Von der Gleichheit zur Gebärmaschine – Erste Welle des Feminismus (femme courageuse)

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Diese Woche wird die #Me-Too-Bewegung ein Jahr alt. In der Zeit hat sie unser Land und die Welt aufgerüttelt. Männer, die Frauen schlimmes antaten wurden verurteilt – Prominentestes Beispiel: Bill Cosby. Männer, wie Christiano Ronaldo und Harvey Weinstein müssen sich öffentlich verantworten.

Die Welt wurde aus ihrer Trägheit heraus aufgeweckt, zu denken, die Gleichstellung sei schon erreicht und alles sei gut. Wir sind einer Sache einen Schritt näher: Dass niemand anders behandelt wird wegen dem was ihm/ihr zwischen den Beinen hängt oder eben nicht.

Die ersten Schritte dorthin sind viel früher passiert. Wir, vom Relevant Magazin, nehmen das zum Anlass für eine Zeitreise zu dem Beginn der Frauenbewegung.

 

Die erste Welle der Frauenbewegung (Teil 1)

(Anfang/Mitte der 19. Jahrhundert bis Anfang des 20. Jahrhunderts) 

 


Die Grundlage: Die ersten Ansätze der Frauenbewegung gab es zu Zeiten der Aufklärung. Hier vor allem wichtig: Die Schriftstellerin Olympe de Gouge, die die “Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin” (1791.) verfasste.  Im Prinzip steht darin, was wir bis heute erreichen wollen: Frauen sollten gleiche Rechte und Pflichten haben wie Männer. Alle Bürger- und Menschenrechtserklärungen betrachteten bis dahin nur die Männer als wichtiges Subjekt.

Mit der französischen Revolution begann die erste Welle des Feminismus und das “Frauen-Thema” wurde salonfähig. In den USA wurde das “Frauen-Thema” erst zur Sprache gebracht mit der Anti-Sklaverei-Bewegung. Warum? Weil vielen Frauen klar wurde, dass die schwarze Bevölkerung zwar mehr leidet als sie, aber auch sie, als Frauen an sich, benachteiligt wurden. Und wenn andere sich wehren, können sie das auch. 1848 wurde in den USA auch durch die Frauenbewegung die “Declaration of Sentiments” beschlossen. Der Tenor wieder: Frauen und Männer sind gleich.

Mitte der 19. Jahrhunderts nahm die Bewegung fahrt auf: Die britische Frauenrechtlerin Josephine Butler engagierte sich für Prostituierte: Damals war für die Gesellschaft nur allein die Frau, also die Prostituierte, an der Verbreitung von Geschlechtskrankheiten schuld, nie der Mann. Auch in anderen Ländern kämpften Frauen erfolgreich gegen diese Doppelmoral.

Der Begriff Feminismus entstand auch in dieser Zeit: Hubertine Auclert entwickelte in ihrer Zeitschrift “La Citoyenne” den Begriff als Antithese zum Maskulinismus, der nach Auclert vorherrschte. Maskulinismus steht für das Eintreten der männlichen Rechte. Grundlage hier: Natürliche Überlegenheit. Der Feminismus dagegen setzt sich nach dieser Definition die Gleichstellung der Geschlechter als Ziel.

Zentraler Punkt war in dieser Zeit das Frauenwahlrecht. In vielen europäischen Ländern kämpften die Frauen für demokratische Teilhabe. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, konnte man als Frau nur in einem europäischen Land wählen – nämlich Finnland. Sonst nirgendwo.

Der Androzentrismus  wurde von Charlotte Perkins Gilman entwickelt. Schwieriges Wort, steht für eine besondere Art des Sexismus. Hierbei wird die Frau immer als “das Andere”, “das Nichtvollkommene” beschrieben. Die Frau ist das Gegenteil des Mannes, anders als er. Und sie hat eben nur das Loch, dass nur durch ihn gefüllt werden kann. Nur durch das Zutun des Mannes, kann die Frau aktiv werden. Bis heute findet man diese Theorie in vielen feministischen Werken wieder.

Gleichzeitig zentrale Punkte waren gleicher Lohn, Loslösung vom Vater oder Ehemann und Zugang zu Universitäten. Das Selbstbewusstsein der Frauen wurde auch durch den Ersten Weltkrieg extrem gestärkt Nachdem die Männer an die Front mussten, waren viele Frauen gezwungen, berufstätig zu werden. Nach dem Krieg kamen die Männer oft als Kriegsinvalide zurück: Die Frauen wurden zu den Familienernährern und damit immer selbstbestimmter.

Viele der geforderten Punkte wurden erreicht – in Deutschland wurde 1918 das Frauenwahlrecht eingeführt. Und damit ebbte die Welle etwas ab, man gab sich zufrieden. In der Weltwirtschaftskrise 1929 wurden Frauen immer als erste entlassen. Schritt für Schritt sollte die Frau zurück in ihre alte Rolle.

Der Nationalsozialismus gab der Bewegung den Rest: Frauen wurden wieder an Haus und Küche gebunden und am Ende der ersten Welle waren Frauen nur wieder putzende, kochende Gebärmaschinen. 

 

 

Article by Sarah Walz

Studiert Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach. Arbeitet als Freie Mitarbeiterin beim Schwarzwälder Boten und Autorin beim Zollern-Alb-Kurier. War Praktikantin beim Radiosender afk max und moderiert eigene Sendungen. Ebenso Praktikantin beim Medienzentrum Parabol. Dazu Redakteurin beim Campusradio Ansbach. Derzeit Praktikantin bei Pro Sieben Galileo. Interessiert an Fotografie und Filmen, sowie Literatur und Tanz.

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