Söder macht’s: Ein Wahlkampf bis an die Grenze (Jung, politisch, machtlos)

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Markus Söder verbringt heute seinen 200. Tag als bayerischer Ministerpräsident. In dieser Zeit ist er sehr viele Projekte angegangen. Stets motiviert, aber stets mit den Landtagswahlen im Rücken.

Ob es für Markus Söder ein Tag wie jeder andere ist? Vielleicht erzählt uns das der bayerische Landesvater auf seinem Facebook-Account. Der gelernte Fernsehjournalist nutzt die Sozialen Medien gerne um kurze Gruß-Botschaften zu senden. Stets mit dem Motto: Bayern, das ist seine einzig wahre Liebe.

Markus Söder steht vor einer schweren Aufgabe. Ihm bleiben nur noch zwei Wochen, um das schier unvermeidliche noch abzuwenden. Die CSU steht kurz davor die absolute Mehrheit zu verlieren. Seit den 70ern musste seine Partei nur einmal die Macht mit einer anderen Partei teilen. 2008 musste man eine Koalition mit der FDP eingehen. Im BR-Duell gegen den Grünen-Spitzenkandidaten Ludwig Harmann warnt Söder davor, sich von der CSU abzuwenden. Berliner Verhältnisse wolle schließlich keiner. Die Angst seine Macht teilen zu müssen macht Markus Söder schon seit Beginn seiner Amtszeit zu einem Gehetzten seiner selbst.

Ein Wahlkampf wie aus Hollywood

Das öffentliche Auftreten von Markus Söder wirkt wie aus einem Film. Der US-Präsident ist in solchen Filmen stets von einem Beraterstab umgeben, der für jede Situation die passende Strategie parat hat. Genauso aufgesetzt wirkt Markus Söder. Selbstredend trifft kein Politiker mehr Entscheidungen aus Impuls, aber wer seine politische Agenda nur nach dem vermeintlich öffentlichen Diskurs gestaltet, wirkt schnell wie ein Politik Roboter.

Söder muss sich schon früh der Wirkung von Bildern bewusst gewesen sein. In seiner ersten Woche als bayerischer Europaminister hat er mehr Interviews gegeben als seine Amtsvorgängerin in zwei Jahren. Und auch jetzt im Wahlkampfmodus hetzt Söder von einem öffentlichen Auftritt zum nächsten – nichts besonderes eigentlich für einen Spitzenpolitiker.

Alles auf einmal

Voller als sein Kalender ist vermutlich nur seine politische Agenda. Generell gilt die bayerische Staatskanzlei als eine der aktivsten in Deutschland. Söder hat aber nochmals zwei Gänge hochgeschalten und tut öffentlichkeitswirksam so, als würde er all das umsetzen, was die Leute irgendwie interessiert und ihm und seiner Partei in den Kram passt.

Wer zu schnell rennt, der stolpert nur. Man kann Söder und seiner Partei nur nahelegen, sich diesen Satz einmal zu Herzen zu nehmen. Immerhin sind viele seiner Projekte umstritten. Das Polizeiaufgabengesetz wird von der Opposition aufs schärfste kritisiert, von der Bevölkerung bestreikt und bald vielleicht sogar vom Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe als verfassungswidrig eingestuft. Beim Psychisch-Kranken-Gesetz ist die CSU diesem Ärger noch zuvorgekommen. Als Söder mit der aberwitzigen Idee in allen bayerischen Amtsstuben Kreuze aufzuhängen daherkam, stellte sich selbst die Kirche gegen ihn. Da kann man schon fast mit ihm leiden. Immerhin ist ihm nichts heiliger als seine Bibel, die er sogar als Hörbuch im Handschuhfach seines Dienstwagens hat.

Man kann Söder nur wünschen, dass er nach der Landtagswahl einen Koalitionspartner bekommt. Denn geteiltes Leid ist halbes Leid, heißt es im Volksmund ja so schön.

 

Lukas Rumpler

Article by Lukas Rumpler

2010 mit dem Bloggen angefangen - irgendwann zum Journalisten geworden. Ressort-Journalismus Studium an der Hochschule Ansbach mit dem Schwerpunkt auf Politik und Wirtschaft.

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