März: Corona

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IrRelevant – die Monatskritik

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Der Volksmund weiß es. Alles neu macht der Mai, der April macht, was er will und der März? Ja, der war ein schlechter Scherz.

Wie aus einem schlechten Endzeitfilm sehen die Straßen aus: Menschenleer. In New York kehren sogar die Ratten an die Oberfläche zurück. Die Menschheit vegetiert in ihren Wohnungen. Bald vielleicht sogar in der Kanalisation. Dort herrscht zwar ein raues Klima, aber für eine Packung Toilettenpapier wird man nicht angehustet oder gar bespuckt. Es schwimmt allenthalben gratis zwischen den Ausscheidungen einer Gesellschaft, die sich um Kontrolle bemüht, aber sich scheinbar – nach dem Toilettenpapierkonsum der letzten Wochen zu vermuten – viertelstündlich vor Angst in die Hosen scheißt.

Das finstere Mittelalter grüßt bereits, als wir uns mit Blättern den Podex abwischten, die Pest durch die Straßen zog und Horden brandschatzender Söldner das letzte bisschen Wohlstand an sich rissen. Aber: Die Dirnen- und Wirtshäuser hatten dennoch geöffnet. Wein, Weib und Gesang waren die Elektrizität, die eine düstere Epoche erhellte.

Doch die Tauben hungern bereits in den Städten, die Vögel sammeln sich a la Hitchcock bereits in den Hinterhöfen, lungern herum, belagern bald Balkone und holen sich ihren Lebensraum Stück für Stück zurück.

Während sich die Umwelt langsam erholt, kehren auch Sümpfe und Wälder wieder zurück, von der A1 bis zur A9 sprengen Wurzelwerk die Fahrbahnen, während wir mit Nudeln und Mehl bewaffnet stumme Zuschauer bleiben, Zeugen unserer zukünftigen Vergangenheit. Nur die Grünen werden hin und wieder gegen 19 Uhr applaudieren bevor die Kletterpflanzen an den Häusern ihre Schlingen zuziehen. 

Also heißt es: Weitermachen oder aufgeben? Der März stellt uns auf die Probe. Von Solidarität ist die Rede. Die Menschen klatschen den Beschäftigten eines maroden Gesundheitssystems dumpf Applaus. Unbemerkt ist Markus Söder der neue Kanzler der Bundesrepublik und mit seinem Freistaat Bayern dem Bund immer zwei Tage voraus. Das hatte den Grünen und der SPD sauer aufgestoßen. Die wollen lieber über die Dauer eines Parkbankaufenthalts philosophieren, anstatt Klartext zu sprechen. Angela Merkel hat sich längst in Quarantäne abgesetzt. Quarantäne, das Südamerika der Moderne.

Denn in Südamerika selbst tobt längst der Ausnahmezustand, ein Präsident Brasiliens, der Witzchen macht und seinen infizierten Regierungskumpan noch in die USA schickte. Dort stritt auch Donald Trump unerschütterlich alles ab. Wer den Terrorismus besiegt hat, die Mexikaner in Schach hält und einst die Nazis bezwungen hat, ja, so eine Nation fürchtet doch kein Virus.

Ein texanischer Vizegouverneur nimmt sich lieber an der Antike ein Beispiel. Will die Alten, Kranken und Schwachen als Opfer darbringen, religiös wie der Staat Texas nun mal ist. Und bewaffnet. Bis an die Zähne. Nur nicht mit gesundem Menschenverstand. Der beginnt erst oberhalb des Kiefers.

Doch dem Virus ist das egal. Wir wissen über ihn selbst wenig. Wählt er die AfD, ist er gar Kommunist und will den kapitalistischen Markt unterwandern oder eine Erfindung der Lügenpresse, damit alle daheim bleiben und sich Promis in irgendwelchen Trash-Lagern anschauen? Weltfremd eiern die bei Sat1 herum, die Realität ignorierend verteilt Heidi Klum auf Pro7 weiter Bildchen, die man inzwischen bei pornhub gratis bekommt und in den Talkshows wird munter weiter lamentiert, anstatt endlich zum Schutze aller den Mund zuzumachen und einfach mal für die nächsten drei Wochen die Klappe zu halten. Dann wäre die Ausgangssperre echt erträglich.

Die große Angst die nun umgeht: Rezession. Da sind sich die Wirtschaftsweisen einig. Sie wird gewaltig. Vor allem, wer kaum was hatte wird am Ende nichts mehr haben. Corona ist nur Teil Eins der Trilogie. Teil Zwei wird ein Wirtschaftsabschwung, der an den Börsen beginnt, aber während die sich wieder erholen, den kleinen Buchladen an der Ecke oder das heimelige Café im Block vernichtet hat. Das Virus ist also zumindest eines nicht: Auf der Seite der Habenichtse und redlich Bemühten.

Teil Drei – und der wird spannend – Teil Drei der Trilogie wird die Revolution sein. Doch von wem und wohin sie führt, darüber können wir nur – wie manch skrupelloser Trader an der Börse – spekulieren.

Die Ratten haben die Kanalisation bereits verlassen, wann sie das sinkende Schiff verlassen, wird der entscheidende Moment sein. Und dann ist einer wirklich gefragt: Markus Söder. Ist er wirklich der Kapitän, der er gerade vorgibt zu sein oder ist er doch zu Laschet? So endet der März. Mit einem schlechten Scherz.

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Die irrelavant-Monatskritik lief zuerst bei Radio max neo



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Article by Fabian Schütz

Geboren in der Nähe von Augsburg, aufgewachsen ohne Verstand aber mit sehr lieben Eltern, hat traurige Berühmtheit als Klassenclown erlangt. Danach Buchhändler, dann Student des Journalismus und hat die Liebe zur Kunst entdeckt. Die Kunst des Blödsinns. Seitdem hat er beschlossen die Menschen um sich zum Lachen zu bringen. Er mag keinen Rosenkohl, Hitler und Katzen. Er glaubt das sei die Dreifaltigkeit aus der Hölle.