Von der Unverschämtheit einen eigenen Körper haben zu wollen

Titelbild_Zizek

Der linke Philosoph und Kulturkritiker Slavoj Žižek hat sich über den Feminismus beschwert, denn: Er würde den Sex langweilig machen. Dabei sollten alte weiße Männer endlich aufhören, zu versuchen Frauen ihre Vulva zu erklären.


Es gibt Dinge, über die Männer gerne mitdiskutieren sollen, wenn es um den Feminismus geht. Aber wenn alte weiße Männer mir erklären, wie “mystisch” meine Vulva doch sei, ist das a) unangebracht und b) ziemlich ekelhaft.  Trotzdem hat sich der linke Philosoph Slavoj Žižek nicht daran hindern lassen, für die “Neue Zürcher Zeitung”, genau das zu tun . Unter dem griffigen Titel “Soll denn nun auch alles Erotische entzaubert werden? In was für langweiligen Zeiten leben wir eigentlich?” erklärt Žižek, warum Feminismus dem Sex und vor allem der Vulva die “Mystik” nehmen würde. Er beschwert sich über diverse KünstlerInnen und AutorInnen, die sich mit der Vulva auseinandersetzen oder – Zitat – “Muschi-Erkundungs-Workshops” veranstalten. Damit verbunden für ihn ist, dass der Vulva als absolutes Objekt männlicher Begierde, alles Erotische abgesprochen werden würde und am Ende würde der Sex und alles damit verbundene langweilig.

Soweit, so sexistisch. Das werfen auf Twitter viele vor allem weibliche Userinnen Žižek jetzt vor (Beispieltweets, die ich noch suche). Auch Spiegel-Kolumnistin Margarete Stokowski unterstellt ihm Sexismus (Text verlinken). Doch was ist an seiner Aussage genau das Problem?

Žižek stellt in seiner Argumentation den Sex über den Körper der Frau. Er reduziert die Frau auf die Vulva und deren Erotik. Das mystische Objekt wird durch den Feminismus zu einem Körperteil, mit seinem auch vielleicht eher weniger sexy, aber normalen Funktionen, wie die Periode. Damit ist die Vulva für Žižek uninteressant und er zieht daraus den Schluss, auch gleich Exkremente zu entfetischisieren, so als wäre das kein absolut hirnrissiger Vergleich.

Žižek wirkt durch seine Argumentation, wie einer der vielen alten weißen Männer, die es einfach nicht fassen können, dass Frauen keine Lust mehr haben, nur als “Wichsvorlage” zu dienen. Dieses Denken ist gefährlich, denn es will der Frau die Selbstbestimmung über ihren Körper nehmen. Zuerst steht die Vulva, dann die Frau selbst. Sex sollte niemals über dem körperlichen Wohl stehen, egal um welches Geschlecht es geht. Damit bekommt der Sex einen falschen Stellenwert. Nicht, dass Sex nicht etwas Schönes ist, doch weder Mann noch Frau sollten diesem Druck ausgesetzt werden.

“Ist dies wirklich ein Fortschritt?”, fragt sich Žižek, wenn Frauen ihre Vulvas erkunden. Ja, ist es. Je mehr auch Frauen über ihren eigenen Körper erfahren, desto mehr Selbstbestimmung können sie für sich gewinnen. Aber Žižek beschwört das Ende der Sexualität herbei: “Das Ergebnis ist nicht eine neue Freiheit, sondern die graue Realität, in der Sex vollkommen unterdrückt wird.”

Die ganze Diskussion zeigt vor allem, dass manche Männer eines immer noch nicht verstanden haben: Ihr könnt immer noch guten Sex haben, auch wenn wir Frau unserer Vulva sind.

Article by Sarah Walz

Studiert Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach. Arbeitet als Freie Mitarbeiterin beim Schwarzwälder Boten und Autorin beim Zollern-Alb-Kurier. War Praktikantin beim Radiosender afk max und moderiert eigene Sendungen. Ebenso Praktikantin beim Medienzentrum Parabol. Dazu Redakteurin beim Campusradio Ansbach. Derzeit Praktikantin bei Pro Sieben Galileo. Interessiert an Fotografie und Filmen, sowie Literatur und Tanz.