Mai: Bild dir deine Corona-Meinung

irrelevant mai

IrRelevant – die Monatskritik

IrRelevant – Jetzt auch zum Hören

Alles neu macht der Mai. Vor allem die Weltordnung. SPD-Vorsitzende Saskia Esken hat das bereits begriffen.

Saskia Esken sieht eigentlich so aus, als würde sie ehrenamtlich in der Stadtbücherei halbtags aushelfen, jetzt wenn die Kinder aus dem Haus sind und man selbst ja auch mal raus will.

Aber sie ist viel mehr. Sie ist auch Kundin, geht tagsüber einkaufen, finanziert im Alleingang den Einzelhandel von takko bis TEDi. Und ist natürlich Vorsitzende einer kleinen obskuren Arbeiterpartei.

Gegen jede Kritik verteidigt sie vehement das neue Gehalt der bald frisch gebackenen Präsidentin für Post und Telekommunikation: Andrea Nahles. Mindestens 150.000 Euro jährlich soll Eskens Amtsvorgängerin erhalten. Das soll auch der Wicht von Kurzarbeiter, auch der arbeitslose Taugenichts begreifen:

Die SPD sorgt für die Getreuen, die sich um das Gemeinwohl, um die neue Weltordnung verdient gemacht haben. Unterstützung bekommt das ehemals politische Schwergewicht von Olaf Scholz, Minister für Finanzen und modische Frisuren.

Wehe dem, der also die Verhältnismäßigkeit des sechsstelligen Gehalts der Parteigenossin anzweifelt, das – wie auch die Diäten der Politikerinnen und Politiker – aus Steuergeldern finanziert wird. Esken ist auf Twitter geradezu empört und poltert los, dass sie ja mit den Geldern den Handel beim High-Quality-Shopping subventioniert, ja sogar manchmal den Bäcker um die Ecke unterstützt, wenn die Haftcreme getrocknet ist und das Knusperbrötchen ihr dann für fünf Minuten die Backen stopft.

Das ist die neue Weltordnung. Die Steuerzahler werden von den von ihnen gewählten Volksvertretern unterstützt, ja geradezu gepampert, ohne die Kaufkraft der 630 Abgeordneten sähen wir alt aus und nicht der Bundestag mit rund 50 Lenzen im Durchschnitt, die damit eigentlich aus der wirtschaftlich relevanten Zielgruppe gerade herauspurzeln.

Da sitzen sie also, die 630 Chefs der Weltordnung und ihre 780 Lobby-Partner und halten den Handel, die Agrar- und Forstwirtschaft wie auch die Automobil- und Tourismusbranche am Laufen. Wer sonst könnte sich die dicken Limousinen leisten, das größte Stück vom Kuchen kaufen oder gleich den Forst abholzen lassen, um dem nächstbesten Energieriesen Grund und Boden anzubieten, damit auch die Energieversorgung in der Tiefgarage des Bundestags gewährleistet ist, falls der Finanzminister dort noch schnell ein seltenes Pokémon einfangen will oder die Kanzlerin eine Runde Clash of Castles mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron spielen möchte?

Doch wem nutzt das? Wohin führt die Spur des Geldes? Wer steht hinter diesen clownesken Marionetten? Diese Spurensuche zwischen staatshöriger Presse, die ständig die Regierung zu Wort kommen lässt anstatt des Stammtisches von Plauen, führt geradewegs ins Zentrum der Macht:

Über EU, USA und Russland halten schützend Rüstungsunternehmen ihre Hände, nicken sich die Immobilienmogule freundschaftlich zu, lachen sich die Tycoons der Finanzwelt ins Fäustchen und freuen sich die Großkonzerne von Amazon bis Google über das florierende Trading an den Börsen. Dort wo mit Blutdiamanten geklimpert wird, nicht mit Säbeln gerasselt, sondern gleich mit Panzern planiert und mit Transaktionen alles verschleiert wird, was wir nicht wissen dürfen, dort verbirgt sich das große Geheimnis, seit Jahrhunderten gut gehütet:

Leistung lohnt sich nicht, Arbeit macht sich nicht bezahlt und nur wer viel Geld hat, also unverschämt viel, der bekommt auch noch mehr. Wer nichts hat, bekommt auch nichts.

