Tür Nummer Elf – Adventskalender: Frauen, die die Welt verändern

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Der “Relevant-Magazin-Adventskalender” ist wieder da. Nachdem wir uns im letzten Jahr auf Politikerzitate konzentriert und im Nachhinein festgestellt haben, dass unser Fokus leider zu sehr auf den Männern der Geschichte lag, drehen wir dieses Jahr den Spieß um. Wir stellen euch diesen Dezember 24 Frauen vor, die die Welt verändert haben.

Sirimavo Bandaranaike war die erste frei gewählte Regierungschefin der Welt. Sie hatte drei Mal das Amt der Premierministerin von Sri Lanka inne, oder auch Ceylon, wie das Land bis 1972 hieß. In der Bevölkerung war Bandaranaike als “Ape Amma” also “unsere Mutter” bekannt, weil sie die arme Landbevölkerung mit mehr Reis versorgte.

Sirimavo Bandaranaike ist 17. April 1916 in Balangoda geboren.

Ihr Mann Solomon West Ridgeway Dias Bandaranaike war bis 1959 Premierminister. Er wurde von einem radikalen buddhistischen Mönch ermordet. Nach seinem Tod kam es zu einer Zeit der politischen Instabilität. Die Regierungskoalition seiner “Sri Lanka Freedom Party” zerbrach und 1960 wurden zwei mal Neuwahlen angesetzt. Seine Frau Sirimavo übernahm den Parteivorstand. Am 20. Juli gewann sie als Spitzenkandidatin die Wahlen und wurde damit die erste frei gewählte Regierungschefin der Welt.

In den kommenden Jahren setzte sie die sozialistische Politik ihres Mannes fort und verstaatlichte Unternehmen, vor allem im Banken- und Versicherungsbereich. Nachdem sie auch ausländische Unternehmen verstaatlichte, verhängten die USA und Großbritannien ein Handelsembargo gegen Sri Lanka. Daraufhin näherte sich das Land der Sowjetunion und China, blieb aber weiterhin ein blockfreier Staat. Das waren Staaten, die im Kalten Krieg neutral blieben.

Bandaranaike ersetzte die Amtssprache Englisch mit Sinhala, der Sprache der singhalesischen Bevölkerungsmehrheit. Angehörige der tamilischen Minderheit fühlten sich dadurch diskriminiert und wollten einen eigenen Staat im Nordosten der Insel.

1963 wehrte sie einen Militärputsch ab, verlor aber die Vertrauensabstimmung im Jahr darauf. 1970 gewann sie wieder die Mehrheit und wurde wieder Premierministerin. In ihrer zweiten Amtsperiode wurde eine neue Verfassung beschlossen, wodurch sich der Name des Landes von Ceylon in Sri Lanka änderte. Die Verbindung zur ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien wurde gelöst.

16 Monate nach ihrer Wahl wollten bewaffnete linke Gruppen ihre Regierung stürzen. Da die Armee Sri Lankas klein war und für zeremonielle Zwecke ausgerüstet, bekam das Land Hilfe von den befreundeten blockfreien Staaten Indien und Pakistan, die den Aufstand erfolgreich beendeten.

Sie setzte eine Bodenreform durch und enteignete alle großen Plantagenbesitzer.

Die Ölkrise 1973 traf die Wirtschaft des Landes schwer. Durch das Embargo wollte der Westen Sri Lanka nicht helfen. Bandaranaike nahm zudem keine Kritik an ihrer Wirtschaftspolitik an, weswegen sie einige unabhängige Medien schloss.

1976 wurde sie zur Vorsitzenden der Bewegung der blockfreien Staaten gewählt. Während sie international weitgehend respektiert wurde, verlor sie in ihrer Heimat an Rückhalt. Insbesondere nachdem ihr Korruption vorgeworfen wurde und die Wirtschaft des Landes in eine immer tiefere Krise glitt. Die Wahlen 1977 verlor Sirimavo Bandaranaike mit großem Abstand. 1980 wurde ihr wegen Amtsmissbrauch für sieben Jahre das Recht zur Ausübung eines öffentlichen Amtes aberkannt.

Sie starb am 10. Oktober 2000.

“Frauen müssen endlich wichtigere Positionen (…) einnehmen. Doch leider sind die meisten nicht an Politik interessiert.”

Article by Baha Kirlidokme

Studiert Politik- und Wirtschaftsjournalismus an der Hochschule Ansbach. Sitzt aktuell in der taz.de-Redaktion. Schreibt für bento von Spiegel Online. Freier Mitarbeiter bei der Main-Post und dem Schweinfurter Tagblatt. Autor beim Radiosender ANgedacht. War Redakteur beim Ansbacher Stadtmagazin Kaspar und Autor für das Musikmagazin Stormbringer.