Streik bei der Bahn: Heute mal nicht der Zug

Streik bei der Bahn

Vier Stunden Streik haben gereicht und der gesamte Fernverkehr in Deutschland ist einfach mal ausgefallen. Die Bahn kämpft gerade nicht nur gegen Mängel in Technik und Planung, sondern auch mit ihren Mitarbeitern.

Heute morgen ging durch Deutschland ein ungewohntes Gefühl der Gemeinsamkeit. Alle Pendler, Schüler und sonstige Menschen, die gerne mit Zug von A nach B kommen wollten, konnten gemeinsam in deutschen Bahnhofshallen warten. Viele fühlten wohl eine gewisse Wut gegen die streikenden Bahn-Mitarbeiter. Immerhin haben die Bahnkunden erst am Samstagnachmittag davon erfahren, dass sie am Montag wohl in die Röhre kucken werden. Gelinde gesagt ist das vor allem eines, nämlich kurzfristig.

Als die Bahn dann am Montagmorgen rund 90 Minuten nach Beginn des Warnstreiks verkündet hat, dass nun der gesamte Fernverkehr in Deutschland eingestellt wird, hatte das schon fast eine satirische Nuance. Erst streikt das ganze Jahr über immer wieder die Technik und jetzt so kurz vorm Jahreswechsel auch noch die Mitarbeiter.

Streiken gehört zur Demokratie dazu

Eines vorweg: Streiken ist mehr als nur in Ordnung. Streiks müssen auch weh tun, würden sie das nicht, dann könnte man es gleich lassen.

Der heutige Warnstreik hat bestimmt vielen Bahnkunden weh getan. Besonders, weil die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) bei ihrem Warnstreik nicht vor den Ansagezentren halt gemacht haben soll. Bahnkunden wurde also nicht nur die Möglichkeit genommen von A nach B zu kommen, sondern auch sich darüber zu informieren.

Streik bei einem Verkehrsunternehmen wie der Bahn, oder einer Fluggesellschaft tun naturgemäß am meisten weh. Hier trifft man einen breiten Bogen aus der Bevölkerung. Vom Geschäftsmann, der von München nach Berlin im Schnellzug fahren möchte, über den Schichtarbeiter und Schüler. Letztere freuen sich vielleicht noch, wenn die Schule für sie ausfällt, für den anderen ist ein Streik vor allem eines: Ärgerlich.

Warum hat die Bahn nicht interveniert?

Das größte Problem, das die Deutsche Bahn gerade mit sich herumträgt, sind die Folgen des jahrelangen Sparkurses. Man könnte auch sagen: Die Bahn hat sich kaputt gespart.

Der Sparkurs trifft natürlich auch die eigenen Mitarbeiter. Die EVG wollte 7,5 Prozent mehr Geld. 5,1 Prozent plus einmalig 500 Euro hat die Bahn angeboten. Der angebotene Tarifvertrag soll 29 statt 24 Monate gültig sein.

Angesicht dessen, was in den jüngsten Tarifverhandlungen so drinnen war, eigentlich nicht der schlechteste Deal. Zumindest kein so unverschämtes Angebot, dass man binnen 40 Stunden einen Streik auf die Beine stellen muss, auf den sich weder die Bahn, noch die Reisenden ansatzweise vorbereiten können.

Übrigens befindet sich auch die Gewerkschaft der Lokführer momentan in Tarifverhandlungen. Die Truppe um Klaus Weselsky hat in der Vergangenheit schon oft bewiesen, dass sie streiken können. Wenigstens bis Weihnachten wollen sie aber darauf verzichten. (Tagesspiegel)

Am Ende bleibt eines festzustellen: Arbeitnehmer sollen gerne auch in Zukunft für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen auf die Straße gehen. Sie sollen aber gleichzeitig so fair sein und dem Arbeitgeber und nicht zuletzt den Kunden die Möglichkeit geben, sich darauf einzustellen.

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Lukas Rumpler

Article by Lukas Rumpler

2010 mit dem Bloggen angefangen - irgendwann zum Journalisten geworden. Ressort-Journalismus Studium an der Hochschule Ansbach mit dem Schwerpunkt auf Politik und Wirtschaft.