R.I.P. Presse

In der Türkei liegen sie in Ketten, in dunklen Löchern und sind mundtot. Manchmal auch einfach komplett tot. In Deutschland werden sie einfach nicht mehr eingeladen: Journalisten.

In einer Reihe, schweigend und mitgenommen, marschieren sie mit dem Presseausweis auf der Brust in die Vergessenheit. Das Gelächter und der Hohn der Machthabenden ist das Letzte, was sie hören. Der Genickbruch eines Berufsstandes durch die Demokratie, die sie stets bewahren wollten.

Journalisten sind die Störenfriede des Wohlstandes. Liefern Nachrichten, beobachten, bewerten und beanstanden Missstände. Am Ende stehen Kritik, Nörgelei und die Verunsicherung der Bevölkerung. Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat sich nun aufgemacht, diesen Missstand zu beseitigen und den Journalismus überflüssig zu machen.

Die Herrin der Bilder

„Wir waren Herr über die Bilder, wir haben die Nachrichten selbst produziert. In diese Richtung wird es weitergehen“, so äußert sich die schwarze Krähe der CDU im Magazin der Jungen Union. Zum Werkstattgespräch Migration war keine Presse zugelassen.

Journalismus ist ein Konzept vergangener Tage, als Schreibmaschinen noch Waffen waren, das geschriebene Wort mehr Gewicht als Franz-Josef Strauß und soziale Interaktion noch in der Realität stattgefunden hatte.

Jetzt ist alles anders. Realität ist Auslegungssache, Wahrnehmung eine Frage der Inszenierung und Dummheit ein PR-Konzept („Sei schlau – stell dich dumm“ – Daniela Katzenberger).

In Schönheit sterben

Doch am Tag der Pressefreiheit am 3. Mai schaut die Republik lieber zum Nachbarn nach Österreich oder zu Erdogans Demokratur in die Türkei. Wo sollen wir auch sonst hinschauen, wenn man nirgends mehr als Presse eingeladen ist, wie der dicke Junge damals in der Schule oder das pickelige Mädchen in den Second-Hand-Klamotten. In einer gefilterten Realität will niemand mehr auf die Unzulänglichkeiten angesprochen oder auf Widersprüche hingewiesen werden. Man will sich mit Glamour umgeben und in Schönheit sterben.

Ungestört in der Filterblase der Komfortzone soll in perfekter Ausleuchtung Politik so stattfinden, wie sie selbst es möchte. Eine Diktatur der Bilder. Leni Riefenstahl ist längst von den Schülerinnen und Schülern übertroffen worden und wirkt beinahe dilettantisch.

Es geht nicht mehr um die Inszenierung eines starken Volkes mit kruppstahlharten Körpern und blitzend blauen Augen unter vollem blondem Haar. Es geht jetzt nur noch um das Ego des Individuums und dessen Reichweite. Mit „Reich“ halten es die Deutschen eben schon immer gerne. Ein pressefreies Land ist die Vision, die AKK damit zwischen den Zeilen ausruft und die Demokratie und ihre Mechanismen endgültig für vogelfrei erklärt.

Warum also so ernst?

Da bleiben nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder sich den Abgesang auf die Freiheit schön zu trinken oder in den bewaffneten Widerstand zu gehen. Am Ende läuft es vermutlich auf eine Online-Petition hinaus und einen Auftritt bei Markus Lanz.

Aber vielleicht haben wir Glück im Unglück und David Hasselhoff behält damit recht, was er Christian Lindner (FDP) bei Lanz ins Gesicht schmetterte: „[…] Blablabla, ich hör immer nur Wörter. […] Die Politiker stören die fachliche Aufarbeitung. […] Da stehen die Schüler auf und sagen was […] und es passiert nichts. […] die Politiker müssten was machen, aber die stören nur. Genau wie Twitter, das stört nur. Sie können nicht auf Twitter gehen und irgendwas schreiben, an das Sie nicht glauben, nur weil sie provozieren wollen oder eine Reaktion kriegen wollen […]“

Aber es kann auch noch schlimmer kommen, wenn AKK wirklich daran glaubt, was sie gesagt hat.

Bei Batman „The Dark Knight“ können wir eines vom Joker lernen: Man braucht nicht zwingend eine Einladung, um den Rahmen auch mal zu sprengen. Oder anders gesagt, alles was einen nicht tötet, macht einen komischer!

Warum also so ernst?

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Article by Fabian Schütz

Geboren in der Nähe von Augsburg, aufgewachsen ohne Verstand aber mit sehr lieben Eltern, hat traurige Berühmtheit als Klassenclown erlangt. Danach Buchhändler, dann Student des Journalismus und hat die Liebe zur Kunst entdeckt. Die Kunst des Blödsinns. Seitdem hat er beschlossen die Menschen um sich zum Lachen zu bringen. Er mag keinen Rosenkohl, Hitler und Katzen. Er glaubt das sei die Dreifaltigkeit aus der Hölle.