Der letzte Kreuzzug des Markus Söder

Markus Söder (Ex-CSU)

– Ein Nachruf –

Die CSU verliert ihren ungewollten Seehofer-Zögling.

Ein übergroßes Ego war die Diagnose. Auf das 700-millionenfache war Söder da bereits aufgebläht, die von Inhalt befreite Hülle des Ministers konnte den inneren Druck nicht mehr ertragen. Musste sich Luft machen und in das zurückverwandeln, was er schon immer gewesen war:

Ein Windbeutel.

Schnell und tragisch hat Markus Söder das Vermächtnis von Franz Josef Strauß an die Wand gefahren. Die Werte bereits im August im Keller. 64 Prozent der befragten Bayern waren unzufrieden mit der Arbeit des bayerischen Ministers. Die Überlebenserwartung war also auf drastische 36 Prozent gesunken. Die von Horst Seehofer durchgeführten Wiederbelebungsmaßnahmen waren bestenfalls halbherzig, schlimmstenfalls Beihilfe zum politischen Mord.

Der Söder selbst entstammt der langen Tradition von Salzbergwerksarbeitern. Das ist sein angestammtes Umfeld. Kumpel statt Kanzler, Männer und keine Minister. Dort fühlt sich ein Söder wohl, dort war er zuhause. Doch wenn man ihn herausreißt und in ein salzloses Franken steckt, dann entfremdet er sich und tritt den streng-konservativen Christen Bayerns bei: Der CSU.

 

Leckt ein Söder Salz, bekommt er Durst – leckt er Blut, bekommt er Machthunger

Selbst evangelisch erzogen – wie im protestantischen Nürnberg üblich – ist davon nun nicht mehr viel übrig. Ein Kreuzzug durch die Behörden des bayerischen Vaterlandes und ein Weltraumprogramm haben ihn letztlich an dem scheitern lassen, was viele nicht für möglich gehalten hatten:

An sich selbst.

Nun hat er das Kreuz zu tragen, eine unbesiegbare Partei in die Schlacht an den Thermopylen geführt zu haben, geschlagen von den 300 trotzigen Oppositionellen, die erst die CSU rechts überholten (§5 Abs. 1 StVO) und dem Platzhirsch dann nicht weichen wollten. Es ist frostig um ihn geworden. Unterkühlt das Verhältnis zur Basis und der einst blau-weiße Himmel über Bayern pechschwarz trotz Windkraft. Jetzt trägt die gesamte Partei schwarz.

„Strauß, dieses Kraftuhrwerk, dieser Titan der Worte, hat mir unheimlich gut gefallen. Ich hatte sogar ein riesengroßes Poster von Strauß, fast überlebensgroß. Ich wohnte bei uns zu Hause unter einer Dachschräge und dort hing dieses Poster. Wenn ich aufgewacht bin, habe ich also an der Decke direkt Strauß angeschaut. Das hat sich in späteren Jahren als gar nicht so einfach erwiesen, wenn dann auch mal eine Freundin da war und die auch Strauß zuerst gesehen hat. (…).“

(Markus Söder im Interview mit Focus-Online 2015) 

 

Vier Kinder hinterlässt Markus Söder in einem Bayern, in dem niemand mehr leben will. Außer Saupreißn und Zuagroaste. Hatte zuvor schon Franken-Parteikollege Günther Beckstein versucht aus Bayern endlich das NRW des Südens zu machen, indem er ein finanzielles Loch – tiefer als jedes Braunkohlebergwerk – mit Hilfe der Landesbank hinterließ,  hat Horst Seehofer schlimmeres verhindert: Nämlich den Söder-Putsch.

 

Machtwechsel in Bavaria

Dann kam die Bundestagswahl und Horst wurde nach Berlin abberufen. Ein Machtwechsel in Bayern. Nur die Macht war längst in einer Transitzone eingepfercht. Das Trauerspiel begann. Jede Bierzeltrede glich einem Hopfen-Inferno, jeder Partei-Tag einer schwarzen Messe. Bayern hatte sieben Tage die Woche Halloween. Ganz im Sinne von Söder, der sich gerne in gewagte Kostüme zwängt. Mehr als die Kostüme ist nicht geblieben. Vergilbt hängt der Homer Simpson im Schrank, grün vor Schreck der Shrek und wie das Wortspiel mit Bart, der Luitpold von Bayern.

Für Größenwahn sind sie berüchtigt diese Weißwurst-Gsichter und Maßkrug-Stemmer, die Dirndl-Dirnen und Latzhosen-Lumpis, all die maulfaulen Einheimischen, die mit „I mog net!“ schon immer dem Widerstand abgeneigt waren. Gutmütig sind sie, aber auch übermütig wie die Maus, die sich nach dem Wein auf die Brust trommelt und nach der Katze verlangt; so verlangt der Bayer nach der dritten Maß Bier den Kopf der Gott-Kanzlerin und verlacht die messerwetzende Opposition. Jetzt hat es sich ausgelacht. Söder ist nicht mehr und war vielleicht auch nie mehr als ein Mann mit Visionen. Visionen, die aber noch heilbar waren.

Gott sei Dank!

Wer hätte im Frühjahr geahnt, dass Markus Söder an zu wenig Kreuzen in Bayern scheitern kann und ins politische Vergessen geraten wird wie Partei-Kollege Volkmar Hopf (inzwischen vergessen)?

Bei dem wiederum hatte seine Kreuz-Vergangenheit zwar einen Haken, war aber kein Stolperstein auf der Karriereleiter.

Von der NSDAP in die CSU, direkt ins Bundesverteidigungsministerium. Hopf konnte selbst die Entnazifizierung nicht stoppen. Vielleicht kann Söder den umgekehrten Weg noch gehen: Von der CSU in die AfD und dann direkt ins Salzbergwerk.

Ansonsten muss er wohl dahin wo der Pfeffer wächst oder, sollten ihm doch noch Schwingen wachsen, zurück zu seinem Horst.

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Article by Fabian Schütz

Geboren in der Nähe von Augsburg, aufgewachsen ohne Verstand aber mit sehr lieben Eltern, hat traurige Berühmtheit als Klassenclown erlangt. Danach Buchhändler, dann Student des Journalismus und hat die Liebe zur Kunst entdeckt. Die Kunst des Blödsinns. Seitdem hat er beschlossen die Menschen um sich zum Lachen zu bringen. Er mag keinen Rosenkohl, Hitler und Katzen. Er glaubt das sei die Dreifaltigkeit aus der Hölle.