Nazi, Frust und Fragen

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In Kampfmontur (Thor Steinar) zum Synagogen-Besuch, eine Ausrüstung wie bei der Bundeswehr (Ladehemmungen) und ein selbst zusammengebasteltes Pamphlet (Internet) im Kopf. So wollte sich der aufrechte Deutsche Trottel (Name unwichtig) in Halle einen Namen machen, die Gesellschaftsordnung wieder in ihr arisches Licht rücken.

Erst scheiterte er an der Tür (ziehen – nicht drücken!), dann an seinen eigenen Waffen (drücken – nicht ziehen!). Waren die Nazis ihrer Zeit für ihre technischen Errungenschaften noch gefürchtet, ist der Nazi von heute nur mehr ein gemeingefährliches Kind mit einem Brandstifter-Bausatz, der ihn aber ab drei Teilen komplett überfordert.

Will der Jude sich nicht freiwillig erschießen lassen und bleibt feige in seiner Synagoge, dann muss eben eine Spaziergängerin herhalten oder der Döner-Laden. Rachedurst kann Ayran nicht stillen.

Doch für was will der Arsch Rache?

Nun, erstmal hätte man statt einer Synagoge auch einen REWE hinbauen können. Ein deutsches Geschäft eben. Das kann sich ein sozial benachteiligter Vollhonk aber eh nicht leisten, dort einzukaufen. Er muss mit dem ganzen anderen Pack, Gschwerl und Abschaum zum Billig-Discounter am Stadtrand. Das frustriert.

Synagogen haben oft kleine phallische Ausbuchtungen, ragen gen Himmel und zeigen unserem Vollarsch, was er nicht vermag: Einen hochzukriegen. Das frustriert.

Und wegen dem versemmelten Schulabschluss. Das blöde jüdische Nachbarsmädchen hat ihn nie abschreiben lassen. Wie soll man es da auch zu was bringen? Das frustriert.

Was tun gegen den Frust?

Das Internet bietet eine Fülle an Antworten, selbst auf Fragen, die auf der geistigen Ebene einer Amöbe liegen. In gut informierten Kreisen weiß man, dass der Jude schuld ist. Schon wieder. Der kann es nicht lassen. Im Mittelalter bringt er die Pest, in den 80ern verteilt er Aids und dazwischen löst er zwei Weltkriege aus, an denen er geschickt als Opfer getarnt auch noch richtig gut verdient. Das World-Trade-Center hat er auf dem Gewissen, den Nah-Ost-Konflikt und im Brexit hat er auch seine Finger. Außerdem gehören ihm das Silicon-Valley, Hollywood und die Ostküste der USA.

Wussten Sie, dass nahezu 100 Prozent der reichsten Juden auch Juden sind? Na, wenn es da mal nicht im Oberstübchen klingelt. Also den 3D-Drucker anwerfen und schnell ein paar Juden-Neutralisatoren ausdrucken. Wenn Sie nämlich einen Juden umbringen, bekommen sie nicht nur ein besseres Leben, sondern auch sein ganzes Geld. Das steht so in der Tora. Deshalb sind die Palästinenser da auch so ambitioniert am Werk.

Jetzt brauchen Sie nur noch ein paar Freunde, die zuletzt ein Geschichtsbuch aus dem Jahre 33 gelesen (die Bilder angeguckt) haben und können sich bei arischem Kaffee aus Südamerika (von Adolf Eichmann und Josef Mengele handgepflückt) gemütlich radikalisieren.

Sie sind nicht frustriert genug?

Sie sind tatsächlich mit Ihrem Leben ganz zufrieden, geben Ihr Bestes und möchten die Demokratie nicht zerschlagen? Glückwunsch. Dann sind Sie vermutlich sehr privilegiert, haben einen IQ über Zimmertemperatur oder haben aus der Geschichte gelernt. Oder aber Sie sind eben selbst Jude.

Aber auch Sie haben Grund frustriert zu sein. Sie könnten noch so viel mehr haben, wenn Sie endlich anfangen würden, Massenmorde zu leugnen. Dann können Sie Präsident der Türkei werden, den Literaturnobelpreis bekommen, aber zumindest einen Tag bei BILD+ Content generieren.

Sie wollen gar nicht mehr? Denken Sie daran, dass Sie auch jederzeit weniger haben könnten! Vom Reihenhaus in die Sozialwohnung direkt neben der Familie Wumbaba mit den 16 Kindern sind auch Sie nur eine Kündigung entfernt, weil das Unternehmen auf Integration umstrukturiert und nur noch Migranten einstellt. Naaa, Angst bekommen?

Statt Feinkost heißt es Wilke-Wurst…

und Listerien, statt Sommelier-Beratung Todesmilch! Und wer hat den Dichtungsring bei Wilke wohl verunreinigt? Wer die Milch? Ist es Zufall, dass beide Speisen nicht gemeinsam verzehrt werden dürfen und in diesem speziellen Falle sogar beide nicht koscher sind? Ist es Zufall, dass kein Jude von der Gesundheitsgefahr betroffen ist?

Zwei Menschen sind gestorben. Für nichts. Aber die Fragen bleiben. Und Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) spricht von Alarmzeichen. Wurstkorb ist raus!

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Article by Fabian Schütz

Geboren in der Nähe von Augsburg, aufgewachsen ohne Verstand aber mit sehr lieben Eltern, hat traurige Berühmtheit als Klassenclown erlangt. Danach Buchhändler, dann Student des Journalismus und hat die Liebe zur Kunst entdeckt. Die Kunst des Blödsinns. Seitdem hat er beschlossen die Menschen um sich zum Lachen zu bringen. Er mag keinen Rosenkohl, Hitler und Katzen. Er glaubt das sei die Dreifaltigkeit aus der Hölle.