Ehe für alle – gewöhnt euch dran

Bodo Mende und Karl Kreile sind die Ersten. Sie sind das erste gleichgeschlechtliche Ehepaar in Deutschland. Gleich Sonntag Morgen haben die Beiden in Berlin geheiratet, denn seit dem 01.10. dürfen gleichgeschlechtliche Paare den Bund der Ehe eingehen.

Es war ein ewiges Hin und Her und am Ende ging es doch ganz schnell. Im Juni diesen Jahres hat der Bundestag die Ehe für alle beschlossen. Trotzdem sind manche noch dagegen die sitzen jetzt unter anderem im Bundestag. Man denke an eine Alice Weidel, die nur Ehe zwischen Mann und Frau erlauben und die Frau am liebsten an den Herd ketten würde. Aber wenn man genauer hinschaut, ergeben die Argumente der Gegner keinen Sinn.

Zunächst behaupten manche die Ehe für alle ermuntert zum Schwul- oder Lesbisch-Sein. Das ergibt genauso viel Sinn, wie das man größer werden würde, wenn man viel Zeit mit Menschen verbringt, die über zwei Meter groß sind. Die Sexualität ist keine Sache, die man sich bewusst heraussucht. Man wird so geboren und kann einem weder an-, noch abtrainiert werden. Wer glaubt das ginge, sollte sich mal überlegen, ob man ihm denn abtrainieren kann, dass er oder sie Männern oder Frauen auf den Hintern starrt.

Manche behaupten homosexuell zu sein, sei unnatürlich. Der Mensch hat ja bekanntlich die Tendenz, unnatürliches abzulehnen. Wie Las Vegas, Klimaanlagen, Schönheits-OPs oder Brillen. Alles im Grunde irgendwie unnatürlich und trotzdem in der Gesellschaft akzeptiert. Warum? Weil wir uns daran gewöhnt haben. Aber das Interessante ist: Homosexualität ist kein Phänomen der Neuzeit. Menschen waren schon früher demselben Geschlecht zugetan, man sprach in bestimmten Kulturen nur nicht darüber. In einer Zeit in der viel diskutiert wird und man Toleranz als eines der wichtigsten Güter hochhält, gehört es dazu, Homosexualität zu tolerieren. Es ist nachvollziehbar, wenn Gegner damit aufgewachsen sind, dass Homosexualität eklig sei und dann dementsprechend handeln. Aber man kann an sich selber arbeiten und sich daran gewöhnen. Die eigene Erziehung ist keine Entschuldigung, man hat ja einen eigenen Kopf.

Die CSU-Bundestagabgeordnete Anja Weisgerber und andere Unionspolitiker sprechen sich gegen die Ehe für alle aus, weil daraus keine Kinder entstehen können. Die Ehe wird damit nur auf die Kinder-Produktion reduziert. Im seltensten Fall, sieht man einen Mann auf die Knie gehen und sagen: „Lass uns heiraten, damit wir Deutschland mit arbeitswilligen Kindern beschenken können.“ So kitschig, wie es eben klingt: Die Meisten heiraten aus Liebe. Und das können Homosexuelle eben auch.

Es gibt aber auch Homosexuelle, die sagen, dass es die Ehe für alle nicht gebraucht hätte, weil sie nicht heiraten wollen. Aber nur weil ich etwas nicht will, darf ich es anderen nicht vorenthalten. Eine eingetragene Lebenspartnerschaft hat nicht den gleichen Stellenwert, wie eine Ehe und es geht einfach nur darum, dass Homosexuelle die gleichen Möglichkeiten haben wie Hetero-Paare. Es gibt genug Hetero-Paare, die auch nicht heiraten wollen, aber es eben könnten. Und da ein Homo-Paar dasselbe verbindet wie das Hetero-Paar, sollten sie die gleichen Rechte haben. Denn im Grunde ist es einfach nur Liebe.

Der typische Standartsatz lautet ja auch: „So lange die das außerhalb meiner Sicht machen, aber muss das so öffentlich sein?“ Tausend Mal gesagt, tausend Mal genauso wenig Sinn dahinter. Inwiefern beeinflusst denn ein Homo-Paar, das geheiratet hat, mein Leben als Hetero? Außer, dass ich vielleicht zu einer Hochzeit mehr eingeladen werde, betrifft mich das wenig. Und wenn Hetero-Paare sich die Zunge öffentlich in den Hals stecken können, ist das genauso nervig.

Keine religiöse Schrift spricht sich für die gleichgeschlechtliche Liebe aus. Das ist richtig, aber in denselben Büchern, steht, dass man keine Kleidung aus verschiedenen Stoffen tragen darf (Bibel, Levitikus 19:19) oder Frauen sich weder schminken, noch kostbare Kleidung tragen dürfen (Bibel, 1 Petrus 3:3, 1 Timotheus 2:9). Dazu kommen gefühlt 10 000 Gründe, Menschen zu töten, wenn sie sich nicht an die Norm halten. All das zeigt vor allem eines: Die Gesellschaft entspricht nicht mehr der, die in diesen Büchern beschrieben wird. Sie sind veraltet und haben nichts mehr mit der Realität zu tun. Heute können und sollten Frauen sich schminken dürfen, und Homosexuelle sollten sich so ausleben dürfen, wie sie wollen.

Die Ehe zwischen Mann und Frau soll ein heiliges und mit Tradition behaftetes Gut sein und die Homo-Ehe nehme der klassischen Ehe die Bedeutung. Natürlich beeinflusst die Homo-Ehe, die Heiligkeit der 55-Stunden-Ehe von Britney Spears, die wäre ja dann total dahin.
Es gibt Patch-Work-Familien, kinderlose Ehen, Paare, die ewig lange zusammen sind und doch nicht heiraten wollen, Alleinerziehende, usw. Man kann nicht mehr von dem „einen Familienbild“ sprechen. Und es lieben eben manche das gleiche Geschlecht. Diese Menschen gehören zu unserer Gesellschaft und wenn diese Menschen heiraten dürfen, ändert dies nichts an der Bedeutung der Ehe. Die Ehe steht im Grunde dafür, dass sich zwei Menschen lieben und sich dazu entschließen ihr Leben miteinander verbringen zu wollen. Ob man dann hetero ist oder nicht, spielt damit keine Rolle.

Article by Sarah Walz

Studiert Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach. Arbeitet als Freie Mitarbeiterin beim Schwarzwälder Boten und Autorin beim Zollern-Alb-Kurier. War Praktikantin beim Radiosender afk max und moderiert eigene Sendungen. Ebenso Praktikantin beim Medienzentrum Parabol. Dazu Redakteurin beim Campusradio Ansbach. Derzeit Praktikantin bei Pro Sieben Galileo. Interessiert an Fotografie und Filmen, sowie Literatur und Tanz.