Postkapitalistisch oder Präapokalyptisch?

apokalypse

Ein Politiker mit einer konkreten Vision. Das ist Stoff aus dem heute Albträume gewebt sind. Ein Politiker mit einer Vision, die sogar zur Gründungsidentität der eigenen Partei passt, ist Stoff, der Horrorfilme wie eine Romantikkomödie aussehen lässt.

Kevin Kühnert, der Stephen King für die Immobilienlobby, hat sich im Zeit-Interview geäußert und gleich den Sozialismus (DDR) ausgerufen, BMW (Bayern) enteignet und Giovanni di Lorenzo (ZEIT) das letzte Croissant gemoppst. Als Vorsitzender der Jungsozialisten eine Erfolgsgeschichte seit Gerhard Schröder (Russische Föderation). Vielleicht die Letzte der SPD auf dem Weg zur politischen Randnotiz. Andrea Nahles, Parteichefin der ruinierten SPD, kreischt entsetzt auf, rudert wild mit den Armen: „Ich finde die Antworten, die Kevin Kühnert gibt, falsch.“

Und natürlich sind sie das auch. Niemand kann es gutheißen, dass keiner mehr Wohnraum als für sich benötigt besitzt. Zumindest nicht die zehn Prozent der Deutschen, die über die Hälfte des deutschen Gesamtvermögens kontrollieren. Diese Minderheit Superreicher muss dringend unter Denkmalschutz gestellt werden. Was kommt als Nächstes? Schleicht sich der langfingrige Fiskus bis in unser Anwesen und holt sich das zurück, was ihm, dem Staat, also uns, schon immer gehört hat? Am Ende gar eines unserer fünf Autos? Es ist ein vom Grundgesetz garantiertes Recht, dass wir Eigentum besitzen dürfen, selbst wenn wir es weder brauchen noch nutzen. So wie wir beim Supermarkt auch einkaufen können soviel wir wollen, nur um alles eine Woche später genüsslich wegzuwerfen. Eine Bundesrepublik ohne Miet- und Lohnsklaven, wäre nur noch ein Land voller Faulpelze.

Wie lächerlich

Franz Josef Wagner (Kaiser der BILD) bringt es gleich auf den Punkt: „Da quatscht ein Student von Verstaatlichung und wir werden alle verrückt. Ein Student, der noch nichts zu Ende gebracht hat. Wie lächerlich.“ Das stimmt, sein Studium ruht und mit der Forderung nach einer #NoGroKo ist er auch gescheitert. Aber das ist das sympathische an Kevin Kühnert: Er ist ein Verlierer mit Würde. Ganz anders als Wagner oder Nahles. Viel schlimmer ist, dass er seine eigenen Aussagen bekräftigt: „Ich habe das sehr ernst gemeint.“ Das ist ein #NoGo in der Politik. Längst überfällige Debatten anzustoßen und mit konkreten Ideen zu untermauern, ist in einem Land, das mit Mauern sehr schlimme Erfahrungen gemacht hat, einfach unsensibel. Zu seiner Meinung und dem Wort zu stehen nicht en vogue.

Doch wenn wir die Vision von Wohnraum für alle, ein Ende der Immobilien-Spekulationen und den Einsatz großer Konzerne fürs Allgemeinwohl konsequent zu Ende denken, würden wir alle gewinnen. Waren im Sozialismus auch alle gleich, nämlich gleich arm, wie Andreas Scheuer (CSU) weiß, sind wir im fortgeschrittenen Kapitalismus endlich ungleich reich. Also der eine ist halt so richtig arm, der andere kommt bis zur Rente über die Runden, aber kann danach ja auch gesellschaftsverträglich ableben und dann ist da noch der System-Gewinner unter dessen Achselhöhlen Parasiten wie Scheuer und Co. bequem leben, symbiotisch vor sich hin vegetieren und aggressiv gegen jegliche Veränderung kratzen, beißen und zischen.


„Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen. Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“

Karl Marx (1818 – 1883)

Nur Worte

Da ist es ungleich bequemer Petitionen gegen zu schwierige Abituraufgaben (Mathe) ins Leben zu rufen anstatt zu lernen, freitags für eine lebensbejahende Klimapolitik zu demonstrieren, bevor es im Urlaub nach Südamerika geht oder für ein freiwilliges soziales Jahr oder uns in der Abhängigkeit des Lobbyismus zu suhlen und Ideen den Profis zu überlassen, also Cristian Lindner (FDP) und Markus Lanz (ZDF).

Da kann Sigmar Gabriel (SPD) zwar toben und den Wahlkampf für Europa torpediert sehen, die Medienvertreter können kommentieren, bis der Laptop qualmt und der Stammtisch hat neben dem Videobeweis ein Thema, das er voll und ganz auskosten kann.

Aber wieder sind es nur Worte, die wie Facebook-Petitionen nur eine Attrappe, ein Köder sind. Wieder ein Kansas-City-Shuffle, das uns diesmal nach links blicken lässt, während zum Beispiel in Plauen einfach rechts vorbeigegangen wird.

Ein Politiker mit konkreten Forderungen ist nur noch ein Dodo, ein Relikt aus Tagen der Antike, als noch Weise und Philosophen an die Spitze von Staaten gefordert wurden. Heute muss das ein Studienabbrecher übernehmen, auf den auch prompt das Scherbengericht folgt und seine Verbannung fordert. Wer eine solche Diskussionskultur sein Eigen nennt, muss sich um den Sozialismus nicht sorgen. Er lebt längst in der Meinungssingularität.



Article by Fabian Schütz

Geboren in der Nähe von Augsburg, aufgewachsen ohne Verstand aber mit sehr lieben Eltern, hat traurige Berühmtheit als Klassenclown erlangt. Danach Buchhändler, dann Student des Journalismus und hat die Liebe zur Kunst entdeckt. Die Kunst des Blödsinns. Seitdem hat er beschlossen die Menschen um sich zum Lachen zu bringen. Er mag keinen Rosenkohl, Hitler und Katzen. Er glaubt das sei die Dreifaltigkeit aus der Hölle.