Spahn und Migration – Eine Frage der Perspektive

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Die Migrationspolitik ist eine Frage, die uns alle irgendwie beschäftigt. Sie ist aber bei weitem nicht das größte Problem, das wir haben. Wann fangen wir an das zu verstehen?

Der weiße Elefant im Raum aber ist die Frage der Migration”, schreibt Jens Spahn in einem Gastbeitrag in der FAZ. Das erinnert dann doch stark an die Aussage, dass die Migrationsfrage die Mutter aller Probleme sei, die von Horst Seehofer stammt.

Problematisch ist die Aussage von Gesundheitsminister Spahn, weil er davor noch andere Dinge anspricht, wie die Stärkung der Leistungsgerechtigkeit oder den Klimaschutz. Allerdings sieht er diese, besonders für seine Partei, als weniger wichtig an, als die Probleme der Migrationspolitik zu lösen.

Machen wir uns nichts vor: Nach Angela Merkels angekündigtem Rücktritt will Jens Spahn CDU-Vorsitzender werden. Damit steigen auch seine Chancen, 2021 Bundeskanzler zu werden. Offenbar ist er der Überzeugung, dass er dieses Ziel nicht durch die großen Probleme, wie soziale Ungleichheit, erreichen kann.

Die junge Generation ist mit anderen Dingen beschäftigt

Den meisten jungen Leuten dürfte es egal sein, ob sie keine Wohnung bekommen, weil der verfügbare Wohnraum als Asylbewerberunterkunft genutzt wird, oder weil die Politik versäumt, eine funktionierende Mietpreisbremse umzusetzen.

Laut dem Statistischen Bundesamt ist in Deutschland mittlerweile jeder Fünfte von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Das sind Zahlen, die herzlich wenig mit den Ausgaben für Migrationspolitik zu tun haben. Vielmehr gibt es in Deutschland seit Jahren ein grundsätzliches Problem mit der Vermögensverteilung.

Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer. Dieser Satz ist in den letzten Jahren so häufig ausgesprochen worden, dass er schon fast beiläufig wirkt. Man könnte fast meinen es wäre ein Naturgesetz, dass Vermögen derart ungleich verteilt sein muss.

Zum Glück ist das aber nicht so. Im Gegenteil: Wenn man seine Sicht nicht immer auf die Migrationsfrage versteifen würde, könnte man die wirklich großen Probleme unserer Zeit angehen. Das kann man Merkels Nachfolger an der CDU-Spitze und im Kanzleramt nur von ganzem Herzen wünschen.

 

Lukas Rumpler

Article by Lukas Rumpler

2010 mit dem Bloggen angefangen - irgendwann zum Journalisten geworden. Ressort-Journalismus Studium an der Hochschule Ansbach mit dem Schwerpunkt auf Politik und Wirtschaft.

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