Liebe PETA, zu Weihnachten wünsche ich mir nur Ruhe vor dir

Die Tierschutzorganisation PETA schlägt auf ihrem Blog vor, was man seinen fleischessenden Freunden zu Weihnachten schenken soll, damit sie aufhören, Fleisch zu essen. Unter anderem macht PETA Werbung für Kochbücher, Dokus, oder PETA-Shirts. Die Aktion soll informieren, setzt in Wahrheit aber auf ein schlechtes Gewissen. Darauf hab ich keinen Bock, denn ich bin nicht schuld an Tierquälerei.

Ich komme aus einer kleinen fränkischen Arbeiterstadt und studiere in einer noch kleineren. Diesen Sommer habe ich drei Wochen vegetarisch gelebt, einfach, um es auszuprobieren. In einer bayerischen Kleinstadt mit begrenztem Angebot gar nicht mal so einfach. Ich hatte am Ende des Experiments aber ein gesünderes Verhältnis zu Fleisch und würde es nächstes Semester gerne wiederholen.

Denn mir ist nun bewusster, wo mein Fleisch eigentlich herkommt und ich esse auch weniger. Es schadet mir nicht, auch mal was Grünes zu essen. Komplett auf Fleisch möchte ich aber nicht verzichten, da ich ein blutiges Steak, einen saftigen Burger oder simple Würstchen einfach genieße.

Fleischessen ist okay.

Das ist auch kein Problem, sagen mir Vegetarier oder Veganer. Mit den meisten unterhalte ich mich respektvoll über Fleischkonsum und bekomme den selben Respekt zurück, aber auch nicht immer. Und ja, auch Fleischesser benehmen sich manchmal gegenüber Vegetariern oder Veganern uncool. Aber in der Regel gilt: Ich mische mich nicht in ihr Leben ein und sie nicht in meins.

Dann gibt es aber bestimmte Organisationen und ihre Anhänger. So wie PETA. Die Tierschutzorganisation erinnert regelmäßig an das Leid von Tieren. Das ist richtig und wichtig. Doch PETA sucht die Schuld lieber beim normalen Bürger, als am System.

It’s the circle of life, oder so…

Natürlich ist Fleischkonsum problematisch. Für die Produktion wird viel Wasser und Land für Getreide verbraucht. Hinzu kommen Treibhausgase – nicht nur Kuhfürze – und natürlich die Frage, ob man es ethisch vertreten kann, dass für das Abendessen ein Tier umgebracht wird.

Denn man sollte auch als Fleischesser Tatsachen benennen: Ein Tier wird umgebracht. Jedoch ist es auch legitim zu sagen, dass ein Tierleben kein Menschenleben ist. Oder, dass Nutztiere gar kein Leben hätten, würden wir kein Fleisch essen.

Das führt zur Frage, wo man sein Fleisch kauft. Beim Billig-Discounter, für den die Tiere garantiert eingepfercht und im Dunkeln leben, oder beim regionalen Metzger, der hoffentlich garantieren kann, dass die Kuh glücklich und frei gelebt hat.

Das Problem: Letzteres können sich nur Reiche aka die obere Mittelschicht leisten. Niemals würde ich als Student auf die Idee kommen, zum Metzger zu gehen. So geht es allen Geringverdienern. Hier zeigt sich der große Denkfehler, den PETA und Co. machen: Zwar engagieren sie sich hier und da mal gegen Unternehmen, was auch richtig ist. Ihr Fokus liegt aber darauf, jedem Fleisch- und Käseesser ein schlechtes Gewissen zu machen.

Der Gedanke ist auch nachvollziehbar, schließlich steuert der Verbraucher den Markt mit seinem Kaufverhalten. Angebot und Nachfrage. Doch PETA möchte, dass wir uns gegenseitig mit PETA-Merch nerven. Dass wir gegenseitig mit dem Finger auf uns zeigen und lieber Früchte als Fleisch essen. PETA tut so, als wäre sie keine Lobby.

Sollen sie doch Äpfel essen!

Manchmal wollen mir Veganer erklären, dass man statt Fleisch einfach einen Haufen Obst und Gemüse essen kann. Schließlich sei das ökologisch und dafür würden keine Tiere ausgebeutet. Das können sie natürlich machen. Dabei vergessen sie aber, dass dafür Menschen ausgebeutet werden. Nicht nur in Südamerika oder Asien, sondern direkt vor unserer Haustüre.

Geflüchtete werden schon seit Jahrzehnten in Portugal oder Spanien versklavt, um zum Beispiel Orangen anzubauen. Dafür bekommen sie wenige Euro, hausen unter Wellblech-Dächern und haben keine Rechte (Deutsche Welle). Man kann auch teure Orangen kaufen, aber dann steht man vor dem selben Problem, wie mit dem teuren Fleisch. Oder man verzichtet ganz, dann darf man aber nur Sachen essen, die vom Baum fallen.

Was ist die Lösung?

Jeder Mensch sollte am Ende selbst entscheiden, ob ihm die Rechte von Tieren oder von Menschen wichtiger sind und ob er sich den “besseren” Lebensstil leisten kann. Wer es sich leisten kann, soll Unternehmen gerne mit seinem Kaufverhalten bestrafen und lokale Bauern belohnen. Wer kein Fleisch essen will, soll es auch nicht tun. Wer will, kann sich auch gerne bei PETA engagieren.

Effektiver als Mitmenschen anzugreifen ist aber, direkt die Politik anzugreifen. Sie kann mit Leichtigkeit richtige Tierschutzgesetze und ihre Einhaltung durchsetzen. Gesetze, die über unsere aktuellen, viel zu laschen Gesetze hinausgehen und deren Einhaltung auch kontrolliert wird. Nur will die Politik, mit Ausnahme der Grünen vielleicht, das momentan nicht, weil der Druck die Falschen trifft. Er trifft nicht die Lobbyisten der Lebensmittelindustrie, die die Gehälter von Bundestagsabgeordneten aufstocken. Er trifft Normalbürger.

Die Politik lässt sich aber auch durch uns steuern. Ob ganz klassisch durch Mitarbeit in Parteien, oder durch Aktivismus. Das können auch schon Demos sein, die nicht nur einen Missstand anprangern, sondern wie die Gelbwesten in Frankreich, das ganze System in Frage stellen. Oder die Wahl von Parteien, die sich gegen Lobbyismus einsetzen. So können wir das Wirtschaftssystem verändern, nicht mit Anfeindungen durch PETA.

 

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Article by Baha Kirlidokme