Das Land der Alternativlosen

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Deutschland steuert auf den Abgrund zu. Es gärt, die Wut wächst und der Spaß hat längst abgedankt. Denn sie sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Sie tarnen ihre Aktivitäten geschickt, verschieben Gelder und schlüpfen durch Gesetzeslücken. Viel zu lange haben wir es nicht wahrhaben wollen. Und deshalb müssen auch wir uns die Frage nach der Mitschuld stellen. Wieviel haben wir dazu beigetragen, dass es soweit kommen konnte? Wir haben weggeschaut und teilweise bereitwillig mitgemacht. Ob am Arbeitsplatz, in den Medien oder bei der freizeitlichen Selbstoptimierung.

Wir haben es zugelassen, dass eine Hexe aus dem Osten im Westen länger regiert, als das dritte Reich dauerte. Wir haben weggesehen, als der Blechmann das Innenministerium eroberte und die Vogelscheuche unseren Verkehr regelte. Der feige Löwe hat stillschweigend mitregiert und sich alles gefallen lassen, auch wenn er am Schwanz gezogen oder ihm die Mähne zerzaust wurde. Anstatt Banken auszurauben, haben wir uns von den Banken um unser Geld bringen lassen. Wir sind stolz auf das drittbeste Abitur seit 2011 und beklagen gleichzeitig die geringe studentische Eignung für die Universität unserer Absolventen. Eine Gesellschaft, tief gespalten und verunsichert.

Täter und Opfer

Das Netzwerk hat sich derweil weiterentwickelt, sich besser organisiert und sich in unser aller Leben geschlichen. Wir sind alle Täter und Opfer zu gleichen Teilen. Undurchschaubar liegt das Netz vor uns und wir sind in ihm gefangen. Eingelullt und verdummt von Phrasen, dass wir in einer freiheitlichen Demokratie und einer sozialen Marktwirtschaft leben und die Frauen-Fußball-WM wirklich gut läuft.

Politik und Wirtschaft haben das spinnengleiche Netz ausgelegt und wir sind darin gefangen, verheddert und werden ausgesaugt, bis nurmehr unsere leeren Hüllen übrig bleiben. Doch das Blatt hat sich gewendet. Jetzt laufen die Wetten bei den Buchmachern, wer als Nächster von ihnen über den Jordan hopst, die sonst andere hopsen lassen. Die Staatsmacht gegen Drohmails, Farbbeutel und Scherzanrufe. Es gibt kein Halten mehr in einer zunehmend verrohenden Gesellschaft.

Einzeltäter oder Netzwerk

Saß der Nazi früher noch dumpf vor seiner braunen Tapete und übte tagein tagaus den Hitlergruß, sieht er jetzt seine Zeit gekommen. Sieht sich erstarkt und bestärkt. „Ich bin wieder da“, ist von der Leinwand in die Wirklichkeit gekehrt. Direkt in unsere Köpfe. So sagt es uns jedenfalls die Meinungssingularität der führenden Medien. Sucht Täter und Mittäter, Schuldige und Säue, die Sendezeit füllen könnten, aber blickt nie auch nur kurz in den Spiegel.

Sind die Aufwärmübungen der NSU an Dönermännern und Kopftuchfrauen vorerst gescheitert, die Aufklärung torpediert und die Spuren in die höchsten Ebenen verwischt worden, so macht sich jetzt Panik breit, wenn es Opfer in den eigenen Reihen fordert. Geistig verwirrter Einzeltäter oder ein ganzes Netzwerk, bleibt letztlich egal. Eine Antwort darauf würde wohl weniger die Bevölkerung verunsichern (Thomas de Maizière), sondern womöglich die Großkopferten, die Unantastbaren, die jetzt panisch am rechten Rand fischen, während sie sich schwer tun rechts, rechtsextrem und nationalsozialistisch zu unterscheiden.

Da muss dann der ehemalige Bundespräsident etwas vorGAUCKeln und den Erklärbär mimen. Um die Gunst der so lange Ungehörten und Unverstandenen buhlen, um sie zurückzuführen in die Arme der einst großen Volksparteien. Den Nazis keinen Fingerbreit, aber dem widerlichen Anbiedern aus den Reihen von CDU/CSU nur Verachtung entgegenzubringen, ist dann wirklich nationale Bürgerpflicht. Antifa und Konsorten, die jetzt eifrig zum Angriff ins Horn stoßen, sind da keinen Deut besser. Wer sich rühmt, politische Gegner zu attackieren, verwüstet und Chaos stiftet, ist das was Charles Bukowski an den Beatniks so hasste, weil sie nur Häuser einreißen können, aber noch nicht mal ein paar Steine aufeinanderschichten – soweit sinngemäß.

Selbstkritik im 5G-Land

Vielleicht muss sich eine Demokratie auch die Frage gefallen lassen, wie demokratisch sie noch ist, wenn alle Parteien gemeinsam mit viel Mühe einen AfD-Bürgermeister in Görlitz verhindern und das als Erfolg feiern? Es ist ein kurzfristiger.

Doch Zeit für Kritik, gar Selbstkritik, ist in Zeiten von 5G-Netzen rar gesät. Der schnelle Erfolg macht den Aktionär glücklich, der schnelle Fick hat Tinder berühmt gemacht und der schnelle, blinde Aktionismus soll ein ganzes Volk ruhigstellen:

Das Klimaproblem lösen E-Scooter, die Migrationsfragen beantwortet ein beiläufig geschnürtes Migrationspaket und anstatt einer PKW-Maut gibt es eben Motorradführerscheine to go.

Das Land der Alternativlosen

Jetzt steht die Regierung jedoch vor einer ganz anderen Herausforderung: Die Stigmatisierung zu verhindern, nur weil sie sich selbst an den rechten Rand gedrängt fühlt, andere nicht dorthin zu stempeln. Es gibt zwischen rechts und links, zwischen pro und contra, Allah und Jesus noch jede Menge Alternativen. Das Land der Alternativlosen war auch mal ein Land der Dichter und Denker. Nur scheinen die im Netzwerk aus kapitalistischer Raffgier und dem Machterhaltungstrieb der Berufspolitiker nicht mehr gewünscht.

Eine intellektuelle Mail, die dialektisch erörtert, dass sich dringend etwas ändern muss, wäre ein Anfang. Denn der ins Rollen gebrachte Stein ist nicht mehr aufzuhalten, wenn wir die Gesellschaft immer nur durch ein Auge betrachten. Aber auch sie kann in ihrem tiefsten Wesen nur eine Drohmail sein. Denn bedroht sind wir gerade alle davon, dass unsere Gesellschaft in ihren tiefsten Grundfesten erschüttert ist. Und das nicht erst seit der Ermordung von Walter Lübcke.

Article by Fabian Schütz

Geboren in der Nähe von Augsburg, aufgewachsen ohne Verstand aber mit sehr lieben Eltern, hat traurige Berühmtheit als Klassenclown erlangt. Danach Buchhändler, dann Student des Journalismus und hat die Liebe zur Kunst entdeckt. Die Kunst des Blödsinns. Seitdem hat er beschlossen die Menschen um sich zum Lachen zu bringen. Er mag keinen Rosenkohl, Hitler und Katzen. Er glaubt das sei die Dreifaltigkeit aus der Hölle.