Lehrermangel: Ein Problem mit Zukunft (Jung, politisch, machtlos)

Unterrichtsausfall und große Klassen: Zwei Symptome, die ein Lehrermangel mit sich bringt. In deutschen Schulen fehlen Lehrer und daran wird sich auch in Zukunft wenig ändern, wenn wir nicht umdenken.

Was fällt mir ein, wenn ich an die Schulzeit zurück denke? Ein prägnantes Bild war der Umstieg von ausgedruckten Vertretungsplänen hin zu großen Flachbildfernsehern, die an verschiedenen Stellen hingen. Ein Schritt in eine digitale Zukunft – auch in der Schule.

Das hat die Enttäuschung aber nicht kleiner gemacht, wenn der Vertretungsplan angezeigt hat, dass die ersten beiden Unterrichtsstunden entfallen. Denn digital gab es diesen Vertretungsplan nur in der Schule und nicht als App. Gekommen ist man also trotzdem. Und dann eben wieder gegangen.

Dass es mit der Bildung in Deutschland nicht so rund läuft zeigt nicht nur dieses Beispiel. Denn die zentralen Probleme sind geblieben: Fehlendes Personal und fehlendes Engagement bei der Digitalisierung.

Kultusminister prognostizieren Lehrermangel

In der vergangenen Woche hat sich die Kultusministerkonferenz zum Lehrerbedarf in den kommenden Jahren geäußert. Demnach sei bis 2030 mit einem durchschnittlichen Einstellungsbedarf von etwa 32.000 Lehren jährlich zu rechnen. Die notwendigen Bewerber fehlen aber und so werden viele Stellen unbesetzt bleiben.

Am wenigsten von dieser Entwicklung sollen die Gymnasien betroffen sein. Kein Wunder,  die Lehrer werden hier auch am besten bezahlt. Im Gegensatz zu Grundschullehrern, die für den gesamten Bildungsweg eines Kindes aber nicht weniger wichtig sind.

Ein klares Umdenken

In Deutschland gibt es nun mal kaum Bodenschätze – unsere gesamte Zukunft baut darauf, dass es qualifizierte Menschen gibt. Fachkräfte, die den Wirtschaftsstandort Deutschland weiterhin oben halten.

Dazu gehört es auch, alles dafür zu tun, das Szenario Lehrermangel bis zum Jahr 2030 auszumerzen. Der einfachste Weg wäre zweifelsfrei mehr Studienplätze anzubieten und eine hohe Einstellungsquote in Aussicht zu stellen.

Zeitgleich muss endlich für mehr Medienkompetenz an deutschen Schulen gesorgt werden. Es ist eine ganze Generation in Deutschland aufgewachsen, die sich selbst um Medienkompetenz kümmern musste. Lehrer, die selbst mit dem Umstieg von Overhead-Projektoren auf Beamer schon überfordert waren, können natürlich keine Instanz für Medienkompetenz sein.

Aber statt entsprechendes Fachpersonal zu konsultieren und den Schülern den richtigen Umgang zu vermitteln, hat man sich entschieden, Handys und Smartphones in deutschen Schulen einfach zu verbieten. Bravo. So löst man Probleme. So ein Fehler, wie das Handyverbot, darf sich im deutschen Bildungssystem nie mehr wiederholen.

110 Prozent Abdeckung

Der Lehrermangel ist ein Problem dem man entgegenwirken kann. Mit genug Geld in der Hand kann man mobile Reserven so aufstocken, dass es keinen Unterrichtsausfall mehr gibt. Das Geld wäre, den sprudelnden Steuereinnahmen sei dank, eigentlich da.

Diese Reserve-Lehrer, könnten kurzfristig als Vertretungslehrer eingesetzt werden, müssten sich in ihrer unterrichtsfreien Zeit aber nicht langweilen. Im Gegenteil: In unserem gegenwärtigen System, das aus dem Nachhilfeunterricht einen ganzen Wirtschaftszweig geschaffen hat, wären mehr Lehrer, die Schülern bei den Hausaufgaben helfen eine willkommene Abwechslung. Mehr Personal bedeutet weniger Unterrichtsausfall.

Eigentlich ist es am Ende doch ganz einfach: Mehr Lehrer braucht das Land.

Avatar

Article by Lukas Rumpler

Ich studiere Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt auf Politik und Wirtschaft.