Kommentar: Warum sich Martin Schulz und die SPD schwer tun

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Gestern Nachmittag, hat Martin Schulz eine Rede in Nürnberg, auf dem Jakobsplatz gehalten. Und eines muss man dem Mann lassen: Er brilliert durch Rhetorik und Sprache. Man glaubt ihm, was er da sagt. Er siezt die Menge vor ihm nicht, sondern spricht von „Euch“ und „Ihr wollt das doch auch nicht“. Schulz erzählt auch aus seinem Leben und präsentiert sich als Mann des Volkes. Macht sich auch lustig, über Klatschblätter und was die über ihn schreiben.

 

Schulz wirft während seiner Rede nicht um sich mit Wörtern, die zwar gut klingen, aber im Endeffekt keiner versteht. Er steht da, vor diesen Menschen verschiedenen Alters und erklärt die 2%-Klausel der NATO, sodass man sie versteht.

 

Im Gegensatz zu Populisten und anderen Hetzern, verliert er kein Wort über die Geflüchtetenfrage. Schulz setzt auf SPD-Themen: Bildungsgerechtigkeit, sichere Renten und Jobsicherheit. Eben das, was einen Wähler eigentlich grundsätzlich zu interessieren hätte. Denkt man einfach mal ganz egoistisch, sind meine Fragen an die Politik doch eher: Wie kann ich in Zukunft leben? Muss ich Angst haben, um meine Existenz, auch wenn ich Kinder habe? Wie sieht es aus, mit meiner Rente? Natürlich spielen globale Themen auch eine Rolle, aber womit Martin Schulz eigentlich überzeugen könnte, sind seine Inhalte: Frauen und Männer gleich bezahlen. Jobs sichern, damit man sich nicht mehr von einem Praktikum zu einem befristeten Arbeitsvertrag hangeln muss. Rente und Pflege im sichern, Geld in die Bildung stecken und den Breitbandausbau fördern.

 

Rhetorisch ist sein Auftritt genial. Sowieso ist seine Rede extrem überzeugend: Schulz erklärt das Problem, das er sieht, an Beispielen und brüllt einem seine Lösung entgegen. Banal, aber effektiv.

 

Am Ende einer Schulz Rede, steht man da und man weiß was der Mann will. Egal, ob man das gut oder schlecht findet, was er von sich gibt. Anders, als bei Merkel, die sich weg duckt und kein genaues Statement geben will, aus dem lapidaren Grund, dass sie auf nichts festgenagelt werden will. Wenn man sich auf nichts festlegt, ist es auch nur halb so schlimm, wenn man einen Zickzack-Kurs fährt. Zumindest nach ihrer Logik.

Trotz der guten Inhalte und der Rhetorik eines Martin Schulz, sieht es schlecht aus für die SPD. Das hat mehrere Gründe.

Martin Schulz wurde maßlos überhypet. Der Gottkanzler war am Ende des Tages auch nur ein Mensch und die Leute sind von seiner Menschlichkeit enttäuscht. Man hat Übermenschliches erwartet.

Ein weiterer Grund: Die Große Koalition. Für die Große Koalition musste die SPD Kompromisse eingehen. Dazu kommt, dass die CDU immer noch die Kanzlerin gestellt hat. Die Gesetze, die durchgesetzt wurden, werden Angela Merkel zugesprochen. Auch ist es schwierig für die SPD, sich von der CDU zu entfernen. Man verliert an Glaubhaftigkeit, wenn man im Wahlkampf schlecht redet, woran man selbst beteiligt war. Das hat man auch im TV-Duell zwischen Merkel und Schulz gesehen: Das war ein Kuschelkurs. Erst nach 85 Minuten kam die Diskussion überhaupt erst einmal in Gang. Beide Kandidaten waren nicht wirklich aggressiv und die Themen ließen das kaum zu.

Ein großer Grund, ist wohl die Agenda 2010. Die Bevölkerung verzeiht sie der SPD nicht so einfach. Gegen Arbeitslosigkeit wirkt Leiharbeit nicht. Parteien werden immer mit ihrer Vergangenheit verknüpft und die SPD steht immer noch für die Agenda 2010. Obwohl auch schon wieder dagegen vorgegangen wurde, in Teilen zumindest, ist und bleibt das einer der Punkte, die man nicht verzeiht.

Eine Mitschuld, tragen leider die Medien, die das Thema Sicherheit so unfassbar aufgebauscht haben. Überall geht es nur noch um Terroranschläge, den Untergang des Abendlandes und Geflüchtete, die angeblich den Terror in unser Land bringen würden. Es ist leider Tatsache, dass es Terroranschläge gibt. Und das Menschen aus ihrem Land flüchten müssen. Aber, es gibt absolut keinen Grund, das Thema so breitzutreten. Die Bevölkerung hat somit Angst und ihre Zukunftsbedenken werden auf eine schwächere Gruppe umgelenkt. Dass es in der Geflüchtetenfrage Probleme gibt, ist nicht zu verleugnen. Aber das Thema lenkt die Leute ab von anderen Problemen, die sie viel mehr betreffen. Warum, wird in dem einzigen TV-Duell, fast nur über innere Sicherheit gesprochen? Es ist vergleichbar mit den USA: Die Medien schüren Angst vor einem Feind. Die Leute wählen konservativ, weil sie sich Stabilität erhoffen. Oder noch schlimmer: Sie wählen AfD, weil sie glauben, die könnten unsere Werte schützen, weil unsere Werte ja auch angeblich in Gefahr sind.

Alles in allem: Martin Schulz und die SPD haben gute Inhalte, doch es wird wahrscheinlich nicht zum Sieg reichen. Der Fokus der Bürger liegt nämlich woanders. Wenn die SPD wirklich Verantwortung übernehmen will, geht sie in die Opposition. Nicht nur, um an Glaubhaftigkeit zu gewinnen. Sondern auch, um der AfD die Oppositionsführung nicht zu überlassen.

Article by Sarah Walz

Studiert Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach. Arbeitet als Freie Mitarbeiterin beim Schwarzwälder Boten und Autorin beim Zollern-Alb-Kurier. War Praktikantin beim Radiosender afk max und moderiert eigene Sendungen. Ebenso Praktikantin beim Medienzentrum Parabol. Dazu Redakteurin beim Campusradio Ansbach. Derzeit Praktikantin bei Pro Sieben Galileo. Interessiert an Fotografie und Filmen, sowie Literatur und Tanz.