Nuhr ein Witz

Greta Thunberg und Dieter Nuhr

Dieter Nuhr, Ex-Lehrer und nun auch bald Ex-Kabarettist, hat sich in ein Fettnäpfchen gesetzt. Breit grinsend. Eine Gefühlsregung, die auf dem Weg zum Schafott eher unüblich ist. Er ist das Wagnis eingegangen, vorsätzlich und ohne Scham Witze über Greta und ihre JüngerInnen zu machen. Und das im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ungeschickt. Gerade, weil doch jeder weiß, die Beliebtheit steigt vor allem dann, wenn man sich für eine ausnahmslos gute Sache einsetzt und nicht gegen sie hetzt. Mit Witzen. Gute Sachen sind vor allem eines: humorlos.

Til Schweiger und Matthias Schweighöfer haben mit den Dreharbeiten zu „Klima im Herzen“ begonnen. Joko und Klaas haben mit „Für das Klima um die Welt“ eine neue Show inpetto und Jan Böhmermanns „Klimasohn“ geht gerade viral. Da verbietet sich jede Kritik. Wie an der Kirche. Über Gott macht man keine Witze. Über den Weltuntergang schon gleich gar nicht. Greta und Gott haben beide ein G am Anfang. Da muss das Gespür auch sensibler sein, gerade als entrechteter alter und weißer Mann. Die Botschaft ist sekundär, der Absender ist das Wesentliche. Je weniger weiß, je weniger männlich und desto behinderter der Botschafter, desto glaubwürdiger, ja ernstzunehmender ist denn auch die Botschaft.

Alles Grün!

Die Bemühungen schreiten inzwischen voran, CO2-lastiges zu Fuß gehen ist durch effizientes e-scootern ersetzt, die Grünen gewinnen mit der Forderung zur Rückkehr zum Kerzen- statt Lampenschein rasant an Sympathie. Deutschland ergrünt, erblüht und ist bald klimaneutral.

Das haben bisher auch nur kleine engagierte Landstriche in Mecklenburg-Vorpommern oder im Herzen Afrikas geschafft, zwischen Kalombo und Bolelo ist die Luft wie sie sich gehört, der Flugverkehr und der Straßenverkehr auf ein Minimum reduziert. Meistens trifft man dort noch nicht mal einen Menschen.

Bann für Urlaubsfotos

Kinder, SchülerInnen und Eltern haben hierzulande noch zu kämpfen. Nachdem der Nachwuchs mit der Kutsche vor der Klassenhütte abgesetzt ist, heißt es die Pferde striegeln und ab auf die Demo. Unter dem tosenden Applaus der Regenten wird die Revolution ausgerufen, der Umweltsünder verdammt, wenn nicht gleich verbrannt. Unter Pfiffen und Buhrufen stehen sie am Gate des Flughafens, wenn die beschämten Weltuntergangsbeschleuniger einchecken. Der Gangway ist ein Spießrutenlauf. Die Vorfreude auf den Urlaub ist den Gewissensbissen gewichen, mit hängenden Köpfen geht es in die Ferne.

Die beeindruckenden Urlaubsbilder von den Seychellen oder aus Neuseeland auf Instagram werden nicht mehr geliked, sofort gemeldet und das Konto des Sünders bis zur Abbitte gesperrt. Erst, wenn er nachweislich zehn Jahre ohne Fleisch oder fünf Jahre 40 Kilometer mit dem Rad zur Arbeit gefahren ist, darf er sein Konto wieder in Betrieb nehmen, darf sein Essen posten, natürlich mit Nahrungsmitteln aus der Region, weniger als Lifestyle, mehr als Zeugnis, als Rechtfertigung, als Nachweis für seine Läuterung zum besseren, ja grüneren Menschen.

Vom alten weißen Mann, zum jungen grünen Wir

Wir schaffen das. Die Gas- und Elektroheizung ist Geschichte, das Feuer knistert wieder heimelig im Kamin und das Pferd wiehert im Stall. Dann werden wir eine Fackel entzünden und im Morgengrauen die Recycling-Behälter nach Pfandflaschen durchforsten und hoffen, dass wir noch ein letztes Mal von der Wegwerfgesellschaft profitieren, um uns die Bio-Bestattung leisten zu können, um auch klimaneutral zu verwesen.

Vielleicht macht dann Dieter Nuhr Witze über Armut im Alter. Gleich bleibt allerdings: Keiner lacht. Betroffene lachen in der Regel nie (Grundwissen Witzekunde).

Bild 1:  Anders Hellberg [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]
Bild 2: Euku [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]
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Article by Fabian Schütz

Geboren in der Nähe von Augsburg, aufgewachsen ohne Verstand aber mit sehr lieben Eltern, hat traurige Berühmtheit als Klassenclown erlangt. Danach Buchhändler, dann Student des Journalismus und hat die Liebe zur Kunst entdeckt. Die Kunst des Blödsinns. Seitdem hat er beschlossen die Menschen um sich zum Lachen zu bringen. Er mag keinen Rosenkohl, Hitler und Katzen. Er glaubt das sei die Dreifaltigkeit aus der Hölle.