Ein Konzept so alt wie die Menschheit selbst. Dem König bringt das Volk die Ernte, er muss nur da sein, das Krönchen tragen und ab und an eine Rede schwingen bei vollem Magen und geistiger Diät. So bekommen Politiker statt der Naturalien inzwischen eben Diäten. Dass diese ständig erhöht werden, ist dann dem Jojo-Effekt zuzuschreiben. Das Volk schnallt den Gürtel enger, Andrea Nahles und Saskia Esken treffen sich derweil in der Gourmet-Abteilung.

630 Königinnen und Könige hat das Land, wie einst als es Bischofstümer, Herzogtümer und allerlei Adelsgesocks gab, das Ländereien untereinander verschacherte wie die eigenen Töchter.

Die wahre Verschwörung ist nämlich, dass sich nichts seitdem geändert hat, uns nur vorgegaukelt wird, wir seien gleich. Gleich doof immerhin.

Und wenn wir darauf hingewiesen werden, dass auch die andere Seite gute Argumente haben kann, dann, ja dann, zeigen wir tatsächlich Einfühlungsvermögen, versetzen uns in unser Gegenüber und stellen fest, dass der Andere tatsächlich die besseren Argumente hat, denn aus der Sicht des Gegenüber sind wir: DER Andere.

Und dann kommt der ganz Andere. Christian Drosten, Virologe und neuer Endgegner von BILD-Chef Julian Reichelt. Beides Experten. Der eine von beiden verbreitet schon seit einiger Zeit Unsinn mit extrem großer Reichweite, der andere ist Drosten.

Der Vorwurf an den Virologen ist stichhaltig: Unbekümmert hatte der einfach eigenhändig Kitas und Schulen geschlossen aufgrund von Statistiken, die er auch noch selbst erhoben und berechnet hatte.

Klar, dass Julian Reichelt – dem Genie der Medienmacher von gestern – die Brille beschlägt, als er lesen muss, dass Herr Drosten wichtigeres zu tun hätte als gegenüber dem Sprachrohr der Schreihälse aus dem Boulevard Stellung zu beziehen. Wie gemein. So eine Abfuhr gegen die Medienmacht im Staat. Jetzt fordert Reichelt Drosten zum Duell, will ihn mit Morddrohungen mürbe machen, die er aber aus Versehen an Karl Lauterbach adressiert und so weiter Verwirrung stiftet. Hatte die BILD einst den Auftrag das Land endgültig wieder zu vereinen, setzt Reichelt nun auf Spaltung, um dem angeschlagenen Printmedium wieder Futter zu liefern.

So steht es also um den Mai. Saskia Esken lebt in einem Land, in dem sie gut und gerne für das Volk einkaufen geht, Andrea Nahles bekommt ein sechsstelliges Jahresgehalt, während Teile der Regierung dem Mindestlohn an den Kragen wollen. Solange der Pöbel noch Wasser mit Sprudel trinken kann, jammert er zuviel und Julian Reichelt nutzt seine BILD, damit die Covidiotie auch die letzten Stimmen der Vernunft zum Schweigen bringt. Für die Meinungspluralität. Nitzsche hat sich geirrt. Es ging nie um Gott. Es ging um Kant. Immanuel Kant. Der ist tot. Und für Julian Reichelt hätte Kant wohl seinen kategorischen Imperativ mal ausgesetzt. Beziehungsweise bei genauerer Betrachtung, wäre es doch kategorisch gar nicht abzulehnen, wenn jeder Julian Reichelt mit einem Baseballschläger…aber das ist jetzt von der Meinungsfreiheit doch nicht mehr gedeckt. Widerruf folgt in der nächsten Ausgabe, hoffen wir, dass es dann noch nicht zu spät ist.  

Avatar

Article by Fabian Schütz

Geboren in der Nähe von Augsburg, aufgewachsen ohne Verstand aber mit sehr lieben Eltern, hat traurige Berühmtheit als Klassenclown erlangt. Danach Buchhändler, dann Student des Journalismus und hat die Liebe zur Kunst entdeckt. Die Kunst des Blödsinns. Seitdem hat er beschlossen die Menschen um sich zum Lachen zu bringen. Er mag keinen Rosenkohl, Hitler und Katzen. Er glaubt das sei die Dreifaltigkeit aus der Hölle.