet es ihm die Ehre.

Wenn ein Königreich zerfällt, dann fällt auch der König. Tapfer kämpfend bis zum Schluss, immer an der vordersten Frontlinie, mit dem Feind Auge in Auge, um von seinem Volk Schaden abzuwenden. So will es die Legende. Manchmal rollt auch einfach nur sein Kopf. So will es die Geschichte.

Mit Angela Merkel verhält es sich anders. Sie kam, sah und…bleibt. Notfalls regiert sie dann auf dem Grund des Meeres oder in Trümmern neben dem Feind. Bei der Eiskönigin gelten eiserne Regeln.

Je näher sie jemandem kommt, desto schneller fällt er: Helmut Kohl, Edmund Stoiber und Karl-Theodeor zu Guttenberg. Je näher ihr jemand kam, desto eher fiel der: Karl-Theodor zu Guttenberg, Christian Wulff und jetzt: Volker Kauder. Der engste und vermutlich längste Vertraute der Kanzlerin.

 

Königin ohne Volk und Fraktion

Völlig überraschend ist er an der Fraktionsspitze der CDU abgewählt worden. Die Basis der Christdemokraten begehrt auf. Mamas Kinder kommen in die Pubertät. Gerade noch vor der Rente. Oder dem Heim.

Die Revolutionen gehen längst nicht mehr vom Volk aus, sondern von der Parteibasis.

Einfach und allein deshalb, weil sich das Volk nicht für „die da oben“ interessiert und „die da oben“ nicht für das Volk. Wenn sie sich mal herablassen und die kleinsten Gemeinsamkeiten mit dem Volk teilen – wie etwa eine Fahrt mit der Bahn – dann ist die CDU in Gestalt der doldigen Dorfprinzessin Dorothee Bär auch gleich empört. Dann wird mit Gewitter getwittert, wie es sein kann -trotz Reservierung – in einem überfüllten Bahnabteil ausharren zu müssen. Auf dem Boden.

Auf diesem dreckigen Boden kalter Tatsachen kann die Dirndl-Nixe Dorothee schlecht anerkennen, was Realpolitik bedeutet: Was PolitikerInnen tun, hat tatsächlich Auswirkungen auf diese Realität, die immer und jederzeit stattfindet.

Wenn die Flugtaxen einst kommen, dann sehe ich schon Andreas Scheuer – ebenfalls aus dem Stall der christlichen Union – in einer grundsoliden Erklärungsnot, weshalb die gesamte Flugtaxen-Flotte immer noch mit Diesel betrieben ist: „Leider eine alternativlose Treibstofflösung, da wir dank der Wipfel-Hippies in NRW immer noch keine Braunkohle fördern!“

 

Gegen-wart und pro Zukunft

Wir reden immer über die Gegenwart der Politik oder die Zukunft der Gesellschaft („Deutschland schafft sich ab“).

Zu selten über die Zukunft der Politiker. Die Form von Zukunft, die Helmut Schmidt und Helmut Kohl bereits erfolgreich gestalten.

In welchen Heimen siechen sie – einst aus der Mitte des Volkes entrückt – eines Tages dahin? Verkalkt, welk und die Bettpfannen voller als Rainer Brüderle.

Wohin verkriecht sich die Entourage unserer Eiskönigin, wenn die Tage gezählt sind?

Südamerika haben die Nazis bewohnt, das Schröder-Regime ist dorthin gegangen, wo einst Napoleon und Hitler scheiterten. Und was werden unsere heutigen hoh(l)en Damen und Herren als Domizil auswählen?

Werden sie es auch erreichen oder wird es nur eine eilige, aber misslungene Flucht, wie einst bei Ludwig XVI.?

 

Die Politik ist auf der Flucht: Vor der Wirklichkeit

An der Grenze erkannt, auf Händen in das Regierungsgebäude zurückgetragen und dort eingepfercht bis sie alle Diäten, Steuerverschwendungen und Doppelmoral an das Flaschenpfand sammelnde Volk zurückgezahlt haben. Der Demokratie-Plakette überdrüssig, leben wir lieber das alte humanistisch-griechische Modell: Nach der Regierungsepisode folgt die Verbannung. Diese Zukunft gefällt mir.

Aber sie bleibt utopisch, wenn wir nicht aufstehen und bloß vom Bahn-Boden twittern oder von Flug-Taxen fantasieren. Viel Wichtiger: Aufstehen, auch ohne Sahra Wagenknecht, und uns holen, was uns zusteht, und das als AbFraktionsprämie sehen: Unseren Verstand und unsere Herrschaft. Wir sind nämlich tatsächlich das Volk!

Aber: Den Verstand kann uns keiner aus der Obrigkeit einimpfen, den müssen wir uns schon selbst erarbeiten. Die Herrschaft aber, dass alle Gewalt vom Volke ausgehe, die haben wir schon. Blöd nur, wenn dann Chemnitz dabei rauskommt. Denn Herrschaft ohne Verstand ist letztlich nur die Diktatur der Dummen und integriert die Falschen wie den Türkei-Funktionär Erdogan oder die Despoten der UEFA.

„Wir halten es bei Pressekonferenzen im Kanzleramt wie der Deutsche Bundestag: keine Demonstrationen oder Kundgebungen politischer Anliegen“, soweit Steffen Seibert, der Regierungssprecher über den Rauswurf eines Journalisten bei der Pressekonferenz von Erdogan und Merkel am Freitag (28.09.18). Das lässt Interpretationsspielraum. Keine Kundgebung politischer Anliegen im Zentrum der Macht. Wenn dort keine Politik gemacht wird, dann müssen wir sie eben machen. Die fetten Jahre (H. Kohl) sind vorbei, der deutsche Herbst (H. Schmidt) auch. Jetzt kann der deutsche Winter kommen.

Guten Appetit“ am Staatsbankett! Wenn schon die Politik verdorben ist, sollte das Essen umso besser sein. Es ist nicht wie einst im kalten Krieg. Es ist diesmal eisig. Der Winter kommt, aber Merkel ist noch da.

Rülps.

Article by Fabian Schütz

Geboren in der Nähe von Augsburg, aufgewachsen ohne Verstand aber mit sehr lieben Eltern, hat traurige Berühmtheit als Klassenclown erlangt. Danach Buchhändler, dann Student des Journalismus und hat die Liebe zur Kunst entdeckt. Die Kunst des Blödsinns. Seitdem hat er beschlossen die Menschen um sich zum Lachen zu bringen. Er mag keinen Rosenkohl, Hitler und Katzen. Er glaubt das sei die Dreifaltigkeit aus der Hölle.