Messen mit zweierlei Maaßen

Maßen

Wir sind mehr, wir sind grün und wir sind die Guten! Diese Maxime ist eine einhellige, eine im Kanon vorgetragene einstimmige, aus dem Groß der Medien- und Presseagenturen. Niemand mag da gerne widersprechen und jubelnd verkünden, dass er kauziger Einzelgänger, Schmutzfink und ein ganz schlimmer Finger sei.

Die Wahrheit: Wir sind allein im Universum, ziehen eine Müllspur (von der ersten Windel bis zum Sarg) durch unser Dasein und die meisten sind zwar kein James-Bond-Bösewicht – meist scheitert es da am Intellekt – aber auch keine Lichtgestalten der Geschichte, sondern Mitläufer der historischen Gezeiten.

Hans Georg Maaßen, ehemaliger Chef des Verfassungsschutzes, vergleicht den Zustand der aktuellen Medien mit denen der DDR. Daraufhin regen sich fast zeitglich beinahe ausnahmslos alle Medien über Hans Georg Maaßens Anmaßung auf.

Versteht den Witz keiner? Die Kritik, die durch das anschließende Verhalten des Medienbetriebs ihre Bestätigung findet, ist ein Coup. Hätte das nicht Reiz-Figur Maaßen gesagt, sondern der Schabernack-Jünger Jan Böhmermann, hätte es das Feuilleton als Genie-Streich gefeiert, wie mit einer rotzigen Kritik das folgende Verhalten des Gegenübers einkalkuliert und die eigene Aussage damit selbst belegt ist.

Währenddessen…

…fahndet die Polizei nach dem Urheber eines Videos, das einen randalierenden 19-jährigen Flüchtling aus Nigeria im Ankerzentrum Donauwörth zeigt, der zwölf Autos der dortigen MitarbeiterInnen mit einem dicken Ast zu Blechhaufen gekloppt und 50.000 Euro Sachschaden erzeugt haben soll.

Die Gründe sind noch unklar. Vielleicht, weil “der Neger gerne was kaputt macht”, vielleicht weil er nur eine Duldung hatte oder er geistig etwas verwirrt war. Ob es nur Dieselautos waren, die er aufs Korn, korrigiere, den Ast nahm, ist auch noch nicht überprüft.

Problem für die Ordnungshüter ist zusätzlich das sich im Umlauf befindliche Video, inzwischen mehrfach geteilt, und die dortigen Kommentare.
Der Bayerische Rundfunk zeigt das Video nicht mehr, bis die Quelle geklärt ist. Vielleicht ist es auch nur der neue Trailer zu Quentin Tarantinos neuem Film.
Bei dem österreichischen Politiker Heinz-Christian Strache war der Ablauf etwas anders. Da sind Ursprung und Zustandekommen des Ibiza-Videos noch immer ein Mysterium, dennoch haben es deutsche Medien schnell geteilt. Strache ist zurückgetreten, der junge Nigerianer noch nicht. Den hat man erstmal zur psychischen Untersuchung eingeliefert. Strache noch nicht.

Moral, Gewissen und das Zittern

Carola Rackete, die personifizierte Moral, das Gewissen der EU, steht einem Matteo Salvini gegenüber, einem vielleicht von Russland subventionierter Badboy. Weniger Fakten, mehr an Personen hochgepushte Meinungen bestimmen eine emotionale Diskussion. Immer mehr deutsche Städte erklären sich zu sicheren Häfen. Ob sie nun einen haben oder nicht. Und aus den alten James-Bond-Filmen wissen wir, dass ein guter Plot auch immer einen hinterhältigen Russen braucht, der die Strippen zieht.

Die zitternde Kanzlerin macht nebenbei wieder Schlagzeilen ohne Politik. Jetzt fordern die Medien fast geschlossen Solidarität mit der Frau, die durch ihre Verletzlichkeit Stärke zeigt. Sitzend bei der Hymne des Gastgeberlandes, aber mit entschlossenem Blick. Eine gute Frau, zwar keine grüne, aber eine mutige, die sich auch noch mit leichensteifen Fingerchen an die Macht krallen wird. Bewundernswert.

Doch es ist keine Mehrheit, kein wir sind mehr, es sind nur ein ehemaliger Verfassungsschützer, eine Kapitänin, ein Politiker, ein Nigerianer und eine Kanzlerin. Genaugenommen sind sie alle Minderheiten. Es ist immer eine Frage der Perspektive. Und die gute Tat des Einzelnen, kann auch immer eine schlechte im Auge des Anderen sein. Reflexartig passen wir uns gerne dem „Wir sind mehr“ an, in der Hoffnung auf der richtigen Seite zu stehen, um Bestätigung zu erfahren. Vielleicht sollten wir es aber eher wie die Kanzlerin halten und uns auch einfach mal hinsetzen und alles unkommentiert lassen.

Zittern können wir, wenn die Wahrheit rauskommt, noch immer.

Article by Fabian Schütz

Geboren in der Nähe von Augsburg, aufgewachsen ohne Verstand aber mit sehr lieben Eltern, hat traurige Berühmtheit als Klassenclown erlangt. Danach Buchhändler, dann Student des Journalismus und hat die Liebe zur Kunst entdeckt. Die Kunst des Blödsinns. Seitdem hat er beschlossen die Menschen um sich zum Lachen zu bringen. Er mag keinen Rosenkohl, Hitler und Katzen. Er glaubt das sei die Dreifaltigkeit aus der Hölle.